illyrer.tetova hat geschrieben:Eine Frage wieso reagieren unsere Volksleute so negativ gegenüber geschiedenen Frauen und Scheidungskindern ?
Hi Ilyrer.Tetova
Die Antwort auf deine Frage liefert die immernoch weit verbreitete Rollenverteilung. Mann Chef, Frau NIx, dies ist die fehlgeleitete und meist auf die missverstandene, fehl interpretierende Religion zurück zu führende Logik vieler nichtgebildeter Männer und dieses Verhalten liess bis vor kurzem kein Aufblühen der Frau bei den Albanern zu. Die Tendenz zu einer Abkehr ist vor allem nach dem Krieg klar feststellbar.
Ich weiss, dass geschiedene Frauen bei uns in Kosovo (Sharri) fast keine Chance haben wieder zu heiraten und die Kinder, die sie aus der Ehe hatten, müssen sie dem Mann und seiner Familie überlassen. Und wenn sie wieder heiraten, dann ist es fast immer ein Mann mit klaren Defiziten, seien es mentale oder körperliche Defizite. Kinder geschiedener Frauen dagegen haben zumindest bei uns mit keinen Benachteiligungen zu kämpfen.
Ein besonders tragischer Fall hat sich in meiner Ortschaft ereignet und ist immer noch nicht abgeschlossen. Ein Mann hat das erste Mal mit 18. Jahren geheiratet, in der Zwischenzeit ist er weit über 30. und war seit seiner ersten Heirat beriets mit 5. verschiedenen Frauen verheiratet bzw. ist noch. Was den Frauen wiederfahren ist, will ich hier nicht schreiben, denn es sprängt die schlimmsten Vorstellungen. Aus den in die Brüche gegangenen Ehen hat er 8. Kinder und seine neuste Frau stammt aus Albanien, auch sie ist seinen Launen und Schlägen ausgesetzt, wird aber wohl nie von ihm Loskommen können, da sie nicht zu Ihrer Familie zurück kann.
Vor ein Paar Jahren war ich zu Besuch in Sharri und bakam zufällig mit, als ich da vorbei lief, wei dieser "Sche...mann" seine Frau und Kinder terrorisierte. Meine Begleitung sagte zu mir, dass die Schreie und das Gehäul fast täglich zu hören wären. Es würde mich nicht Wundern, so tragisch und hart das ist, wenn diese Frau eines Tages Selbstmord begeht.
Ich hab den Mann auch darauf angesprochen, wäre aber selbst fast von ihm zusammengeschlagen worden, was mich zu einer mutigen Tat ermutigte. Ich habe ihn angezeigt und er verlor seine vierte Frau und landete für einige Monate in den Kanst.
Klar ist er ein besonders harter Fall und es ist schwierig einen zweiten seiner Sorte zu finden, aber die Frauen in den ländlichen Gebieten sind immer noch Opfer der männlichen Unantastbarkeit.
Wir, du, ich können dieser ungehäuerlichen Ungerechtigkeit entgegen treten, gemeinsam mit der Jugend, die auch unsere Sicht und Meinung in diesem heiklen Thema teilt und der Frau zur gerechten Rolle in der Gesellschaft verhelfen.
Was mich ermutigt und Grund zur Freude für die albanische Frau sein sollte, sind die ersten eindrucksvollen Versuche, der Frau zu einem besseren Bild zu verhefen. Zudem ist die jüngere Generation in Sharri ausnahmslos gegen die Unterdrückung der Frau. Es sind viele Frauenorganisationen entstanden und Opfer häuslicher Gewalt können sich an jemanden wenden. Schläger werden nun als Schläger und nicht mehr als "die" Männer im Hause angesehen. Klar muss noch sehr sehr viel getan, aber die Richtung stimmt.
Zürich ist die schönste Stadt und ich lebe da.