Albanische Alpen: Tropoja mit Valbona & Koman

Valbonatal

Valbonatal

Tropoja ist der Name der Region im Nordosten Albaniens. Am südöstlichen Rand der Albanischen Alpen gelegen, finden sich hier eindrückliche Berge und Täler: Berühmt ist vor allem das Valbonatal. Das östlich angrenzende Gashital und der Berg Shkëlzen sind weniger bekannt, aber auch sehr sehenswert. Zu den grössten touristischen Highlights in Albanien gehört zudem die Anreise über den Koman-Stausee.

 

Orte und Sehenswürdigkeiten in Tropoja

Valbona

Valbona: Dorf und Bergspitzen

Das Valbonatal ist ein grosser Touristenmagnet in den Albanischen Alpen, wobei schon die Anreise über den Koman-See (siehe unten) ein guter Grund für einen Besuch ist. Das Tal führt tief ins Gebirge hinein – hohe Bergspitzen zu beiden Seiten, schroffe Felswände und das klare Wasser des Flüsschens Valbona bilden eine perfekte Kulisse. Der »Nationalpark Valbonatal« umfasst Wälder, kleine Bergseen, Alpweiden, Höhlen und den Fluss mit Schluchten, Kaskaden und Wasserfällen. Hier besteht durchaus auch die (seltene) Möglichkeit, das man mal Gämsen oder Bären begegnet.

Im Tal gibt es vier Dörfer: Das kleine Dragobi auf halber Strecke, Çerem in einem Seitental, der Hauptort Valbona und ganz zuhinterst im Tal das Dörfchen Rragam. In und um Valbona finden sich Gästehäuser und kleine Hotels – seit dem Bau der Asphaltstrasse hat sich die Region rasch entwickelt. Unterkünfte bei lokalen Familien werden auch in Rragam und Çerem angeboten.

Maja Rragamit über Valbona

Maja Rragamit über Valbona

Die Streusiedlungen bieten wenig kulturelle Sehenswürdigkeiten: Es gibt lediglich ein paar ältere Häuser, »Kullas« genannte Wehrhäuser im unteren Talabschnitt – der obere ist noch keine 100 Jahre lang ganzjährig bewohnt. Ein »Denkmal« der Vergangenheit ist die Ruine des Hotels aus kommunistischer Zeit im Zentrum von Valbona, das kurz nach dem Sturz des Regimes zerstört wurde. Auch eine alte Mühle kann in Valbona besichtigt werden.

In Valbona gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um auf verschieden langen und schwierigen Wanderungen das Tal zu erkunden und die Bergwelt zu geniessen – vom gemütlichen Spaziergang am Fluss entlang oder zu einem Bergsee bis zu anspruchsvollen Gipfeltouren ist alles dabei. Einfache Touren führen zur Quelle der Valbona, zu einem kleinen See oder nach Çerem. Etwas länger sind Touren zu einer Alp oder zur Höhle von Dragobi, wo der aus dem Kosovo stammende Freiheitskämpfer Bajram Curri sein Ende fand.  Anstrengend sind Besteigungen der steilen Gipfel auf der Südseite des Tals und auf der Nordseite – letzter bilden auch die Grenze zu Montenegro. Solche Touren bedürfen nebst guter Fitness auch gründlicher Vorbereitung, Erfahrung und gute Ausrüstung. Weitere, meist mehrtägige Touren führen ins Gebiet der Jezerca (2692 m), von Gashi und den Sylbica-Seen (siehe unten).

Valbonatal

Blick vom Valbonapass ins Tal zurück

Der Klassiker ist natürlich die Tour über den Valbona-Pass nach Theth. Die Wanderung ist recht lang und anstregend, an wenigen Abschnitten stark ausgesetzt, aber gut markiert. Es bieten sich schöne Aussichten in die Bergwelt. Auf beiden Seiten des Passes offerieren kleine Cafés im Sommer Erfrischungen an. Kürzer wird die Wanderung, wenn man sich mit dem Auto ein paar Kilometer das Tal hoch bis zum Ende der Strasse oder ins Dorf Rragam bringen lässt. Diese Wanderung ist auch Teil einer Rundtour von Shkodra über Koman und Valbona nach Theth und zurück nach Shkodra.

Auch der Fernwanderweg »Peaks of the Balkans« passiert den Valbona-Pass und führt dann über Çerem uns Gashi-Gebiet nach Kosova.
Mehr Informationen zur Rundtour und dem Fernwanderweg auf der Seite Albanischen Alpen.

Das Valbonatal ist von der Stadt Bajram Curri, dem Hauptort von Tropoja, aus gut zu erreichen. Die asphaltierte Strasse (25 km) reicht bis Valbona und noch etwas hinaus. Am Anfang des Valbonatals hat sich der Fluss noch eine hübsche Schlucht gegraben. Nach Çerem und Rragam führen hingegen nur sehr schlechte Fahrwege. Letzterer zieht sich über Kilometer durchs Schotterfeld des Valbona-Flusses. Von Bajram Curri fahren auch Minibusse nach Valbona.

