Vielen Dank für Eure Anregungen und Fragen.
Also: der Mann ist 1992 geflüchtet, als er in die Armee eingezogen werden sollte, er schaffte es, seine hochschwangere Frau nach Thüringen zu holen. Sie haben Asyl beantragt und ihnen ging es somit in Deutschland gut und haben deshalb zwei weitere Kinder bekommen. Ihre Lebensmitte war dann Husum in Schleswig-Holstein. Die Kinder gingen in den Kindergarten und er bekam aber keine Arbeitserlaubnis. Aber er half immer im Kindergarten oder bei der Diakonie (Gartenpflege etc., alles ehrenamtlich). Ihre Familie war spurlos in den Kriegswirren verschwunden und es gab so gut wie keinen Kontakt, der Großvater galt als verschollen. Die Mutter selber litt aber doch unter Heimweh, obwohl sie Freunde in Husum gefunden hatte. Nach Kriegsende mussten sie Deutschland verlassen, was anfangs noch mit 5000 DM Starthilfe plus kostenlosen Container (für Hausstand, Bekleidung usw.) "gefördert " wurde. Sie hatten keine Wahl, entweder sofort u. mit Starthilfe oder später u. dann aber ohne Geld plus Container.
Der "Empfang" im Dorf lief ziemlich kühl ab. Alle waren neidisch und immer wurde der Familie unterstellt, dass sie ja geflohen sind und den Krieg nicht miterlebt haben.
Sie wohnen in dem Haus ihres Onkels, der in Schweden lebt. Das Haus war im Rohbau, sie haben von der Starthilfe notdürftig Fenster und einen Ofen eingebaut, Strom und Wasser organisiert.
Der Vater hatte von Anfang an gleich Arbeit, er arbeitete aufgrund seiner guten Deutschkenntnisse in einem Restaurant, wo die Mitarbeiter verschiedener Hilfsorganisationen speisten. Dann kam der Krieg in Afghanistan und die Hilfsorganisationen gingen......und somit die Kneipe pleite, weil kein Einheimischer essen ging....
Der Vater kümmert sich um den Haushalt, die Pflege und die Schule. Die Kinder müssen die Schulbücher bezahlen und auch jeden Monat 1 € Schulgeld für die Heizung.
Wir haben bisher brav jede Überweisung bei der Steuererklärung mit eingereicht, amtlich übersetzte Krankenberichte dazu, aber unser deutscher Staat akzeptiert solche Hilfe nur innerhalb der Republik, so dass wir nie die Spenden absetzen konnten, wir hatten es auch sofort wieder der albanischen Familie zukommen lassen.
Wir kennen hier leider keine Albaner, haben auch keinen Kontakt. Ich habe ein paarmal bei der Ausländerbehörde nachgefragt, ob man uns Kontakt vermitteln kann, auch bei der Diakonie. Aber es ist sehr schwierig, man hat uns eher davor gewarnt, weil dass Misstrauen so groß ist.
Ein Konto einzurichten ist kein Problem, allerdings müsste man da einen Verein gründen. Wir sind an die örtliche Zeitung gegangen, haben uns bei allen privaten Spendern bedankt. Es fragen viele nach, aber man spendet eher getragene Kleidung als Geld. Irgendwie haben die Deutschen ein Problem damit, Geld zu spenden. Wir haben auch eine CD mit einem kleinen Video, was die Bundeswehrsoldaten gedreht haben, so konnten wir immer auch nachweisen, dass wir uns selbst nicht an den Spenden bereichert haben.
Nochmal die Frage: gibt es eine Sozialhilfeleistung, Kindergeld? wenn ja, wie viel?
Wir sind Christen und verstehen unsere Hilfe als selbstverständlich, auch wenn die Familie Muslime sind. Für uns ist das kein Problem.
Wer wirklich Angebote hat oder bereit ist, etwas beim nächsten Heimatbesuch für uns mitzunehmen, der kann uns auch gerne privat mailen: die.schumaenner@web.de.
Übrigens sind die Mädchen im Sommer als beste Schülerinnen ihrer Jahrgangstufe in der Schule ausgezeichnet wurden! Wir sind ein bisschen stolz darauf, dies unterstützen zu können.
Die Mutter ist zeitweise bettlägerig und bedarf PFLEGE und Medikamente.
Die Frage wegen dem Holz: Holzsammeln ist sehr schwierig, weil dass alle machen! und wenn man kein Fahrzeug besitzt, ist es schwierig, aus den höherliegenden Regionen/Wäldern das bis in den Ort zu holen, vor allen Dingen in den Mengen.
Wir haben auch schon daran gedacht, mal in den Kosovo zu fahren, einfach uns das alles selbst anzuschauen. Die Bundeswehr hat uns aber immer davon abgeraten und ehrlich gesagt, uns fehlt auch ein bisschen Mut. Wenn, dann nur ohne unsere Kinder.
Wir machen uns viele Gedanken, vor allen Dingen. dass dieses Land irgendwie nicht mehr im Fokus dieses reichen Europas steht. Es spricht keiner darüber, die meisten wissen nicht mal, wo Kosovo liegt!
Wie seid ihr eigentlich in die Schweiz/Deutschland gekommen. Jeder von euch hat doch bestimmt seine eigene Geschichte. Unterstützt ihr eure Verwandten/Bekannten? Habt ihr nicht auch Heimweh, trotz der miserablen Zustände?
Und vielleicht noch was: auch wenn wir "Einzelkämpfer" sind, wir vertrauen dieser Familie und wir haben Respekt davor, dass sie ihren Lebensmut noch nicht aufgegeben haben. Zumal sie wissen, wie einfach "warm und satt" es sich in Deutschland leben läßt.
Und es tut auch unseren beiden Kindern gut, sich damit direkt auseinander zusetzen, in dem sie den Mädchen Briefe schreiben und sich über den Alltag austauschen.
Wir können nicht die Situation ändern, aber wir können Mut machen, manchmal reicht es aus, wenn man nur aneinander denkt und zu hört, die Sorgen teilt. Wir sind dafür dankbar, diese Erfahrungen zu machen, auch mit dem Bewusstsein, dass es ein Fass ohne Boden ist.
Liebe Grüße,
die Tina, die leider der albanischen Sprache nicht mächtig ist.....

