Fr, 13. Nov 2009, 12:01
Man kann diese schwerwiegende Entscheidung vielleicht für sich selbst fällen, wenn man keine Verantwortung und keine Verpflichtung gegenüber Anderen und Anderem trägt, aber nicht wenn man hier Familie und Schulausbildung zu erfüllen hat, nicht wenn deine Familienangehörigen gegen diesen Schritt sind. Vor allem will dieser Schritt gut überlegt sein, man trifft dort nicht gerade auf einen blühenden Arbeitsmarkt und muss auf viele Luxusgüter, die sich hier als Grundbedürfnisse eingeschlichen haben, verzichten.
Träume erfüllen sich nicht und Träume werden sich niemals erfüllen, deshalb wird dieser Wunschgedanke abseits der Realität heranwuchern. Gegen diese wuchernden Wunschgedanken bleibt mir nur ein abschwellendes Mittel von ein paar Wochen Ferienzeit, wobei ich diese Zeit nicht wie Andere als Ferien, als eine Zeit mit Anfang und Ende, sondern vielmehr als eine Art Schönheitsschlaf für meine Seele ansehe, den Anfang herbeisehne und das Ende verdränge, und wenn dann schlussendlich die Tage gezählt sind und das Ende herannaht, bin ich in mir selbst verschlungen und alles was dann an Gedanken heraussprudelt, ist die Einsicht, dass alles für ein letztes Mal geschieht, ein letztes Mal für eine lange Zeit. Heimat ist der Ort, wo Sehnsuchtsgefühle ihren Nährboden haben, wo gewöhnliche Erde, Bäume und Steine zu bedeutungsvollen Erinnerungskonstrukte heranwachsen, wo Menschen deine innere Eiszeit zum Schmelzen bringen, deshalb ist es für mich kein Wunder, wenn ich bei freiwilliger Mithilfe landwirtschaftlichster Schwerstarbeit in Kosova innerlich zufrieden bin, wenn ich Strohhalm kauend in die menschenleere Landschaft starre und dabei eine innerliche Behutsamkeit verspüre, wenn ich anspruchslos das Essen zu mich nehme, was andere tagtäglich auch zu sich nehmen. Der Abschied ist am Schwersten. Früher musste man mich als Kind mit Märchengeschichten vertrösten, um mich überhaupt erfolgreich in's Auto zu zerren, heute sind die Perlen voller Tränen mein einziger Rückzugsort. Ich kann mit Recht behaupten, dass es mir hier an nichts fehlt, jedoch ist die Leere, die eine heimatlose Bleibe in einem fremden Land mit sich bringt, nicht zu überdecken, nicht mit Schutt voller Alltagsbewältigungen und auch nicht mit anderen Errungenschaften wie Freunde, Freizeitmöglichkeiten etc. Das Einzige, was Abhilfe schafft, ist das Ganze elf Monate lang erträglich zu machen indem man Erinnerungen zuschnürt, die Sehnsucht unterdrückt und in den Brustpanzer hineinschlüpft. Manchmal zerfliesse ich in "was wäre wenn" Gedanken und führe mir den selbstzermürbenden Gedanken zu, wie es wäre, wenn ich in meiner Heimat meine Jugend verbracht hätte. Ich bin mir sicher, es wäre glücklicher verlaufen.
Ich glaube, diese Heimatssehnsucht wird bei heimatliebenden Albaner niemals verstummen und lässt sich auch nicht bekämpfen, es wird dich immer begleiten.
Ka dy lloje njerëz: Këta që kur hynë në dhomë thonë: “Ja ku jam!”, dhe ata që kur hynë në dhomë thonë: “Ah, këtu qenke!”
lamtumirë sa t'jetë jeta