Dank des Asphalts ist Valbona auch im Winter zu erreichen – für Schneeschuhtouren oder dergleichen ( Video Skitour) oder einfach um Schnee und Winter zu geniessen.

 

Nützlich

Die Amerikanerin Catherine Bohne ist für Touristen eine der hilfreichen Anlaufstellen in den Bergen. Zusammen mit ihrem albanischen Ehemann betreiben das »Hotel Rilidnja« kurz vor Valbona.

Journey to Valbona

 

Bajram Curri

Bajram Curri

Bajram Curri

Die kleine Stadt, eine Neugründung der 50er Jahre, bietet keine grossen Sehenswürdigkeiten: ein paar Denkmäler aus kommunistischer Zeit. Als regionales Zentrum dient es aber für Besorgungen und Drehkreuz für den Verkehr mit Minibusverbindungen nach Tirana (via Gjakova in Kosovo), nach Fierza am Koman-See und nach Valbona.

Fünf Kilometer südlich von Bajram Curri kann im Dorf Bujan etwas oberhalb der Durchgangsstrasse die »Kulla von Mic Sokoli« besichtigt werden. Das landestypische historische Wehrhaus mit originaler Ausstattung kann als Museum besichtigt werden.

 

Gashital und Shkëlzen

Bergwelt Tropojas: Gashi-Tal links und Shkëlzen rechts

Bergwelt Tropojas: Gashi-Tal links und Shkëlzen rechts

Die abgelegene, unbewohnte Nordostecke des Gebiets wird durch enge Täler und mächtige Bergmassive abgeriegelt. Das kaum erschlossene Gashi-Tal ist ein »Naturreservat« mit viel unberührter Natur. Wanderer können von Alp zu Alp wandern.

Der mächtige Shkëlzen (2405 m) liegt östlich davon. Auf dem Gipfel befindet sich ein Bektaschi-Heiligtum, auf dem Bergrücken weitere Alpen.

Östlich vom Shkëlzen fliesst der Tropoja-Bach, der von den Syblica-Bergseen hinunterfliesst. Weiter nördlich liegt nur noch die Alp Dobërdol, von wo aus der Fernwanderweg »Peaks of the Balkans« und andere Wege über die Berge nach Kosova und Montengro führen.

 

Koman-See

Koman-See

Koman-See

Eine Fährfahrt auf dem Koman-See ist wohl das Schönste, das man in Albanien erleben kann. Der gestaute Drin windet sich in tiefen Schluchten durch das nordalbanische Bergland. Die Szenerie erinnert an norwegische Fjorde. An den engsten Stellen ist die Schlucht keine 50 Meter breit, während die Felsen links und rechts hunderte Meter hoch in die Höhe ragen.

Der Koman-See ist in der Mitte einer Kaskade von drei Stauseen. Der Fierza-See ist der oberste und erstreckt sich über Kukës und den Zusammenfluss von Weissem und Schwarzen Drin hinaus bis nach Kosova. Der See von Vau-Deja ist der älteste und zieht sich vom Rand der Berge im Westen bis fast nach Koman.

Die Staumauer in Koman wurde in den 80er Jahren errichtet. Seither wird der gestaute See auch als Verkehrsweg genutzt: Über den See fahren Bergler zu ihren abgeschiedenen Dörfern, und lange war dies der schnellste und bequemste Weg, um nach Tropoja zu kommen. Leider wurde der Fährverkehr vor wenigen Jahren eingestellt, nachdem weiter südlich die neue Autobahn eröffnet worden war.

Für Touristen gibt es kleine Ausflugsboote. Zudem verkehren im Sommerhalbjahr – je nach Nachfrage – auch wieder ein oder zwei Fährboote. Ganzjährig verkehren auch Personenboote, die Einheimische und Touristen, manchmal auch Motorräder, aber keine vierrädigen Fahrzeuge befördern.

Fähre in Koman

Fähre in Koman

Mario Molla Bootstouren
Fähre »Alpin«
Fähre »Berisha« und Boot »Dragobia«

Der See ist über 30 Kilometer lang. Die Boote fahren zwischen Koman, rund 55 Kilometer östlich von Shkodra, und Fierza, das etwa 15 Kilometer von Bajram Curri, dem Zentrum Tropojas, entfernt ist. Die Anlegestelle in Koman ist durch einen kurzen Tunnel zu erreichen – meist herrscht ein chaotisches Gedränge auf dem kleinen Platz. Die Anlegestelle in Fierza wird je nach Wasserstand im See verlegt und liegt meist nicht in Fierza, sondern am westlich gegenüberliegenden Seeufer bei Breglum. Die Abfahrtszeiten sind meist früh morgens.

 

Allgemeine Hinweise

Diverse nützliche Reiseinformationen zur Region finden sich auch auf der Seite
Albanischen Alpen.

