Albert hat geschrieben:Hallo
Jeder kann eigene Meinung haben, das respektiere ich. Nun, was die Rettung der Juden betrifft, kann ich sagen, dass ich mehr als die schon "bekannte" Literatur gemacht habe, nur die Frage ist, was habt ihr genau von meinen Artikel gelesen.
Als Information: zu ersten Mal wurde vor einem Jahr die gesamte Bibliographie von mir und Shaban Sinani (Albanisch, Deutsch, Englisch, Serbisch) über die Juden in Albanien und Kosovo geschrieben.
lg
Albert Ramaj
Genau das meine ich, es ist reines Bibliographieren in textlicher Form und enthält keine thematische Herangehensweise oder eine Herangehensweise gestütz auf einer (neuen) These. Ich habe Bsp. ihren Artikel "Rettung von Juden in Albanien" oder auch den Artikel mit dem ähnlich klingenden Titel "Die Rettung der Juden in Albanien und Kosovo" gelesen. Dieser ist zwar schön und gut, ebenso chronologisch geordnet. Doch welchen epistemolgischen Gewinn weist ihr Artikel im Vergleich zu Samers "allumfassendes" Werk "Rescue in Albania", oder zu Fischers "The Jews of Albania during the Zogist and Second World War Period"? Ich kann da keine thematische oder thesenorientierte Untersuchung des Problems erkennen.
Zudem muss ich sagen, dass in dem besagten von Ihnen verfassten Artikel vielerorts Zitierhinweise fehlen, wo der Leser nicht erkennen kann, ob diese Angabe von Ihnen ist, oder ob sie diese aus irgend einem anderen Buch/Artikel zitiert haben, und die Literaturquelle nicht angegeben haben.
Ein Beispiel für Ihre mangelhafte Zitierweise:
In Ihrem Artikel "Die Rettung der Juden in Albanien und Kosovo" schreiben Sie über Sabbatai Zewi folgendes:
Der mystische jüdische Pseudo-Messias Sabbatai Zewi verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in Albanien. Er lebte dort in Ulcinj (alb. Ulqin) oder Berat im Exil. Es gibt zwei Theorien über sein Grab. Einige Wissenschaftler behaupten, es sollte in Berat sein und die anderen in Ulcinj. Doch sein Grab liegt tatsächlich in Ulcinj, wo er im Jahre 1673 gestorben ist.
Doch woher soll ich nun wissen, dass Sie Recht haben, und nicht die anderen Historiker, die Behaupten, Zewi sei in Berat begraben?! Ich kann doch nicht davon ausgehen, nur weil Sie es schreiben, muss dies richtig sein. Zudem legt Ihre "Argumentationsweise" dem Leser nahe, das die anderen Historiker (die behauptet haben, dass Zewi in Berat begraben liegt) blind seien, denn Sie schreiben, dass sein Grab "tatsächlich in Ulcinj" liege. Von meiner Sichtweise aus ist dies eine sehr fragwürdige "Argumentationsweise"...
Samer schreibt auf Seite 223 genau das Gegenteil von dem, was Sie behaupten:
At some point Zvi must have left Ulqin because in 1673 the Sultan exiled him to Albania a second time. This time he stayed in Albania and lived out his last days in Berat, dying in 1676. All that is known for sure about his tomb is that it was buried on the side of the river Osum, in central Albania.
His assumed burial place, near Berat, is treated as a holy place for all religions, and an annual fair is held on the site. The Universal Jewish Encyclopedia says Zvi's followers established themselves in Berat, and stayed for 30 years with a Salonika rabbi as the head of the community.
