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Magnet
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Scheidung in den westlichen Ländern...

Mi, 23. Mai 2007, 0:35

Hallo zusammen

Ich habe in diesem Forum etwas über das Scheidungs-Thema gelesen und mich erstaunt es immer wieder, dass sehr viele die Gründe für die ständig wachsenden Scheidungsraten in den westlichen Ländern, darin sehen, dass die Frau in der heutigen Gesellschaft finanziell Unabhängig ist.

Dazu habe ich das hier geschrieben:

Während der DDR, mussten oftmals sowohl Frauen als auch Männer arbeiten und zwar erwerbstätig, aus dem einfachen Grund, weil ein einziges Einkommen für die Familie oftmals nicht langte. Und überhaupt war der Mann in der Geschichte nie der Einzige, der fürs Geld sorgte, also fürs Essen auf dem Tisch. Nein, Frauen waren schon immer an der Erwerbstätigkeit der Familie mitbeteiligt. Nur, was sich zwischen Mann und Frau unterscheidete, war die Art des Berufes. Es gab schon immer typische Frauenberufe und typische Männerberufe. Heute ist das anders, Mann oder Frau ist in ihrer Beruswahl freier und unabhängiger, das stimmt. Und trotzdem gab es in der DDR im Vergleich zu Heute nicht so viele Scheidungen, obwohl beide Paare Erwerbstätig waren.
Die Unabhängigkeit der Frau in unserem Zeitalter ist vielleicht schon auch ein Punkt, der zu häufigeren Scheidungsraten führt als in östlichen Ländern, aber diese hohe Scheidungszahlen auf nur diesen Punkt herunterzuspielen ist für mich eine Schönrede-Argumentation des arroganten Westens...


Kann man den Heute wirklich noch dieses Argument mit der finanziellen Unabhängigkeit der Frau nehmen? Sind es Heute nicht vielmehr andere Gründe, weswegen es zu einer Scheidung führt?

Das Thema beschäftigt mich schon seit längerem, ich war mit einem Schweizer sehr gut befreundet und er war ein sogenanntes Scheidungskind und wie man weiss, tragen die Kinder bei der Scheidung ihrer Eltern die Hauptlast. Für viele Schweizer ist dieses Thema völlig normal geworden, während die Scheidungen steigen, sinken die Heiratsanträge.

Die Frau frägt sich, wozu heiraten, wenn die Großzahl der Frauen von heute wirtschaftlich nicht mehr derart abhängig sind, wie noch vor vierzig Jahren. Sie haben ihren Job, ihre eigene Wohnung, ihr eigenes Auto. Wozu heiraten?

Hinzu kommt, dass Männer bei Scheidungen häufig ein großer finanzieller Nachteil erwächst. Die Notwendigkeit für ihre Kinder finanziell aufzukommen, sehen die meisten Väter ein, jedoch nicht, dass sie oft den Wert des Hauses oder anderer Eigentümer, die die Eheleute zwar gemeinsam angeschafft haben, aber in vielen Fällen aus den Mitteln des meist besser verdienenden Mannes bezahlt wurden, nun nach der Scheidung mit der Ex-Frau teilen müssen.

Ein Auslaufmodell?

Andere wiederum halten die Ehe für ein Auslaufmodell. Zeitgemäßer sei stattdessen doch eher eine Lebensabschnittsgemeinschaft. Da sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens verändert, passe auch zu jedem Abschnitt ein anders gearteter Partner zu ihm. So könne eine Ehe mit ein und demselben Gefährten gar keine befriedigende Dauerinstitution sein. Um sich den Kummer mit der Scheidung zu ersparen, heiraten viele daher erst gar nicht.