 

 

Verkehr

Verkehrswege

Fahrradfahrer im Valbonatal (vor Asphaltierung der Strasse)

Fahrradfahrer im Valbonatal (vor Asphaltierung der Strasse)

Für die Anreise nach Tropoja (Bajram Curri) gibt es mehrere Route, die alle ihre Nachteile haben.

  • Die schönste Anreise führt über den Koman-See (siehe oben). Hier ist man aber an die Fahrzeiten der Autofähre gebunden, die nur im Sommer ein bis zwei Mal täglich verkehrt. Wer ohne eigenes Fahrzeug reist, kann die Personenboote benutzen.
  • Die alte Route führt durch die Berge über Fushë-Arrëz nach Fierza. Die Strasse ist grösstenteils sehr schlecht, entsprechend lange und mühsam ist die Fahrt.
  • Eine weitere Route verläuft von Kukës über Kruma und die Region Has nach Tropoja. Die Strasse wurde zwar von ein paar Jahren asphaltiert, der Belag sei aber streckenweise recht schlecht und auf der kurvenreichen Bergstrecke kommt man nicht allzu schnell voran.
  • Eine weitere Möglichkeit ist die Anreise über den Morina-Pass von Gjakova in Kosova aus. Trotz der beiden Grenzübergänge, die zu passieren sind, ist dies der schnellste und bequemste Weg, der auch von den Minibussen zwischen Tirana und Bajram Curri genutzt wird. Die Landschaft ist dafür weniger spannend.
In den albanischen Alpen und der Region rund um Tropoja gibt es Dörfer, die Kilometer von der nächsten Strasse entfernt sind. Und diese Strassen sind kaum ohne 4×4-Fahrzeugen passierbar. Wenn es aber regnet, fährt oft gar nichts mehr. Nur allmählich werden auch die wichtigsten Verbindungswege im Gebirge asphaltiert. Und im Winter sind zahlreiche Dörfer über Monate von der Umwelt abgeschnitten.

Anreise

  • Auto – Tropoja ist am bequemsten von Gjakova in Kosova aus zu erreichen, aber auch verbunden mit Kukës, Puka und der Fähre in Fierza (siehe Verkehrswege oben).
  • Fähre – Im Sommer fährt für Touristen mindestens eine Autofähre auf dem Komansee. Die Abfahrtszeiten variieren, sind aber meist nur früh morgens/vormittags, ausser der Andrang ist sehr gross. Ansonsten fahren noch Ausflugsboote und ganzjährig Personenfähren, die manchmal auch ein Motorrad mitnehmen.
  • Busse – Busse verbinden Bajram Curri mit Gjakova und Tirana. Ab Bajram Curri fahren Minibusse (Furgon) in die Dörfer, meist frühmorgens oder am frühen Nachmittag. Minibusse fahren auch zur Fähre in Koman von Valbona/Bajram Curri und Shkodra – sehr früh morgens, die Hoteliers haben Details. In der Sommersaison verkehren auch direkte Busse von Fierza nach Valbona.
  • Flugzeug – Neben dem Flughafen in Tirana bietet sich auch der Flughafen in Prishtina (Kosova) an.
  • Eisenbahn – Peja wäre theoretisch per Eisenbahn zu erreichen.

 

Essen & Schlafen

Zu Gast in Valbona

Es gibt in fast allen Dörfern Gästezimmer zu mieten. In Valbona und Rragam ist man schon gut auf Touristen vorbereitet mit diversen kleinen Hotels und Gasthäusern. Gerade zur Hochsaison wird dringend empfohlen, im Voraus zu reservieren. Auch in Bajram Curri gibt es Hotels.

Die Gästehäuser verfügen meist über Mehrbettzimmer und einem zu teilenden Badezimmer auf der Etage. Das Abendessen wird in der Stube des Hauses eingenommen. Für Wanderungen werden gerne auch Essenspakete bereitgemacht. Die Unterkünfte sind einfach und die Privatssphäre beschränkt. Zumindest hat man die Möglichkeit, etwas Einblick in den Alltag der Menschen zu erlangen. In Dörfern ohne Gästehäuser findet sich meist problemlos auch jemand, der bereit ist, Gäste aufzunehmen. Man muss aber damit rechnen, dass kein Badezimmer oder kein modernes vorhanden ist und man im Wohnzimmer schlafen muss.

Bis jetzt gibt es ausserhalb von Bajram Curri und Valbona kaum Restaurants. Cafés gibt es in fast allen Dörfern, und zum Teil werden auch Kleinigkeiten zu essen angeboten. Die Speisen in den Gästehäusern sind stark vom lokalen Angebot geprägt: Lammfleisch, frisches Gemüse, Kartoffeln, Käse und Brot.

 

Einkaufen

In den Dörfern im Gebirge gibt es kaum Läden. Die Cafés bieten zum Teil ein paar Dinge des alltäglichen Bedarfs an, aber nur sehr wenig Lebensmittel. Vorräte sollten in Bajram Curri eingekauft werden. Bei Bauern in den Dörfern sollte man frisches Gemüse, Brot und Käse kaufen können.

 

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