Gut, dann mache ich mal weiter.
Ich schreibe am besten auch einen zusammenhängenden Text, in welchem ich die einzelnen Punkte einzubringen versuchen, so wie es Nancy getan hat. So fällt es mir leichter, weil die Punkte auf eine Art alle zusammen hängen.
Als wir nach Deutschland kamen, schrieben wir grade das Jahr 1992. Ich war damals 4, heute bin ich 19 Jahre alt. Wir kamen aus politischen Gründen nach Deutschland, weil mein Vater es nicht lassen konnte die Serben zu ärgern

. Also er war als patriotischer Albaner mehr oder weniger in vielen Bereichen gegen die serbische Regierung aktiv, hat mit vielen anderen Albanern zusammen gearbeitet, sodass irgendwann sein Name öfters unter den Serben erwähnt wurde. Irgendwann erkannte er, dass es zu gefährlich wurde, hat uns mitgenommen und nun sind wir seit 15 Jahren hier, obwohl wir damals noch dachten wir bleiben nicht mal 1 Jahr.
Ich denke, wenn man wie ich in einem fremden Land aufwächst, dann ist es unausweichlich sich wie eine Fremde zu fühlen, auch wenn man sich hier ein zweites Zuhause aufgebaut hat. Man wird stetig daran erinnert, dass man, auch wenn man sich wohl fühlt, hier dennoch nicht Zuhause ist. Die hier gesprochene Sprache ist nicht deine Muttersprache, mit der hier präsentierten Fahne kannst du dich nicht identifizieren, weil man trotz der vielen Jahre hier dennoch an die Fahne seines eigenen Landes hängt. Wenn man das andere Leben kennt, das Leben in deiner Heimat, wird einem die Fremdlichkeit hier noch stärker bewusst.
Ich wurde hier eingeschult und habe mein ganzes Leben in diesem Land verbracht, aber oft sagen meine Eltern zu mir, dass die Kultur des Landes unserer Zuflucht scheinbar an mir vorbei gezogen sei ohne erwähnenswerte Spuren zu hinterlassen, weil ich immernoch so stark auf mein Land und meine Kultur fixiert bin. Ich bin eine starke Vertreterin der Intergration, weil ich der festen Überzeugung bin allein durch die Integration dem Land, in dem man lebt, den nötigen Respekt und Dank entgegen bringen zu können. Leider wird Integration sehr oft mit Assimilation verwechselt und das ist schade und traurig, denn dazu kann ich nur sagen, dass ich zu einer deutschen Staatsbürgerin werden kann, aber niemals zu einer Deutschen.
Integriert hat sich hier meine ganze Familie gut. Meine Eltern sind gebildete Leute, die beide in Kosova studiert haben und das einzige was sie von uns Kindern erwartet haben ist, dass wir etwas aus uns und unserem Leben machen. In einem fremden Land kann man es durch Ablehnung und Abweisung der jeweiligen Lebensweise nicht weit schaffen. Man tut sich selber und dem Land, in dem man lebt, einen großen Gefallen, wenn man sich bereit erklärt ein wenig Toleranz und Offenheit zu zeigen, umgekehrt genauso. Man muss sich hier trotz der kulturellen Unterschiede anpassen und auch wenn man an seiner eigenen Kultur und Lebenweise fest hält, kann man die andere dennoch respektieren und mit Offenheit gegenüber treten. Integration ist ein stetiger Wechsel zwischen geben und annehmen, zwischen einer ausgestreckten Hand, die man bereit ist zu ergreifen, dh meiner Meinung nach müssen beide Seiten dazu bereit sein etwas von sich wegzustecken um dafür etwas neues aufnehmen zu können.
Das ist nicht immer der Fall und nicht immer ist da nur die eine Seite Schuld.
Wenn man hier lebt, lernt man unbewusst etwas von diesem Land und dem Volk kennen, das ist gut so und auch vorteilhaft. Ich liebe es aber auch, wenn Deutsche auf mich zukommen und Interesse an meiner Kultur zeigen, denn damit geben sie mir das Gefühl nicht nur akzeptiert, sondern auch respektiert und verstanden zu werden. Wie du es tust Suela.

