Vienna hat geschrieben:
Dein DDR Bsp ist nicht brauchbar weil die DDR ein kommunistisches Land war. In kommunistischen Ländern ist das ganze wirtschaftliche & gesellschatliche Leben total anders, das lässt sich nicht mit anderen Ländern der damaligen Zeit bzw., heutigen Zeit vergleichen.
Da ist mein Bsp. der USA von 1960 bis 2000 viel wesentlicher und stichhaltiger. In der DDR konntest du arbeiten soviel du willst, wenn man keinen Schwarzhandel betrieben hast hast du trotzdem nur den für deine Branche bestimmen (sehr niedrigen) Einheitslohn bekommen... Schlechter Vergleich und kann auch nicht als Referenz dienen...
Wieso ist es unbrauchbar nur weil es ein "kommunistisches Land" war. Eben genau deswegen könnte man Unterschiede zu anderen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen erkennen.
Hier eine Studie, die das was ich beschrieben habe, belegt. (Es ist ein PDF-File, ich poste wichtige Stellen hier rein und wenn ihr die Studie ganz lesen wollt, könnt ihr es euch herunterladen.) Es folgt ein etwas längerer Text... Kurz noch zum Vorverständnis
egalitäres Rollenverständnis = Mann und Frau gehen arbeiten
traditionelle Rollenverständnis = Mann arbeitet und Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt.
Scheidung in Ost- und Westdeutschland
Der Einfluss der Frauenerwerbstätigkeit
auf die Ehestabilität
Im Mittelpunkt steht dabei der Einfluss der Frauenerwerbstätigkeit auf die
Ehestabilität.
Während der DDR, im Hinblick auf die Erwerbsbeteiligung der Frau, ein egalitäres Rollenverständnis zugrunde lag, unterstützten die gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen der BRD das traditionelle Modell eines männlichen Hauptverdieners. Die Gegensätzlichkeit dieser Rollenmuster ermöglicht es, zu untersuchen, ob hinsichtlich des Zusammenhangs von Frauenerwerbstätigkeit und Ehestabilität zwischen traditionell und egalitär ausgerichteten Gesellschaften Unterschiede bestehen.
Ausgangspunkt vieler Argumentationen über den Zusammenhang von
Frauenerwerbstätigkeit und Scheidungsrate ist die erstaunliche Parallelität in der Entwicklung der beiden Größen. In einer US-amerikanischen Untersuchung stellt
Greenstein (1990: 659) fest:
„… we find that both indicators have been generally increasing since the late
nineteenth century; that both indicators have increased sharply since the 1950s; and
that the relative increases in the indicators have been approximately equal.”
Mit der DDR und der BRD entstanden nach dem zweiten Weltkrieg zwei Staaten, die zwar der gleiche kulturelle Hintergrund und eine gemeinsame Sprache verband, deren ideologische, wirtschaftliche und familienpolitische Entwicklung jedoch weitestgehend unterschiedlich verlief. In der DDR wurden bereits frühzeitig alle rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen geschaffen, die eine Integration der Frau in das Erwerbsleben ermöglichten. Die Folge war eine lebenszeitlich fast kontinuierliche Vollzeiterwerbstätigkeit ostdeutscher Frauen. Im Gegensatz dazu unterstützte die bundesdeutsche Sozial- und Familienpolitik das traditionelle Modell eines männlichen Alleinverdieners.
Die Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Anstieg des
Scheidungsniveaus verliefen in vielen Staaten auffallend parallel (Hill und Kopp
1994).
Vor diesem Hintergrund hat das wissenschaftliche Interesse an der
Erforschung des Zusammenhangs von Frauenerwerbstätigkeit und Ehestabilität stark zugenommen.
Ein Wirkungsmechanismus kann aus der ökonomischen Theorie der Familie
abgeleitet werden.
Der Vorteil der Ehe gegenüber anderen Lebensformen besteht
dieser Theorie zufolge unter anderem in der Möglichkeit einer arbeitsteiligen
Organisation anfallender Aufgaben und der damit verbundene Effizienzsteigerung
(Becker 1993: 30-53). Die Spezialisierung der Partner auf den Hausarbeits- oder
Erwerbsarbeitssektor wird als eine Investition in ehespezifisches Kapital angesehen.
Bleibt diese Investition aus, so sinkt über den Gewinn auch die Stabilität der
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ehelichen Beziehung. Auch Kinder spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige
Rolle (Becker 1977). Da eine Erwerbstätigkeit beider Partner aber oftmals mit dem
Kinderwunsch konfligiert, wird dieser von berufstätigen Frauen hinausgezögert.
Mit
dem Verzicht auf Kinder, auch wenn er nur temporär geplant ist, fehlt jedoch eine
weitere wichtige Investition in ehespezifisches Kapital (Hartmann und Beck 1999).
Die Erwerbstätigkeit der Frau führt also in mehrfacher Hinsicht zu einer Verringerung
ehespezifischer Investitionen und damit zu Instabilität.
Von der zeitlichen Inanspruchnahme der Frau durch die Erwerbstätigkeit geht eine
weitere Gefahr für die Ehestabilität aus. Greenstein (1990, 1995) spricht in diesem
Zusammenhang von einem destabilisierend wirkenden Abwesenheitseffekt weiblicher
Erwerbstätigkeit.
Zum einen steht erwerbstätigen Frauen weniger Zeit für Haushalts und Familienarbeit zur Verfügung, wodurch sich die physische und psychische
Belastung der Frau erhöht und gleichzeitig das Konfliktpotential infolge einer
eventuell verminderten Qualität der Haushaltsarbeit steigt. Zum anderen
besteht die
Möglichkeit, dass unter erwerbstätigen Frauen Unzufriedenheit über die Aufteilung
der häuslichen Tätigkeiten entsteht. So weist Greenstein darauf hin, dass
Haushaltsarbeiten auch in Ehen, in denen die Frauen vollzeitbeschäftigt sind, in der
Regel nicht von beiden Partnern in gleichem Ausmaß übernommen werden.
