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Man sagt "Ja, ja" - macht aber dann nichts.

Verfasst: Mi, 13. Jul 2011, 13:54
von Genci85
Ein sehr guter Artikel, der das aufzeigt, was ich auch als problematisch empfinde. Denn nicht nur die Politiker sind Schuld an den Missständen sonder die ganze Gesellschaft. Um weiter zu kommen müssen wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln. Gerade wenn es um die Leistungsbereitschaft geht. Albaner sind häufig schlicht faul, dies fällt mir immer wieder auf, wenn ich unten bin. Es mangelt an Tatendrang seine Situation zu verbessern.
"Management im Kosovo nicht vorhanden"
Personalberater Peter Pendl eröffnet ein Büro im Kosovo. Das Umfeld dort: 45 % Arbeitslose, eine heikle Mentalität.

Im Februar 2008 erklärte das kosovarische Parlament einseitig die Unabhängigkeit, die Lage entspannt sich, die Probleme immer noch die alten. Wer kann, dreht Europas jüngstem Staat den Rücken zu. Viele Investoren und Unternehmen schrecken davor zurück, sich in dem vom Krieg gezeichneten Land niederzulassen. Peter Pendl, CEE-Spezialist und Geschäftsführer der Personalberatung Pendl & Piswanger, geht trotzdem hin.

KURIER: Pendl & Piswanger hat Ende Juni einen Standort im Kosovo eröffnet. Was sind die Gründe?
Peter Pendl: Wir haben seit acht Jahren ein Büro in Albanien. Vier unserer Kunden aus Albanien verstärken nun ihre Aktivitäten im Kosovo. Der logische Schluss war, dort ein Büro zu eröffnen.

Die Arbeitslosigkeit beträgt laut WKO 45 Prozent. Wie schwierig ist es, Mitarbeiter zu beschaffen?
Das ist sehr schwierig, da Personen entweder gewohnt waren, in staatlichen Firmen oder in kleinen Privatfirmen zu arbeiten. Die Facharbeiter sind in den traditionellen Industrieberufen oder Handwerksberufen sehr gut. Doch Management ist praktisch nicht vorhanden. Im Kosovo lebt das jüngste Volk Europas, das Durchschnittsalter liegt bei 23 Jahren. Das Schulsystem ist noch in der Entwicklungsphase, es gibt einige Privatschulen und Privatunis. Daher stellen wir uns darauf ein, Manager für den Kosovo außerhalb des Landes zu suchen - insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch in England, weil viele Kosovaren dort eine Schule besucht haben und teilweise noch dort leben.

Wie intensiv sind die Beziehungen zwischen dem Kosovo und Österreich?
Aus unserer Sicht sehr intensiv. Aber der Markt ist noch nicht so selbstverständlich wie die meisten anderen in Osteuropa.

Wie unterscheidet sich die Business-Mentalität von der unsrigen?
Das Verantwortungsbewusstsein ist nicht so ausgeprägt, man sagt "Ja, ja" - macht aber dann nichts. Daher ist Kontrolle wichtig. Die Business-Ethik ist erst in der Entwicklung - internationale Unternehmen investieren hier in Trainings, um ein Umdenken zu erreichen. Auch die Leistungsbereitschaft ist deutlich geringer.

Können Sie ein konkretes Beispiel geben?
Uns hat etwa eine Firma gebeten, ein Programm zu gestalten um die Geschäfts-Ethik zu verbessern. Damit etwa Materialien wie Kugelschreiber, Papier und so weiter nicht als Eigentum betrachtet werden. Auch Geschenkannahme ist ein heikler Punkt. Zuwendungen werden im Kosovo als normal angesehen. Internationale Unternehmen versuchen, das in den Griff zu bekommen und setzten Programme gegen diese ureigene Mentalität.

Es dürfte schwierig sein, die "ureigene Mentalität" zu ändern.
Es geht schlicht und einfach um Bewusstmachung. Es geht darum, die Unternehmensprinzipien und -werte zu vermitteln und wieso diese wichtig sind. Hier wird konsequent agiert: Sie werden bekannt gemacht, erläutert und diskutiert. Jede Aktion, die diesen widerspricht, gilt es zu unterlassen. Wenn nicht gibt es klare Konsequenzen.

Sie sprechen von Maßnahmen wie Kündigungen.
Fristlos, wenn es sein muss.