Während also die Scheidungsrate wächst, sinken die Heiratsanträge in der Schweiz. Probleme in der Ehe, die gibt es, so wie es Höhen und Tiefen im Leben gibt, aber ist es Heute in der Schweiz nicht so, dass Mann oder Frau früher zur Scheidung greift, weil es fast schon normal geworden ist. Früher galt es in der Gesellschaft als beschämend geschieden zu sein, Heute ist es fast schon normal geworden. Sehr schnell hat man eine andere Liebe gefunden, da die alte Liebe mit der man verheiratet war monoton und demzufolge langweilig geworden ist. Zu dem kommt noch, dass die Ehe als solches bei jeder Kultur etwas traditionsbewusstes ist. So kam in einer Studie heraus, dass in Kulturen, die traditionsbewusster sind, es weniger zu Scheidungen kommt als in Kulturen die sehr traditionsarm sind. Natürlich ist die Schweiz, wie jedes andere Land auch, sehr reich an Kultur und Tradition, die Frage lautet nur: Werden diese Traditionen Heute noch gepflegt oder bestimmt nicht etwa die heutige kapitalistische Konsumgesellschaft unser Denken und Handeln und somit auch unsere Kultur?

Wo seht ihr die Gründe für die Scheidungen?

Viele Grüsse

Vienna
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Mi, 23. Mai 2007, 1:55

Soll die Diskussion aus westlicher Sicht geführt werden oder aus albanischer? Beides wäre eher schlecht da sich alles vermischen würde und es keinen klaren "Diskussionsfaden" gäbe.
Aus albanischer käme zB die Frage des "Lebensabschnittspartners" nicht in Frage, da einfach nicht existent. Maximal bei einer vernachlässigbaren Menge von unter 3% die das praktiziert, mehr werdens nicht sein.
Magnet hat geschrieben:So kam in einer Studie heraus, dass in Kulturen, die traditionsbewusster sind, es weniger zu Scheidungen kommt als in Kulturen die sehr traditionsarm sind.
Quelle? Name der Studie? Link?

Dein DDR Bsp ist nicht brauchbar weil die DDR ein kommunistisches Land war. In kommunistischen Ländern ist das ganze wirtschaftliche & gesellschatliche Leben total anders, das lässt sich nicht mit anderen Ländern der damaligen Zeit bzw., heutigen Zeit vergleichen.
Da ist mein Bsp. der USA von 1960 bis 2000 viel wesentlicher und stichhaltiger. In der DDR konntest du arbeiten soviel du willst, wenn man keinen Schwarzhandel betrieben hast hast du trotzdem nur den für deine Branche bestimmen (sehr niedrigen) Einheitslohn bekommen... Schlechter Vergleich und kann auch nicht als Referenz dienen...
"Im Leben kommt es nicht darauf an gute Karten zu haben, es kommt darauf an mit schlechten Karten gut zu spielen"
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Estra
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Re: Scheidung in den westlichen Ländern...

Mi, 23. Mai 2007, 10:14

Magnet hat geschrieben:
Kann man den Heute wirklich noch dieses Argument mit der finanziellen Unabhängigkeit der Frau nehmen? Sind es Heute nicht vielmehr andere Gründe, weswegen es zu einer Scheidung führt?
Hallo ,
ich denke, dass die meisten heutzutage, die Ehe als nicht mehr verbindlich anschauen. Sie wollen ein tolles Fest, ein super Kleid, ne Hochzeitsreise usw. dann aber wenn die ersten Probleme auftreten denken sich viele, mensch warum sich Mühe geben, eine Ehe ist ja auch nicht mehr das was sie mal war, auch gesellschaftlich gesehen, also Scheidung ist einfacher als sich anstrengen.
Andere wollen gar keine Ehe mehr führen, ihnen reicht das Zusammenleben mit einem Partner, auch ohne Trauschein.
Zusammenfassend find ich, dass viele nicht länger in die Zukunft schauen, als drei vier Jahre. Sich auch nicht mehr so fragen, will ich mit diesem Partner alt werden, will ich auch mit diesem Partner zusammen bleiben, wenns uns schlecht geht, ob nun finanziell oder gesundheitlich, will ich mit diesem Partner eine Familie gründen, etwas aufbauen usw. Wenn dann nicht ein klares ja kommt, dann ist es schon gelaufen und auch dann ist es noch keine Garantie, dass es gut geht. Eine Ehe ist kein Spaziergang, kein einfacher Weg, sich das Leben zu gestalten, sondern ein Weg voller Höhen und Tiefen, die zu bewältigen sind.
Gruss Estra

