Toni_KS hat geschrieben:
Was denkst du, haben unsere Mythen zum Guten oder vielleicht mehr zum Schlechten beigetragen? Viele westliche Philosophen und Schriftsteller vertreten diese Meinung:
Nationale Mythen haben nicht das Ziel, historische Ereignisse wahrheitsgetreu widerzuspiegeln; sie deuten vielmehr die Geschichte um, verändern und überhöhen sie, so dass die Ereignisse einen Symbolwert erhalten, welcher der geschichtlichen Realität nicht entspricht.
Hallo Toni_KS, sehr gutes Thema
Diese Intellektuelle, die nach diesem von dir oben zitierten Grundsatz leben, haben Recht, aber es ist nur die halbe Wahrheit.
Auf der einen Seite muss man klar sagen, dass Mythen zu politischen Zwecken missbraucht werden, man bedenke, dass das ganze Naziregime auf Mythen und Sagen über Germanen aufgebaut wurde. Hitler war ein Mystiker. Man sagt, die Deutschen folgten ihm aus drei Gründen.
1. Die wirtschaftliche und soziale miserable Situation nach dem ersten Weltkrieg. Die Leute waren arm und hatten keinen Halt. Sie sehnten sich nach einem starken Mann, der die Kraft hat, ein ganzes Volk zu führen. Hitler gab ihnen Arbeit, gab ihnen eine Identität.
2. Propaganda, also ein Instrument, um Kriege zu rechtfertigen und Niederlagen zu vertuschen, in dem man den anderen Schuld gab. Stichwort, die Dolchstosslegende. Einfach mal unter diesem Begriff googeln, wenn es dich interessiert.
3. Der mystische Hintergrund, was man nicht unbedingt mit Propaganda verwechseln sollte. Hitler selber glaubte ja an das auserwählte germanische Volk. Und der Glaube gibt einem Volk eine Identität und somit Halt und Stärke. Mit viel Mythologie schaffte er es das Volk mit seinem Glauben zu vereinen. Leider glaubten sie an das falsche...
Doch um in diesem Zusammenhang auf die Albaner zurückzukommen. Muss man zunächst sagen, dass die Albaner sich grundsätzlich nicht von anderen Völkern unterscheiden, was sich allerdings unterscheidet ist die Verwendung der Mythologie. Während zum Beispiel die Deutschen, ihre Mythologie dazu verwendeten um die Juden und Demokraten als Verräter abzustempeln um somit ihren Untergrang zu rechtfertigen, hat die albanische Mythologie einen ganz anderen Zweck. Meines Erachtens, hat die albanische Mythologie ihren Ursprung im Kampf gegen die Unterdrückung. Das albanische Volk war und ist ein Volk der Erzähler, man erzählte sich Geschichte über tapfere Männer, wie sie gegen die Osmanen kämpften, gegen die Italiener, gegen die Serben und jedes Volk lebt von seiner Geschichte. Nicht zuletzt sind es diese Geschichten, die uns unseren Überlebenswillen, unseren Patriotismus und uns nicht zuletzt eine Identität als Albaner gegeben haben. Ob die Geschichten wahr oder unwahr sind sei dahingestellt, aber im Affekt spielt das keine Rolle, denn die Aussage bleibt meistens immmer die gleiche, der Kampf um die Freiheit und gegen die Unterdrückung.
Man kann es mit den Juden vergleichen. Die Juden wurden über Jahrtausende vertrieben und ermordert. Was sie vereinte war ihr Glaube und ihr Glaube basiert auf Geschichten. Diese Geschichten gab ihnen eine Identität und einen unglaublichen Überlebensgeist. Ein kurzes Beispiel dazu: In der Schweiz wurde eine Synagoge in Brand gesetzt, man vermutet dass es ein Brandanschlag mit antisemitischen Hintergrund gewesen ist. Am nächsten Tag beteten die Juden trotzdem vor der verbrannten Synagoge um zu demonstrieren, dass sie sich nicht einschüchtern lassen und ihren Glauben weiterhin glauben. Absolut bemerkenswert...
Leider werden auch bei den Albanern, solche Mythen benutzt um Rassismus gegenüber Serben, Griechen, Türken, Mazedonier zu rechtfertigen. Doch Rassimus ist keines wegs zu tolerieren und muss bekämpft werden.
Doch nichtsdestotrotz sieht man an diesen Beispielen, dass man Mythologien nicht immer mit Negativem verbinden muss...
Viele Grüsse