Ora und Fatia
Die Oren sind beliebte Figuren der nordalbanischen Mythologie, bei denen es sich um gute Feen, ähnlich den südalbanischen fatia handelt. Der Volksglaube besagt, dass jeder Mensch eine Ora hat, die ihn schützt.
Wenn ein Kind geboren wird,so versammeln sich die Oren nachts in großer Zahl, um das Schicksal des Neugeborenen zu bestimmen. Ähnlich wie die Schicksalsfeen der griechischen Mythologie spinnt eine Ora den Lebensfaden des Kindes an, eine andere misst ihn ab und eine dritte schneidet ihn ab (d.h. die Oren bestimmen kurz nach der Geburt das Schicksal des Kindes, vor allem,wie lange es leben wird).
Wenn die Oren einem Menschen grollen, durchschneiden sie seinen Glücks- oder Lebensfaden, er heißt dann orëprerë. Der tapfere Mensch hat eine weiße Ora, faqebardhë = weißgesichtig, die ihm die Heilkunst beibringt. Der Feigling hat eine schwarze Ora, faqezezë =schwarzgesichtig.
Wenn ein Mensch eine Sünde begeht, wird das Gesicht seiner Ora aus Schande schwarz.
Im Gegensatz zu Feen sind die Oren sterblich und ihr Tod kann auch den Tod ihrer Schützlinge mit sich bringen.
In Südalbanien war es übrigens Sitte in der 3.Nacht nach der Geburt eines Kindes die Haustür einen Spalt offen zu lassen und für die drei fatia einen Becher Honig mit drei Mandeln und drei Scheiben Brot auf dem Küchentisch zu hinterlassen.
Man wollte so die fatia froh stimmen und hoffte, dass sie dem Kind ein gutes Schicksal und ein langes Leben schenken würden.
Ich finde den alten albanischen Volksglauben wirklich interessant und da wir uns ja einig waren, die Qualität der Beiträge wieder etwas zu verbessern, dachte ich mir, ich stell das einfach mal hier rein. Vielleicht interessiert sich ja jemand dafür.[/i]