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Mirlinda07
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Mi, 23. Mai 2007, 11:07

traurig,aber wahr!
Während zu DDR-Zeiten die Ehe noch ein gesellschaftliches MUß gewesen ist,gibt es jetzt mehr Scheidungen,als Eheschließungen.
Ich bin in der DDR aufgewachsen und da war die Familie noch heilig.
Alleinerziehende Mütter gab es ganz selten.
Die Ehe meiner Eltern lief gut,bis die Wende kam.
Damals eröffneten meine Eltern sofort eine Videothek,wo meine Mutter gearbeitet hat,während mein Vater seinem Beruf nachging.
Der Laden boomte und kurz darauf wollte meine Mutter noch die erste Spielothek unserer Kleinstadt eröffnen,weil sie Blut geleckt hat.
Natürlich erfüllte mein Vater ihr auch diesen Wunsch und war stolz auf den finanziellen und lukrativen Einfall seiner Frau.
Natürlich mußte dann auch noch ein tolles Westauto für meine Mutter her.
Wenn schon,denn schon...
Da wir Verwandte in der BRD hatten,konnte meine Mutter sich richtig verwirklichen.
Die Geldangelegenheiten regelte sie alles alleine.
So merkte sie,dass sie meinen Vater eigentlich gar nicht mehr richtig brauchte.
Schließlich verliebte sie sich in einen jungen Mann,der täglich als Kunde in die Videothek kam,fing was mit ihm an,wurde schwanger und trennte sich von meinem Vater.
Finanziell hatte sie längst vorgesorgt,mein Vater mußte dann sogar unser Haus und die Läden verkaufen,um sie auszuzahlen.
Tja,sowas brachte der Westen. :(
Zu DDR-Zeiten hätte meine Mutter sich niemals sowas getraut,da hat man
zusammen verdient und gelebt.
Man war voneinander abhängig.
Heutzutage sind Frauen selbstständig,finanziell unabhängig und werden vom Staat unterstützt,wenn sie sich vom Partner trennen.
Ich möchte auch nicht unbedingt heiraten,weil das Zusammenleben mit einer Ehe gleichgestellt ist.
das gemeinsame Sorgerecht haben mein Freund und ich auch,wenn wir nicht verheiratet sind.
Irgendwie gibts doch kaum noch Unterschiede.
Meine Freundinnen sind alle geschieden und wollen nicht mehr heiraten,erst wenn sie das Geld für die Scheidung zusammen haben. :lol:
Ich denke schon,dass die Scheidungsrate auch mit der westlichen Stellung der Frau zu tun hat.

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Magnet
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Mi, 23. Mai 2007, 14:46

Vienna hat geschrieben:
Magnet hat geschrieben:So kam in einer Studie heraus, dass in Kulturen, die traditionsbewusster sind, es weniger zu Scheidungen kommt als in Kulturen die sehr traditionsarm sind.
Quelle? Name der Studie? Link?
Traditionelle Familien, in denen die Ehepartner eine traditionelle Auslegung der Geschlechterrollen teilen, sind am wenigsten von Scheidung betroffen. Zu diesem Schluss kommt eine der umfassendsten Studien, die bislang über die Scheidung durchgeführt wurden. Mavis Hetherington, emeritierte Psychologieprofessorin an der Universität von Virginia, begleitete 1400 Familien über den Zeitraum von dreißig Jahren. Ihre Beobachtungen hielt sie im Buch "For Better or for Worse: Divorce Reconsidered" fest, das im Jänner 2002 erschien (W.W.Norton & Co.; Co-Autor John Kelly). Darin werden fünf Arten von Ehen und deren Scheidungspotential unterschieden.

