Do, 15. Dez 2011, 1:07
Der Film ist gut weil es einen Einblick in unsere "alte" Kultur gewährt jedoch mag ich es nicht dass ständig die Blutrache im Vordergrund steht. Der "Bajraktar" nahm eine ganz interessante rolle ein, es ist zwar eine osmanische institucion und stammt nicht der stammestradition ab, es gab keine wirklichen norm und wurde sehr flexible gehandhabt, es konnten auch mehrere eines Stammes sein, oder einer für mehrere, er konnte von "kuvend" (Versammlung der ältesten bzw. mänlichen Familiemvertretter) als vermittler gewählt werden, oder dem ältesten wurde dieser Amt übertrage, aber im Stamm selber war er gleichberechtigt wie alle anderen Ältesten. Im osmanischen Reich stand das Wort des Bajraktars der im Namen der ältesten sprach über die osmanische Rechtssprechung. Die Standesorganisation war an sich sehr demokratisch.
Der Kanun ist eine art Verfassung die mündlich überliefert wurde, sie regelt nicht nur das Leben das einzelnen und Gemeinde sondern auch Verbrechen von kleinen bis hin zum schlimmsten wie Mord, dass Mord stehts das heikelste Thema ist war auch den Menschen in der Vergangenheit bewusst, deswegen enthält der Abschnitt worin es um die Blutrache geht am meisten Paragrafen im Kanun.
Weder frühere Mächte noch die kirchliche, osmanische/islamische (deswegen ist es auch falsch von "islamisierung" zu sprechen), noch die jugoslawische Rechtssprechung konnte sich vollständig durchsetzen, zBsp. existiert das albanische Erbrecht bis heute, und war bis vor kurzem die Wurzel der albanischen Gesellschaft in Kosova, Südserbien, Mazedonien,Montenegro und weite Teile in Albanien, erst seit den letzten 20-40 Jahren die zu mehr demokratie geführt haben, lockert sich das, heute ist es fast normal dass die Tochter genau gleich viel erhält wie der Sohn.
Eigentlich bildetet der Kanun bis vor kurzem noch die Grundlage der albanischen Gesellschaft, eben durch das Erbrecht.
Diese Kultur existiert seit jahrtausenden, der Kanun wird auch bei den illyrischen Südstämmen im heutigen Südalbanien/Nordgriechenland erwähnt, von wo die Mutter von Alexander dem Grossen stammt.