Serbisch-Albanische GEschichte geschrieben von einem Serbischen INtelektuelen.
Seh interessant, empfehle es jedem der sich mit der GEschichte Albaniens und der Apartheit der Albaner auf dem Balkan interessiert.
Dimitrije Tucovic schildert mit eindringlicher Genauigkeit die damaligen Lebens-verhältnisse der albanischen Bevölkerung, ihre soziale und ökonomische Entwick-lung, ihre politischen Parteien, die entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklung sich notwendigerweise noch in einem embryonalen Stadium befunden haben. Darüberhinaus weist er auf die enge geschichtliche, territoriale und sogar verwandt-schaftliche Nähe zwischen dem serbisch-montenegrinischen und dem albanischen Volk hin. Er entlarvt den Mythos von der ewigen Feindschaft der beiden Völker und die chauvinistische Propaganda von der kulturellen Rückständigkeit der Alba-ner als eben dieselben Lügen und Vorwände, mit denen schon die imperialistischen Mächte Großbritannien und Frankreich ihre blutige Unterjochung ganzer Konti-nente als "zivilisatorisches Werk" zu tarnen suchten.
Im albanischen Feldzug zerstörten die serbische Kapitalistenklasse und ihre Monarchie nicht nur die engen historischen und sozialen Bande zu einem benach-barten Volk, sie erleichterten es auch den imperialistischen Mächten Österreich-Ungarn und Italien, sich in der Region - als "Schutzmacht" - festzusetzen. Serbien musste, unter Androhung eines Krieges der interessierten imperialistischen Mächte, Albanien wieder räumen. Albanien wurde zur österreich-ungarischen und italie-nischen Einfluss-Sphäre. Die tausenden serbischen Kriegstoten, die, wie Dimitrije Tucovic mit beißendem Spott beschreibt, vor allem der dilletantischen serbischen Kriegsführung geschuldet waren, die grausamen Massaker an der albanischen Zivil-bevölkerung, die darüberhinaus ökonomisch ausgeplündert wurde, führten am Ende zu nichts als zu einem völligen Desaster der kolonialistischen Bestrebungen der serbischen herrschenden Klasse. Gleichzeitig verlor der serbische Nationalismus damit erstmals seinen Anspruch auf einen gerechten Kampf für nationale Befreiung - indem er die Rechte eines anderen Volkes mit Füßen trat.
In der albanischen Bevölkerung entstanden - als Reaktion auf die Politik der serbischen Bourgeoisie und ihrer Armee - massive antiserbische Ressentiments. Und mehr noch: Der Imperialismus, der Todfeind aller Unterdückten, konnte sich in Albanien als Protektor aufspielen. Die serbische Kapitalistenklasse war in einer Welt, wo die großen imperialistischen Mächte um Einflusszonen rangen (was schließlich zum 1. Weltkrieg führen sollte), dazu verdammt, die Rolle eines Junior-partners und Handlangers größerer Mächte am Balkan zu spielen - oder eben gar keine.
http://www.agmarxismus.net/vergrnr/m15.htm