Am höchsten ist das Scheidungsrisiko in sogenannten "Pursuer-Distancer"-Ehen, wo die Frau Probleme benennt, der Mann darauf aber nicht eingeht. Hoch ist das Risiko auch in Ehen, wo gemeinsame Interessen fehlen und die Partner in emotionaler Distanz zueinander leben. Genauso sind auch flüchtige und stürmische Ehen gefährdet, in denen sich Kämpfe und Sex abwechseln. Am wenigsten Scheidungen gibt es zwischen Partnern, die Verantwortungen und Pflichten aufteilen und in persönlicher Autonomie leben. Für die Aufteilung der Aufgaben scheint sich - das ergibt die Studie - die traditionelle Auffassung der Geschlechterrollen am besten zu eignen.

http://www.amazon.com/Better-Worse-Divo ... 0393048624

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Magnet
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Mi, 23. Mai 2007, 15:04

Vienna hat geschrieben: Dein DDR Bsp ist nicht brauchbar weil die DDR ein kommunistisches Land war. In kommunistischen Ländern ist das ganze wirtschaftliche & gesellschatliche Leben total anders, das lässt sich nicht mit anderen Ländern der damaligen Zeit bzw., heutigen Zeit vergleichen.
Da ist mein Bsp. der USA von 1960 bis 2000 viel wesentlicher und stichhaltiger. In der DDR konntest du arbeiten soviel du willst, wenn man keinen Schwarzhandel betrieben hast hast du trotzdem nur den für deine Branche bestimmen (sehr niedrigen) Einheitslohn bekommen... Schlechter Vergleich und kann auch nicht als Referenz dienen...
Wieso ist es unbrauchbar nur weil es ein "kommunistisches Land" war. Eben genau deswegen könnte man Unterschiede zu anderen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen erkennen.

Hier eine Studie, die das was ich beschrieben habe, belegt. (Es ist ein PDF-File, ich poste wichtige Stellen hier rein und wenn ihr die Studie ganz lesen wollt, könnt ihr es euch herunterladen.) Es folgt ein etwas längerer Text... Kurz noch zum Vorverständnis

egalitäres Rollenverständnis = Mann und Frau gehen arbeiten
traditionelle Rollenverständnis = Mann arbeitet und Frau kümmert sich um Kinder und Haushalt.

Scheidung in Ost- und Westdeutschland
Der Einfluss der Frauenerwerbstätigkeit
auf die Ehestabilität


Im Mittelpunkt steht dabei der Einfluss der Frauenerwerbstätigkeit auf die
Ehestabilität. Während der DDR, im Hinblick auf die Erwerbsbeteiligung der Frau, ein egalitäres Rollenverständnis zugrunde lag, unterstützten die gesellschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen der BRD das traditionelle Modell eines männlichen Hauptverdieners. Die Gegensätzlichkeit dieser Rollenmuster ermöglicht es, zu untersuchen, ob hinsichtlich des Zusammenhangs von Frauenerwerbstätigkeit und Ehestabilität zwischen traditionell und egalitär ausgerichteten Gesellschaften Unterschiede bestehen.

Ausgangspunkt vieler Argumentationen über den Zusammenhang von
Frauenerwerbstätigkeit und Scheidungsrate ist die erstaunliche Parallelität in der Entwicklung der beiden Größen. In einer US-amerikanischen Untersuchung stellt
Greenstein (1990: 659) fest:

„… we find that both indicators have been generally increasing since the late
nineteenth century; that both indicators have increased sharply since the 1950s; and
that the relative increases in the indicators have been approximately equal.”


Mit der DDR und der BRD entstanden nach dem zweiten Weltkrieg zwei Staaten, die zwar der gleiche kulturelle Hintergrund und eine gemeinsame Sprache verband, deren ideologische, wirtschaftliche und familienpolitische Entwicklung jedoch weitestgehend unterschiedlich verlief. In der DDR wurden bereits frühzeitig alle rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen geschaffen, die eine Integration der Frau in das Erwerbsleben ermöglichten. Die Folge war eine lebenszeitlich fast kontinuierliche Vollzeiterwerbstätigkeit ostdeutscher Frauen. Im Gegensatz dazu unterstützte die bundesdeutsche Sozial- und Familienpolitik das traditionelle Modell eines männlichen Alleinverdieners.

