Topolino hat geschrieben:"den geringsten Widerstand zu wählen", da hast du recht Arberor. So ist meine Einstellung auch, darum bemühe ich mich erst gar nicht, mit meinen Eltern ein (Streit-)Gespräch zu führen. Dann tut man Dinge lieber heimlich, dafür bekommt man (meistens) keinen Ärger zuhause, so wie es die meisten Albanerinnen ja tun. Ich will nicht sagen dass ich alles vor meinen Eltern geheimhalte, im Gegenteil. Mit meiner Mutter bin ich ziemlich offen, doch jeder hat Geheimnisse. Durch Erfahrungen bin ich zum Entschluss gekommen, dass man manchmal mit lügen weiterkommt als mit der Wahrheit, die einem sowieso nicht geglaubt wird.
hm ich würde das eher nicht gutheissen. Heimlichtuerei ist doch auch keine Lösung, wenn man dich erwischt kommst du doppelt und dreifach unter die Räder als wenn du es offen zugibst. Jeder hat so seine Geheimnisse und manchmal ist es wirklich besser, wenn Eltern davon nichts erfahren, aber den Gang zu Ausreden und Verheimlichungen zu wählen, sollte eher die Ausnahme bilden. Das Andere ist mit sehr viel Stress, Adrenalinausschüttung und hohem Blutdruck verbunden.
Weisst du Topolino, ab einem gewissen Zeitpunkt sind nicht mehr die Eltern, die ihren Kindern in der Schule des Lebens was beibringen, sondern die Kinder den Eltern. Und dieser Lernprozess erfordert sehr viel Geduld, Engstirnigkeit, Argumentationsstärke und teilweise auch unerbittlichen Kampf, in dem Sinne, das man nicht aufgibt. Ich kann dir davon ein Lied singen. Ich musste in meinen jüngeren Jahren sehr viel "kämpfen" damit mein Bruder zu seinen Ausgängen kommt. Angst und das Unbekannte waren die einzigen Wegbegleiter meiner Eltern. Angst vor Schlägereien, Angst vor Alkoholexzessen, Angst vor Verstrickungen mit der Polizei. Sogar etwas gänzlich stinknormales wie eine Brille war für meinen Vater etwas Besonderes. Und warum? Weil wir in der Familie bis anhin keine Brillenträger hatten und man immer vom Extremen ausgeht. So beklagte sich mein Bruder ständig über Sichtprobleme, aber mein Vater meinte nur "mos be hajgare, syt i ke me mir si une" oder "djali i ri po don me e prish fytyren me syza"

weil in seinen Gedanken bestimmt ein Bild von einer Bill Gates Brille herumspukte. Bis wir schlussendlich in einer Autobahn am Fahren waren und mein Bruder Autotafeln von kleinsten Entfernungen nicht lesen konnte. Da nahm ich schlussendlich die Initiative und machte meinen Vater darauf aufmerksam, und erst da begriff er wie gravierend seine Sichtprobleme waren. Und heute trägt er stolz eine Brille und mein Vater stört das ganz und gar nicht, im Gegenteil.
Was ich damit sagen will, ist dir bestimmt klar. Scheue nicht die Auseinandersetzung, nur weil du das Ergebnis fürchtest. Es ist himmeltraurig und es tut mir persönlich im Herzen weh, wenn ich brave, kluge und gutmütige Albanerinnen seh, die alle Verbote einwandslos akzeptieren und alles über sich ergehen lassen und widerrum andere Albanerinnen seh, die ihre Lunge zuqualmen, in Pudertöpfe reingefallen sind und alles machen, was sie wollen, nur nicht das was man eigentlich von ihnen erwartet im Leben, im Alltag, in der Schule. Die ersteren haben das sicherlich nicht verdient. Und eine die Tolstoi-Bücher liest und die Matura macht, wird nicht gerade auf den Kopf gefallen sein und eher dem ersten Bild entsprechen als dem zweiten.