Ich bin mit der Legende grossgeworden, dass die Brücke zwischen Gjakovë und Prizren "Ura e shenjt, wo der Fluss Drini seinen Weg durchbahnt, eine Art Sinnbild für die Albaner und ihre Werte darstellt.


Ich kenne die sagenumwobene Legende der Liridona in dieser Version:
Es lebten einmal 3 Brüder mit ihren Frauen auf ihrem Hof. Die Brüder wollten eine Brücke bauen, damit die Gegend leichter zu erreichen war. Die 3 Frauen machten unter sich einen gerechten Plan aus, wer von ihnen am welchen Tag das Mittagessen den Brüdern brachte. Die Brüder schufteten hart, doch jedes Mal wenn sie Morgens bei der Brücke ankamen, war sie am Vorabend vom Unwetter (man sagt auch von höheren Kräften) heimgesucht und zerstört worden. Die drei Brüder hatten eines Nachts alle dieselbe Erleuchtung gehabt (darum auch "shenjt" = Zeichen ). Im Traum hiess es, dass die Brücke nur dann den Naturkräften standhielt, wenn eine grosse Opfergabe miteingemauert wird. Die Brüder haben untereinander abgemacht, dass sie ihren Frauen nichts davon berichten würden und diejenige Frau es zutreffen sollte, die am nächsten Tag das Mittagessen vorbeibringen würde. Die 2 ältesten Brüder haben am Abend ihren Frauen davon berichtet, nur der jüngste hat sich an sein Wort gehalten und hat seiner Frau nichts erzählt. Zu allem Übel schoben die anderen Frauen am nächsten Tag Krankheiten und andere Dinge vor, nur um nicht dahin zu gehen (Die Frau vom jüngsten Bruder wäre nicht an der Reihe gewesen). Aufopferungsvoll nahm die jüngste das Mittagessen und brachte es ihnen, obwohl sie ein kleines Kind zu stillen hatte. Bevor sie eingemauert wurde, hatte sie nur eine kleine Bitte: Sie wollte, dass die Fläche einer Hand und einer Bruspartie frei von Ziegelsteinen bleibt, damit sie ihr Kind in der Wiege weiterhin schaukeln und stillen konnte. Ab diesem Tag an, stürzte die Brücke niemehr ein. Ich habe mit dieser Geschichte immer das unzerrütbare Wort, das unzerstörbare Versprechen einer/s Albanerin/s, (das "Besa Besë") und die selbstaufopfernde Rolle einer albanischen Mutter verbunden. Heute wird diese Brücke als Wahlfahrtsort von Müttern aufgesucht, die wenig Muttermilch in der Brust haben..
Es gibt noch das berühmte Lied von Gezim Nika "Liridona", welches dieser Legende gewidmet ist! (Ich liebe dieses Lied, habe es früher immer wieder auf TVSH geguckt)
hier der Link zum Lied (Real Player muss vorhanden sein)
"Liridona"
http://muzika.albasoul.com/album.php?PH ... 84a&id=359
Der Text dazu :
Ku rrjedh Drini, nen nje ure
Kem muros nje nuse ngure
E ruan uren te mos rrezohet
Drini mos shterrohet
Njera dore mbi djep te femijes
Tjetra lidh plaget e lirise
Prej ures se shenjte o nusja e re
Perkund djepin ne gjithe atdhe
Mos e shkel barbar ate ure, o hej
Se kem nusen nata gure, more hej
Ajo eshte o moter jona
E ka emnin Liridona, Liridona
Mos e shkel barbar ate ure, o hej
Se kem nusen nata gure, more hej
Ajo eshte o moter jona
E ka emnin Liridona, Liridona
Ku rrjedh Drini e ku rrjedh Buna
Ka pa toka shume furtuna
Por su rezuen as kalate as urat
Prej çdo guri lindin burra
Pikon qumesht guri i bardhe
Aty pine brezat me radhe
Shqip flet guri ne vend te vet
Tash trimi e mba shume vjet
Mos e shkel barbar ate ure, o hej
Se kem nusen nata gure, more hej
Ajo eshte o moter jona
E ka emnin Liridona, Liridona
Mos e shkel barbar ate ure, o hej
Se kem nusen nata gure, more hej
Ajo eshte o moter jona
E ka emnin Liridona, Liridona
Jetzt gibt es aber noch eine sehr sehr ähnliche Legende von der Burg in Rozafa, die genau die gleichen Merkmale besitzt.
"Der Sage nach bauten drei Brüder die Burg. Ihre Bemühungen waren aber umsonst, da die Mauern jede Nacht wieder einstürzten. Ein alter Mann riet ihnen, eine Frau einzumauern. Dann würden die Mauern für immer halten. Die drei Brüder vereinbarten, diejenige ihrer Ehefrauen zu opfern, die am nächsten Tag als erste das Mittagessen bringen würde. Die beiden älteren Brüder weihten ihre Ehefrauen entgegen der Abmachung in den Plan ein. So war es die junge Rozafa, die am nächsten Tag als erstes am Bauplatz erschien. Sie nahm ihr Schicksal hin, bat aber darum, dass man eine ihrer Brüste, einen Arm und ein Bein nicht einmauern würde. So konnte sie weiterhin ihrem jungen Kind die Brust geben, es streicheln und mit dem Bein die Wiege schaukeln."
Hier eine Statue dieser besagten Frau:

Welches dieser Legenden ist jetzt nun das Guckucksei, oder kann es sein, dass beide Legenden auf ihre Art und Weise erzählt werden und somit keine Parallelen gezogen werden können?
Was meint ihr dazu?