Die Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen und der Anstieg des
Scheidungsniveaus verliefen in vielen Staaten auffallend parallel (Hill und Kopp
1994). Vor diesem Hintergrund hat das wissenschaftliche Interesse an der
Erforschung des Zusammenhangs von Frauenerwerbstätigkeit und Ehestabilität stark zugenommen.


Ein Wirkungsmechanismus kann aus der ökonomischen Theorie der Familie
abgeleitet werden. Der Vorteil der Ehe gegenüber anderen Lebensformen besteht
dieser Theorie zufolge unter anderem in der Möglichkeit einer arbeitsteiligen
Organisation anfallender Aufgaben und der damit verbundene Effizienzsteigerung

(Becker 1993: 30-53). Die Spezialisierung der Partner auf den Hausarbeits- oder
Erwerbsarbeitssektor wird als eine Investition in ehespezifisches Kapital angesehen.
Bleibt diese Investition aus, so sinkt über den Gewinn auch die Stabilität der
12
ehelichen Beziehung. Auch Kinder spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige
Rolle (Becker 1977). Da eine Erwerbstätigkeit beider Partner aber oftmals mit dem
Kinderwunsch konfligiert, wird dieser von berufstätigen Frauen hinausgezögert. Mit
dem Verzicht auf Kinder, auch wenn er nur temporär geplant ist, fehlt jedoch eine
weitere wichtige Investition in ehespezifisches Kapital
(Hartmann und Beck 1999).
Die Erwerbstätigkeit der Frau führt also in mehrfacher Hinsicht zu einer Verringerung
ehespezifischer Investitionen und damit zu Instabilität.
Von der zeitlichen Inanspruchnahme der Frau durch die Erwerbstätigkeit geht eine
weitere Gefahr für die Ehestabilität aus. Greenstein (1990, 1995) spricht in diesem
Zusammenhang von einem destabilisierend wirkenden Abwesenheitseffekt weiblicher
Erwerbstätigkeit. Zum einen steht erwerbstätigen Frauen weniger Zeit für Haushalts und Familienarbeit zur Verfügung, wodurch sich die physische und psychische
Belastung der Frau erhöht und gleichzeitig das Konfliktpotential infolge einer
eventuell verminderten Qualität der Haushaltsarbeit steigt.
Zum anderen besteht die
Möglichkeit, dass unter erwerbstätigen Frauen Unzufriedenheit über die Aufteilung
der häuslichen Tätigkeiten entsteht.
So weist Greenstein darauf hin, dass
Haushaltsarbeiten auch in Ehen, in denen die Frauen vollzeitbeschäftigt sind, in der
Regel nicht von beiden Partnern in gleichem Ausmaß übernommen werden.
Während die physische und psychische Belastung der Frau steigt, nimmt für die
Ehepartner die Möglichkeit, Zeit - vor allem Freizeit - gemeinsam zu verbringen ab
(Hartmann und Beck 1999). Des Weiteren bleiben der Stress und die Probleme des
Arbeitsalltages vermutlich nicht auf den Arbeitsplatz beschränkt, sondern
beeinflussen auch das Ehe- und Familienleben
(Hughes et al. 1992; Hill und Kopp
1994). Infolgedessen kommt es zu einer Beeinträchtigung der ehelichen Interaktion,
die sich negativ auf die Stabilität der ehelichen Beziehung auswirkt.3
Ein weiterer die Ehestabilität reduzierender Wirkungsmechanismus ist die mit der
Erwerbsbeteiligung der Frau verbundene Erhöhung der emotionalen Unabhängigkeit.
So sind erwerbstätige Frauen aufgrund ihres Arbeitsumfeldes eher dazu in der Lage,
sich einen vom gemeinsamen Netzwerk der Ehepartner unabhängigen
Bekanntschaftskreis aufzubauen, wodurch auch die Chance, andere Partner kennen zuleren höher ist.