Das klingt nach einem schwierigen Arbeitsumfeld auch für Sie.
Ich habe eine Kollegin vor Ort, sie ist Albanerin und versteht die Mentalität daher sehr gut. Man muss jemanden haben, der an die Mentalität angepasst agieren kann, aber ganz klar westlich denkt.

Sie sind seit einigen Jahren in Albanien tätig, waren auch dort die ersten Personalberater. Erinnert Sie die Situation im Kosovo daran?
Es hat drei Jahre gedauert, bis wir den ersten Manager außerhalb von Albanien für Albanien rekrutiert haben. Damals war es ein Küchenchef für eine internationale Kette. Wir haben ihn in England gefunden. Es war damals sehr komplex, jemanden zu finden - das wird im Kosovo nicht anders sein.

Was ist der Anreiz, überhaupt dort zu arbeiten?
In den meisten Fällen das Unternehmen und die Funktion. Wenn man die Chance sieht, in dem Unternehmen den nächsten Karriereschritt zu machen, weiter voranzukommen und weil es Ausbaumöglichkeiten gibt. Für statische Stellen wird man niemanden gewinnen können.

Peter Pendl: Personalist, CEE-Experte

Person Peter Pendl studierte an der Universität Wien, heute hält er dort die Vorlesung "Personalmanagement in der Praxis".

Die Personalberatung Pendl & Piswanger startete 1980 als Personalberatungsunternehmen in Wien. Heute ist P&P ein Full-Service-Berater mit Schwerpunkt Executive Search und Human-Resource-Beratung. Seit 1990 ist P&P in Österreich und CEE flächendeckend aktiv. Als Shareholder von InterSearch mit 110 Büros weltweit zählt P&P/InterSearch zu den Top-Ten-Beratern mit internationalem Standard und einer eigenen Ausbildungsakademie.

Re: Man sagt "Ja, ja" - macht aber dann nichts.

Verfasst: Mi, 13. Jul 2011, 14:53
von FaLLinG
Ein sehr interessanter Artikel!
Ich habe eine Kollegin vor Ort, sie ist Albanerin und versteht die Mentalität daher sehr gut. Man muss jemanden haben, der an die Mentalität angepasst agieren kann, aber ganz klar westlich denkt.
Ich muss gestehen, ich habe schon mal daran gedacht, in Albanien, Kosovo oder Mazedonien beruflich aktiv zu werden, sprich mir dort eine Stelle zu suchen. Ich bin zurzeit in der IT Beratung tätig. Am Balkan lässt sich bestimmt in diese Richtung einiges machen. Vor allem wenn man hier im Westen sich Wissen aneignet und westlich denkt aber auch die albanische Mentalität gut kennt, kann man in Albanien/Kosovo sehr erfolgreich werden und auch zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

Re: Man sagt "Ja, ja" - macht aber dann nichts.

Verfasst: Mo, 25. Jul 2011, 14:21
von kleshtrimania
Ich arbeite auch in der IT-Branche. Mein letzter Arbeitgeber hat versucht in Mazedonien und Kroatien Fuss zu fassen. Leider ist es voll in die Hose. Das Büro in Kroatie mussten wir schliessen nach dem der Geschäftsführer von einem grossen IT-Konzern abgeworben wurde und in Mazedonien hat der Geschäftsführer dass ganze Geld verzockt und versoffen. Die machen nie wieder was auf dem Balkan :D

Re: Man sagt "Ja, ja" - macht aber dann nichts.

Verfasst: Do, 28. Jul 2011, 18:25
von liberté
ich war ja auch lange jahre in der it-branche tätig und könnte mir das für den ks eigentlich auch sehr gut vorstellen.

ich hab damals filialen in polen mit aufgebaut, auch in littauen. das war zwar gewöhnungsbdürftig, aber möglich.

ich denke auch in ks gibt es die richtigen leute, alles eine frage des umdenkens und der zeit!

Re: Man sagt "Ja, ja" - macht aber dann nichts.

Verfasst: Fr, 28. Okt 2011, 15:03
von danielhj
Ich kann mit der Eigenschaft überhaupt nicht umgehen, ich hasse es wenn Leute sagen "Ja ja mach ich" und dann nichts kommt, einmal ist ok, dann klarstellen warum, aber wenn das immer das gleiche ist find ichs echt zum kotzen.