Eine noch viel haarsträubendere Zitierweise aus der Sicht eines Historikers ist, wenn Sie jemanden wörtlich zitieren (also nicht sinngemässes Paraphrasieren) und dabei nicht einmal die Seitenzahl angeben. Ein Beispiel:
Über die Rettung der Juden in Albanien schreibt Christine von Kohl: "Trotz aller Schrecken, die Befreiungs- und Bürgerkrieg für die albanische Bevölkerung bedeuteten, wurde kein Jude an die Deutschen ausgeliefert. Erst im letzten Moment, im Frühjahr 1944, unternahm die Gestapo in Tirana die ersten Schritte zur Registrierung der in Albanien lebenden Juden. Angesichts der großen Gefahr, die das Verstecken von deutschen Juden bedeutete, war der Schutz (durch die Besa), welcher ihnen geboten wurde, eine bemerkenswerte moralische Leistung. Darüber gibt es eine Reihe glaubwürdiger Zeugenaussagen. Einzelheiten wurden dem Institut für Studien zum Holocaust in Israel übermittelt".
Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen, dass Sie einem historischen Anachronismus erlegen sind. Denn sie definieren nicht, was sie unter "Albanien" verstehen, und was unter "Kosovo". Samer definiert genau, was er unter "Albanien" versteht und differenziert sehr gut zwischen das Albanien, das 1912/1913 in seinen Grenzen gegründet wurde, und das Albanien, das mit der italienischen Okkupation und der Annexion grosser geographischer Gebiete des Kosovos gebildet wurde. Und genau zwischen diesen beiden Albanien differenziert Samer, indem er sagt, dass die Behandlung der Juden im "Albanien von 1912/1913" anders war, als im "italienischen Albanien" (Edit: die beiden Termini "Albanien von 1912/1913" und "italienischen Albanien" sind von mir und nicht von Samer; Samer macht eine andere terminologische Unterscheidung). Ausserdem unterscheidet Samer im "italienischen Albanien" zwischen Albanien und Kosovo, respektive zwischen albanischem Territorium und kosovarischem Territorium und stellt fest, dass im Kosovo jüdische Familien nach Polen deportiert wurden, in Albanien hingegen wurden erst Monate vor Ende des 2. Weltkrieges einige jüdische Familien (ich habe die Zahlen nicht mehr im Kopf) verhaftet, wurden jedoch nicht deportiert und konnten mit dem Vormarsch der kommunistischen Partisanen befreit werden.
So schreibt Samer (S. 412):
In Prishtina, capital city of the annexed territories, the local authorities complied with German demands and jailed 60 Jewish men. A sympathetic doctor, Spiro Lit, convinced the mayor that they must not let the Germans take the 60 Jews to Poland for extermination. He also convinced the German authorities that the Jewish prisoners had typhus and it was necessary to send the Jews to hospitals in Albania to avoid an epidemic. The Jews were taken to Berat, given false documents and spread around Albania, mostly to the friends of Dr. Lito in the cities of Lushnja, Shijak, Kavaja, and Kruja.
Auf der gleichen Seite schreibt Samer:
The Minister apparently changed his mind because 10 days later (April 1, 1942) he revised his instructions: ‘The Jews who came after the war started should not be imprisoned but should be gathered on a field of concentration, because there may be women and children among them. You should coordinate with the military authorities to find a common Ian for the whole of Kosova. For those who have been here before the war, you should stop deporting to Berat until further orders.”
The Prefect of Police didn’t work very fast and on May 20, he notified the Minister: ‘The Jews are gathered in a field of concentration in the central part of our prefecture being always under observation.”
Two days later the Minister again revised his instructions: “About the Jews who were in that region before the war, the men should be sent to Berat. Women and children should be free to stay where they are or go to Berat. If anyone who is supposed to be sent to Berat is ill, wait until his recovery.”
Weiter schreibt Samer (S. 432):
The' good result was that those who went to Berat and the four towns mentioned (Kavaja, Kruja Burrel, and Shijak) were in Albania and Albania meant life but not everyone was so fortunate.
