Die zwei Brüder, die tagelang eine 80-Jährige an der Bahnstraße terrorisierten, haben einen ganzen Stadtteil in Unruhe versetzt. Bereits mehrfach fielen sie auf, weil sie in Läden auf Diebestour gingen und Wände beschmierten.
Hans Günther Windeln kennt sich aus in seinem Stadtteil. 20 Jahre lang lenkte er als Präsident die Geschicke der Bürgerschützen St.-Hermann-Josef. Auch heute noch vertrauen sich die Menschen ihm an. „Deshalb weiß ich auch, dass die Kinder-Bande schon lange in Speick ihr Unwesen treibt. Es gibt viele Dinge, die nicht an die Öffentlichkeit gelangten, weil sich keiner traute, etwas zu sagen“, sagt Windeln. Er wolle jetzt reden, „auch wenn die Kinder-Täter mir morgen die Reifen zerstechen.“ Aber es müsse jetzt etwas passieren. Die Bande habe schon Spielplätze zerstört, andere Kinder bedroht und ältere Damen bestohlen. Von Haschisch-Besitz sei ebenfalls die Rede gewesen. In den Speicker Park traue sich kaum noch einer. Denn dort seien die Brüder und ihre Freunde häufig anzutreffen.
Der ehemalige Präsident der Bürgerschützen wurde selbst Opfer der Brüder, die als Anführer der Kinder-Bande gelten. „Vor etwa einem Jahr sind sie bei mir eingebrochen. Wir haben sie weglaufen sehen und konnten sie stellen“, erzählt Windeln. Doch die Polizei habe die Brüder, damals elf und zwölf Jahre alt, laufen lassen müssen.
Telefone stehen nicht still
Seitdem der Fall der drangsalierten Seniorin bekannt ist, stehen bei Bezirksvorsteher und Ratsherr Herbert Pauls die Telefone nicht mehr still. „Viele berichten mir, dass die Kinder schon seit Jahren auffällig sind.“ Pauls hörte von Beschädigungen an der James-Krüss-Schule, von einer aus einem Auto-ZubehörGeschäft gestohlenen Portokasse, von einem Einbruch in ein Schlüsseldienst-Geschäft.
Hans Günther Windeln glaubt, dass die Liste noch länger ist: „Viele schweigen aus Angst. Einer älteren Frau haben sie das Portemonnaie gestohlen. Nachdem sie das der Polizei gemeldet hat, wurde ihr eine brennende Zeitung in den Briefkasten gesteckt.“ Warum die Kinder zu solchen Taten fähig seien, ist dem Speicker ein Rätsel: „
Der Vater der beiden Jungen soll früher Polizist in Albanien gewesen sein. Da müssten die Brüder doch eigentlich ein Unrechtsbewusstsein haben. Aber sie sind frech. Nach dem Einbruch bei mir haben sie vor meinem Fenster gestanden und mir grinsend den Stinkefinger gezeigt.“ Vor allem der ältere der beiden Brüder soll äußerst aggressiv sein. Das Jugendamt betreut die Familie bereits seit zwei Jahren. Weil bislang keine Maßnahme half, ist geplant, die beiden auffälligen Jungen nun in einem Heim unterzubringen. Die Sorgerechtsverhandlung soll nach RP-Informationen noch in dieser Woche stattfinden.
Herbert Pauls will für Speick – ähnlich wie in Westend – einen runden Tisch anregen: „Vielleicht können so die Informationsflüsse weiter vernetzt werden, damit so etwas in Zukunft verhindert werden kann.“
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