Es ist zwar davon auszugehen, dass auch die Erwerbstätigkeit von nur einem Partner von Zeit zu Zeit
einen negativen Einfluss auf das Familienleben ausübt, Konflikte und Stresssituationen treten in diesem
Fall jedoch seltener auf (da sie nur von einem Arbeitsplatz ausgehen können) und sind leichter zu
bewältigen (da der nicht erwerbstätige Partner über genügend Zeit verfügt, um moralischen Beistand zu
leisten und um dem Erwerbstätigen im Hinblick auf familiale Tätigkeiten den Rücken freizuhalten).
13
lernen steigt. Darüber hinaus ist die identitätsstiftende Wirkung der Ehe für
erwerbstätige Frauen vermutlich geringer, da sie sich nicht ausschließlich über ihre
Rolle als Ehefrau bzw. Mutter, sondern auch über Berufserfahrungen definieren
können
(Spitze 1988; Hartmann und Beck 1999).

So erhöht das Einkommen
der Frau den finanziellen Spielraum und damit den Lebensstandard der Familie.

Darüber hinaus begünstigt es die Akkumulation von ehespezifischem Kapital, soweit
sich dieses auf materielle Güter wie zum Beispiel Wohneigentum bezieht. Über den
Einkommenseffekt geht von der Erwerbstätigkeit der Frau also auch ein positiver, die
Ehe stabilisierender Einfluss aus


Zur Untersuchung des Einflusses des (relativen) Einkommens der Frau auf die
Stabilität ehelicher Beziehungen wurde in den USA bereits eine Vielzahl
unterschiedlicher Datensätze und Analysemethoden verwendet. Die Ergebnisse sind
allerdings widersprüchlich (Rogers 2004).

Während einige Studien ein mit dem
(relativen) Einkommen der Frau ansteigendes Scheidungsrisiko belegen (vgl. z.B.
Spitze und South 1985; Hiedemann et al. 1998; Rogers 2004), konnte dieser
Zusammenhang in anderen Studien nicht nachgewiesen werden


Nach 1975 geschlossene westdeutsche Ehen sind laut Wagner
hingegen signifikant stabiler, wenn die Frau erwerbstätig ist.
In Ostdeutschland hatten
Hartmann und Beck zufolge sowohl vollzeit- als auch teilzeitbeschäftigte Frauen ein
niedrigeres Scheidungsrisiko als nicht erwerbstätige Frauen (wobei diese Ergebnisse
jedoch nicht signifikant sind).

Eine ungleiche Verteilung der Haushaltsarbeit wird dagegen insbesondere
unter egalitären Rollenerwartungen als ungerecht empfunden. Demzufolge sollte
dieser Effekt vor allem für ostdeutsche erwerbstätige Frauen das Scheidungsrisiko
erhöht haben.


Unter den traditionellen westdeutschen Rollenvorstellungen wurde eine
geringe Beteiligung der Männer an der Hausarbeit wahrscheinlich eher als normal
empfunden - auch wenn beide Partner erwerbstätig waren - und hatte damit keinen
destabilisierenden Einfluss.

Für beide deutschen Staaten ist hingegen anzunehmen,
dass sich das mit der Erwerbstätigkeit der Frau verbundene zusätzliche Einkommen
positiv auf die Ehestabilität ausgewirkt hat.


Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass von der Erwerbstätigkeit der Frau in
Ostdeutschland vermutlich eine geringere Anzahl destabilisierend wirkender Effekte
und ein stärkerer die Ehe stabilisierender Einkommenseffekt ausging. In dieser
Untersuchung wird daher angenommen, dass der negative Zusammenhang zwischen
Frauenerwerbstätigkeit und Ehestabilität in Ostdeutschland schwächer war als in
Westdeutschland.



Für das vereinte Deutschland lässt sich auf Grundlage dieser Ergebnisse
schlussfolgern, dass weder eine anhaltend hohe Frauenerwerbsbeteiligung
(Ostdeutschland) noch eine Zunahme der Frauenerwerbsquote (Westdeutschland)
unweigerlich zu einem Anstieg des deutschen Scheidungsniveaus führen muss.


Lest hier die ganze Studie, denn ich hab kein Bock alles hier reinzuposten. :lol:

http://www.demogr.mpg.de/papers/working/wp-2006-016.pdf

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