Wenn wir uns vor Augen halten, wer zur damaligen Zeit Innenminister war, wird deutlich, dass rechtsextreme (und meiner Ansicht nach antisemitische) Xhaferr Deva seine Heimat, das Kosovo, von Juden befreien wollte und alle jüdischen Familien deportieren liess. Zu Beginn scheint es, als sei Deva indifferent betreffend dem Deportationsziel. Doch irgend jeman muss ihm angeraten haben, diese - im Text von Samer erwähnten - Juden nach Berat zu deportieren und nicht nach Polen, wie dies bei anderen Juden der Fall gewesen sein soll. Laut Fischer, den Sie auch zitiert haben, sollen 400 Juden aus dem Kosovo ins KZ nach Bergen-Belsen deportiert worden sein. Von diesen 400 haben lediglich 100 überlebt. Insbesondere der Balli Kombetar und die SS Skanderbeg (Fischer zufolge soll die SS Skanderbeg nur im Kosovo aktiv gewesen sein, und zudem sollen die deutschen SS Führer die kosovarischen SS Führer verhaftet haben, weil letztere Kriegsverbrechen an den serbischen und allgemein nicht-albanischen Bevölkerung verübt haben sollen) sollen laut Carl K. Savich ("Kosovo under Nazi Germany") sehr eng mit den deutschen Besatzern kollaboriert haben (Savich ist nicht der einzige Autor, der diese Kollaboration hervorhebt). Zudem soll die GeStaPo - deren Hauptbasis in Mitrovica war - im Kosovo und Albanien Ihre Spitzel gehabt haben. Im Kosovo sollen laut Savich (der Steve Kane “The 21st SS Mountain Division” zitiert) die Spitzel der GeStaPo Ramiz Mulic/Mulliqi und Osman Ibrahimovic/Ibrahimi für den Brand einer Synagoge im Kosovo verantworlich gewesen sein.
Postskriptum: Für alle, die meinen, Savich sei ein grossserbischer Ultranationalist, ist hier eine kurze Biographie des Uni-Professors:
Carl Savich is a Michigan-based historian. He received his B.A. in Political Science from the University of Michigan in Ann Arbor. He has an M.A. in History and a J.D. in Law. He is a member of the Alpha Zeta Upsilon chapter of the international history honor society, Phi Alpha Theta. He has received an LCP BW American Jurisprudence Award and a Handy and Harmon Academic Scholarship. His work has been cited on the US Holocaust Memorial Museum website in Washington, DC and the Holocaust and Genocide Studies website of the University of Minnesota.
Savich mag ein bisschen verschwörungstheoretisch und anti-albanisch erscheinen, doch zitiert er zumindest richtig und erwähnt die Fakten, die er von anderen Autoren übernimmt.
Pos-Postskriptum: Aus Ihrem Lebenslauf wird ersichtlich, dass sie eigenltich gar kein Historiker, sondern Philosoph und Theologe sind, weshalb, wie ich meine, die historische Methodik in Ihren Artikeln kaum zur Anwendung kommt.
Post-Post-Postskriptum: Eine kleine Korrektur diesbezüglich:
Samuilo Mandil erwähnt in diesem Artikel aber auch, dass im Gegensatz dazu 1942 die Behörden in Mitrovica, also im bis 1941 jugoslawischen Kosovo, 53 Juden an die Nazis ausgeliefert hätten.
Sie schreiben in Ihrem erwähnten Artikel "Die Rettung der Juden in Albanien und Kosovo", dass Mitrovica zu Jugoslawien gehört haben soll. Doch das ist so nicht korrekt, denn Jugoslawien existierte nach dem Einmarsch der Nazi-deutschen Truppen in Jugoslawien nicht mehr. Es wurde aufgelöst und in verschiedene substaatliche einheiten aufgeteilt (so wurde zum Beispiel der faschistische "Unabhängige Staat Kroatiens“ gegründet). Zudem war Mitrovica von den deutschen Truppen besetzt, eine deutsche Verwaltung wurde dort aufgebaut und laut Kane und Savich war dort das Hauptquartier der GeStaPo für Albanien und Kosovo.