Nichts kann einen Menschen reicher machen als das Reich fremder Kulturen und Sprachen. Eine solche Offenheit an Menschen bewundere ich sehr.
Wir Albaner hatten eine Vergangenheit voller Leid und Tränen. Viele von uns werden von diesen Bildern immernoch wie Schatten verfolgt und irgendwann erkennt man, dass es niemals einen Weg geben wird der eigenen Vergangenheit zu entfliehen. Ich habe hier schonmal in einem anderen Thread geschrieben (ich gebe es mal sehr nah wieder), dass meiner Meinung nach die Vergangenheit die Zukunft pflastert und es eine Illusion ist zu glauben, dass die Vergangenheit Vergangenheit bleibt, dass wir die Geschehnisse vom Krieg eines Tages wie eine zweite Haut vom Körper ablegen könnten, denn in Wirklichkeit werden sie immer an uns haften bleiben, sie sind ein Teil von uns, welchen wir unmöglich verdrängen können.
Man kann nicht die Vergangenheit vergessen, wenn sie die Gegenwart so stark prägt.
Man kann nur lernen, ihre Präsenz zu akzeptieren und sich mit ihr weiterzuentwickeln, statt die gesamte Kraft an dem Versuch zu verschwenden diese abzuschließen. Sie macht uns aus. Ohne unsere Vergangenheit, ob schöne Erinnerungen oder schreckliche, wären wir heute nicht das, was wir sind.
Wenn man so eine Vergangenheit hatte, kriegt man irgendwann Angst vor der Zukunft. Angst davor, dass Dinge passieren können, auf die man keinen Einfluss hat und einem am Ende nichts bleibt als sich hilflos zu fügen.
Dennoch finde ich, sollte man immer bereit sein für etwas zu kämpfen, das es nicht verdient hat aufgegeben zu werden. Mir macht Kosovas Zukunft Angst, weil wir es nicht verdient haben aufgegeben zu werden, nachdem wir solange um uns gekämpft haben.
Über meine eigene Zukunft kann ich nicht viel sagen. Mein Traum ist es als alte Frau in einem großen Haus in Kosova von der Therasse aus meinen vielen Enkelkindern beim Spielen zuzusehen und wenn ich auf mein vergangenes Leben blicke, Stolz zu empfinden und Lächeln zu können. Mehr will ich nicht, und mehr brauche ich nicht.
Ich glaube, Heimweh ist der Fluch eines beinah jeden Albaners, der sein Land verlassen musste. Auch wenn es einem hier an nichts fehlt und man alles hat, was man zu einem zufriedenen Leben braucht, ist da dennoch immer eine Sehnsucht in dir, die dich nicht richtig fallen lässt.
Natürlich fühle ich mich wohl hier, auch wenn Deutschland uns nicht immer mit offenen Armen empfangen hat, was ich aber auch nicht erwartet habe. Dass ich mich hier jedoch eigentlich ganz wohl fühle, ist ebenfalls der Verdienst der Deutschen, ich musste mich auf eine Art und Weise nur ziehen lassen und für dieses verständnisvolle Entgegenkommen bin ich ihnen sehr dankbar.
Ich weiß nicht was ich noch sagen kann, vermutlich habe ich schon genug gesagt. Also wenn du noch irgendwelche Fragen hast, dann kannst du mich gerne ansprechen.
Und ja, der Verlag ist ein albanischer. Er ist besonders an albanischen Schulen sehr weit verbreitet, weil er auch albanische Schulbücher und anderes Lernmaterial anbietet und zur Verfügung stellt.
Da ich dein Interesse als "Okay" sehe, frage ich gleich heute mal nach und werde dir schnellst möglich Bescheid geben. Wie gesagt, es ist nur eine einfache Idee von mir, ich weiß nicht ob sich der Verlag dessen annehmen kann, da es sich ja um ein deutschsprachiges Buch handelt, aber fragen schadet ja nichts und es würde mich sehr freuen dir bei so einem tollen Vorhaben behilflich sein zu können.

... Jeder Gewinn, der Ehre kostet, ist ein Verlust ...
... Eine handvoll Heimaterde ist mehr wert als zehntausend Pfund fremden Goldes ...
... Nicht wo du die Bäume kennst, sondern wo die Bäume dich kennen, ist deine Heimat ...