Während die physische und psychische Belastung der Frau steigt, nimmt für die
Ehepartner die Möglichkeit, Zeit - vor allem Freizeit - gemeinsam zu verbringen ab
(Hartmann und Beck 1999).
Des Weiteren bleiben der Stress und die Probleme des
Arbeitsalltages vermutlich nicht auf den Arbeitsplatz beschränkt, sondern
beeinflussen auch das Ehe- und Familienleben (Hughes et al. 1992; Hill und Kopp
1994). Infolgedessen kommt es zu einer Beeinträchtigung der ehelichen Interaktion,
die sich negativ auf die Stabilität der ehelichen Beziehung auswirkt.3
Ein weiterer die Ehestabilität reduzierender Wirkungsmechanismus ist die mit der
Erwerbsbeteiligung der Frau verbundene
Erhöhung der emotionalen Unabhängigkeit.
So sind erwerbstätige Frauen aufgrund ihres Arbeitsumfeldes eher dazu in der Lage,
sich
einen vom gemeinsamen Netzwerk der Ehepartner unabhängigen
Bekanntschaftskreis aufzubauen, wodurch auch die Chance, andere Partner kennen zuleren höher ist.
Es ist zwar davon auszugehen, dass auch die Erwerbstätigkeit von nur einem Partner von Zeit zu Zeit
einen negativen Einfluss auf das Familienleben ausübt, Konflikte und Stresssituationen treten in diesem
Fall jedoch seltener auf (da sie nur von einem Arbeitsplatz ausgehen können) und sind leichter zu
bewältigen (da der nicht erwerbstätige Partner über genügend Zeit verfügt, um moralischen Beistand zu
leisten und um dem Erwerbstätigen im Hinblick auf familiale Tätigkeiten den Rücken freizuhalten).
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lernen steigt. Darüber hinaus ist
die identitätsstiftende Wirkung der Ehe für
erwerbstätige Frauen vermutlich geringer, da sie sich nicht ausschließlich über ihre
Rolle als Ehefrau bzw. Mutter, sondern auch über Berufserfahrungen definieren
können (Spitze 1988; Hartmann und Beck 1999).
So erhöht das Einkommen
der Frau den finanziellen Spielraum und damit den Lebensstandard der Familie.
Darüber hinaus begünstigt es die Akkumulation von ehespezifischem Kapital, soweit
sich dieses auf materielle Güter wie zum Beispiel Wohneigentum bezieht. Über den
Einkommenseffekt geht
von der Erwerbstätigkeit der Frau also auch ein positiver, die
Ehe stabilisierender Einfluss aus
Zur Untersuchung des Einflusses des (relativen) Einkommens der Frau auf die
Stabilität ehelicher Beziehungen wurde in den USA bereits eine Vielzahl
unterschiedlicher Datensätze und Analysemethoden verwendet. Die Ergebnisse sind
allerdings widersprüchlich (Rogers 2004).
Während einige Studien ein mit dem
(relativen) Einkommen der Frau ansteigendes Scheidungsrisiko belegen (vgl. z.B.
Spitze und South 1985; Hiedemann et al. 1998; Rogers 2004), konnte dieser
Zusammenhang in anderen Studien nicht nachgewiesen werden
Nach 1975 geschlossene westdeutsche Ehen sind laut Wagner
hingegen signifikant stabiler, wenn die Frau erwerbstätig ist. In Ostdeutschland hatten
Hartmann und Beck zufolge sowohl vollzeit- als auch teilzeitbeschäftigte Frauen ein
niedrigeres Scheidungsrisiko als nicht erwerbstätige Frauen (wobei diese Ergebnisse
jedoch nicht signifikant sind).
Eine ungleiche Verteilung der Haushaltsarbeit wird dagegen insbesondere
unter egalitären Rollenerwartungen als ungerecht empfunden. Demzufolge sollte
dieser Effekt vor allem für ostdeutsche erwerbstätige Frauen das Scheidungsrisiko
erhöht haben.
Unter den traditionellen westdeutschen Rollenvorstellungen wurde eine
geringe Beteiligung der Männer an der Hausarbeit wahrscheinlich eher als normal
empfunden - auch wenn beide Partner erwerbstätig waren - und hatte damit keinen
destabilisierenden Einfluss.
Für beide deutschen Staaten ist hingegen anzunehmen,
dass sich das mit der Erwerbstätigkeit der Frau verbundene zusätzliche Einkommen
positiv auf die Ehestabilität ausgewirkt hat.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass von der Erwerbstätigkeit der Frau in
Ostdeutschland vermutlich eine geringere Anzahl destabilisierend wirkender Effekte
und ein stärkerer die Ehe stabilisierender Einkommenseffekt ausging. In dieser
Untersuchung wird daher angenommen, dass der negative Zusammenhang zwischen
Frauenerwerbstätigkeit und Ehestabilität in Ostdeutschland schwächer war als in
Westdeutschland.
Für das vereinte Deutschland lässt sich auf Grundlage dieser Ergebnisse
schlussfolgern, dass weder eine anhaltend hohe Frauenerwerbsbeteiligung
(Ostdeutschland) noch eine Zunahme der Frauenerwerbsquote (Westdeutschland)
unweigerlich zu einem Anstieg des deutschen Scheidungsniveaus führen muss.
Lest hier die ganze Studie, denn ich hab kein Bock alles hier reinzuposten.
http://www.demogr.mpg.de/papers/working/wp-2006-016.pdf