Do, 05. Jun 2008, 11:39
Der kleine EM-Reiseführer
Nächsten Monat beginnt die Fußball-EM in der Schweiz und in Österreich. Für beide Länder bekommen Sie von mir hilfreiche Informationen, Reisetipps mit echtem Gebrauchswert. Beginnen wir mit der Einreise in die Schweiz.
Erwähnen Sie auf keinen Fall, dass Sie aus Hamburg kommen. Besorgen Sie sich am besten vorab ein anderes Kfz-Kennzeichen. Nürnberg zum Beispiel. Zur Not auch Bamberg oder Herzogenaurach. Damit haben Sie beste Chancen, dass Sie einreisen können, denn die Schweiz akzeptiert nur Franken.
Und bitte: Versuchen Sie gar nicht erst die Landessprache zu imitieren. Ein gezwungenes "Grüezi" ist peinlich. Sie machen sich lächerlich. Gerade die Gourmet-Restaurants sind in der Schweiz sehr international geprägt. Gepflegter kultureller Austausch ist bei aller Schweizer Neutralität ein hohes Gut. Klopfen Sie also beim Eintreten dreimal auf den ersten Tisch des Restaurants und rufen ein kräftiges "Moin" in die Runde. Bis auf den Kanton Uri versteht man das überall. Immer wieder habe ich von Bekannten gehört, sie seien in Bern zum Blutspenden gegangen. Ein Fauxpas! Verwechseln Sie bitte nicht das Rote Kreuz mit der Schweizer Nationalfahne. Nichts ist peinlicher, als mit aufgekrempelten Armen ein Regierungsgebäude zu betreten. Vorsicht auch beim Gebrauch des Wortes "Verhüterli". Es handelt sich hierbei keineswegs um ein Kondom, sondern um die zentrale Innenverteidigung der Schweizer Viererkette.
Vermeiden Sie jedes Klischee. Die Langsamkeit zum Beispiel. Auf Autobahnen ist Tempo 30 nur eine Empfehlung, mancher Schweizer fährt längst 40 oder sogar 50 km/h. Die Schweizer sind sehr tierlieb - zeigen Sie sich genauso. Das kann einerseits gefährlich, andererseits aber auch sehr nützlich sein. So hat ein Züchter aus Zürich vor ein paar Wochen einen Bernhardiner mit einem Kampfhund gekreuzt. Bis zum Redaktionsschluss biss der Hund 80 Touristen, holte aber immer sofort Hilfe.
Kommen wir zu den Österreichern. Das Alpenland ist eine Ski-Nation. Hier machen Sie sich Freunde, wenn Sie mit geschulterten Brettern ins Stadion gehen. Dazu eine Franz-Klammer-Pudelmütze - perfektes Outfit! Wenn Sie keine Karten mehr für die Spiele im Ernst-Happel-Stadion bekommen haben, dann gibt es eine Alternative: Das Riesenrad auf dem Wiener Prater. Wenn Sie 82 Tickets lösen, können Sie ein komplettes Spiel miterleben. Sie müssen nur mit dem Fahrgeschäft und den anderen Passagieren abstimmen, wer wann oben sein darf. Für ein angemessenes Trinkgeld von 400 Euro stoppt der Schausteller beim Elfmeterschießen Ihre Gondel auf dem höchsten Punkt.
Und zeigen Sie sich fachkundig. Der Österreicher kennt unsere katastrophalen Pisa-Ergebnisse. Gerade jetzt muss jeder einzelne Deutsche punkten. Erzählt ein Wiener stolz vom Freundschaftsspiel Österreich-Ungarn, fragen Sie nach: "Interessant, und gegen wen?"
Schneiden Sie sich diesen Reiseführer aus. Und dann viel Spaß bei der Fußball-EM in der Schweiz und in Österreich.