tina
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Registriert: Do, 08. Nov 2007, 16:32

So, 18. Nov 2007, 19:40

Vielen Dank für Eure Anregungen und Fragen.
Also: der Mann ist 1992 geflüchtet, als er in die Armee eingezogen werden sollte, er schaffte es, seine hochschwangere Frau nach Thüringen zu holen. Sie haben Asyl beantragt und ihnen ging es somit in Deutschland gut und haben deshalb zwei weitere Kinder bekommen. Ihre Lebensmitte war dann Husum in Schleswig-Holstein. Die Kinder gingen in den Kindergarten und er bekam aber keine Arbeitserlaubnis. Aber er half immer im Kindergarten oder bei der Diakonie (Gartenpflege etc., alles ehrenamtlich). Ihre Familie war spurlos in den Kriegswirren verschwunden und es gab so gut wie keinen Kontakt, der Großvater galt als verschollen. Die Mutter selber litt aber doch unter Heimweh, obwohl sie Freunde in Husum gefunden hatte. Nach Kriegsende mussten sie Deutschland verlassen, was anfangs noch mit 5000 DM Starthilfe plus kostenlosen Container (für Hausstand, Bekleidung usw.) "gefördert " wurde. Sie hatten keine Wahl, entweder sofort u. mit Starthilfe oder später u. dann aber ohne Geld plus Container.

Der "Empfang" im Dorf lief ziemlich kühl ab. Alle waren neidisch und immer wurde der Familie unterstellt, dass sie ja geflohen sind und den Krieg nicht miterlebt haben.
Sie wohnen in dem Haus ihres Onkels, der in Schweden lebt. Das Haus war im Rohbau, sie haben von der Starthilfe notdürftig Fenster und einen Ofen eingebaut, Strom und Wasser organisiert.

Der Vater hatte von Anfang an gleich Arbeit, er arbeitete aufgrund seiner guten Deutschkenntnisse in einem Restaurant, wo die Mitarbeiter verschiedener Hilfsorganisationen speisten. Dann kam der Krieg in Afghanistan und die Hilfsorganisationen gingen......und somit die Kneipe pleite, weil kein Einheimischer essen ging....
Der Vater kümmert sich um den Haushalt, die Pflege und die Schule. Die Kinder müssen die Schulbücher bezahlen und auch jeden Monat 1 € Schulgeld für die Heizung.

Wir haben bisher brav jede Überweisung bei der Steuererklärung mit eingereicht, amtlich übersetzte Krankenberichte dazu, aber unser deutscher Staat akzeptiert solche Hilfe nur innerhalb der Republik, so dass wir nie die Spenden absetzen konnten, wir hatten es auch sofort wieder der albanischen Familie zukommen lassen.

Wir kennen hier leider keine Albaner, haben auch keinen Kontakt. Ich habe ein paarmal bei der Ausländerbehörde nachgefragt, ob man uns Kontakt vermitteln kann, auch bei der Diakonie. Aber es ist sehr schwierig, man hat uns eher davor gewarnt, weil dass Misstrauen so groß ist.

Ein Konto einzurichten ist kein Problem, allerdings müsste man da einen Verein gründen. Wir sind an die örtliche Zeitung gegangen, haben uns bei allen privaten Spendern bedankt. Es fragen viele nach, aber man spendet eher getragene Kleidung als Geld. Irgendwie haben die Deutschen ein Problem damit, Geld zu spenden. Wir haben auch eine CD mit einem kleinen Video, was die Bundeswehrsoldaten gedreht haben, so konnten wir immer auch nachweisen, dass wir uns selbst nicht an den Spenden bereichert haben.


Nochmal die Frage: gibt es eine Sozialhilfeleistung, Kindergeld? wenn ja, wie viel?
Wir sind Christen und verstehen unsere Hilfe als selbstverständlich, auch wenn die Familie Muslime sind. Für uns ist das kein Problem.
Wer wirklich Angebote hat oder bereit ist, etwas beim nächsten Heimatbesuch für uns mitzunehmen, der kann uns auch gerne privat mailen: die.schumaenner@web.de.

Übrigens sind die Mädchen im Sommer als beste Schülerinnen ihrer Jahrgangstufe in der Schule ausgezeichnet wurden! Wir sind ein bisschen stolz darauf, dies unterstützen zu können.
Die Mutter ist zeitweise bettlägerig und bedarf PFLEGE und Medikamente.


Die Frage wegen dem Holz: Holzsammeln ist sehr schwierig, weil dass alle machen! und wenn man kein Fahrzeug besitzt, ist es schwierig, aus den höherliegenden Regionen/Wäldern das bis in den Ort zu holen, vor allen Dingen in den Mengen.
Wir haben auch schon daran gedacht, mal in den Kosovo zu fahren, einfach uns das alles selbst anzuschauen. Die Bundeswehr hat uns aber immer davon abgeraten und ehrlich gesagt, uns fehlt auch ein bisschen Mut. Wenn, dann nur ohne unsere Kinder.

Wir machen uns viele Gedanken, vor allen Dingen. dass dieses Land irgendwie nicht mehr im Fokus dieses reichen Europas steht. Es spricht keiner darüber, die meisten wissen nicht mal, wo Kosovo liegt!

Wie seid ihr eigentlich in die Schweiz/Deutschland gekommen. Jeder von euch hat doch bestimmt seine eigene Geschichte. Unterstützt ihr eure Verwandten/Bekannten? Habt ihr nicht auch Heimweh, trotz der miserablen Zustände?

Und vielleicht noch was: auch wenn wir "Einzelkämpfer" sind, wir vertrauen dieser Familie und wir haben Respekt davor, dass sie ihren Lebensmut noch nicht aufgegeben haben. Zumal sie wissen, wie einfach "warm und satt" es sich in Deutschland leben läßt.
Und es tut auch unseren beiden Kindern gut, sich damit direkt auseinander zusetzen, in dem sie den Mädchen Briefe schreiben und sich über den Alltag austauschen.

Wir können nicht die Situation ändern, aber wir können Mut machen, manchmal reicht es aus, wenn man nur aneinander denkt und zu hört, die Sorgen teilt. Wir sind dafür dankbar, diese Erfahrungen zu machen, auch mit dem Bewusstsein, dass es ein Fass ohne Boden ist.

Liebe Grüße,
die Tina, die leider der albanischen Sprache nicht mächtig ist.....

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Lule
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Mo, 19. Nov 2007, 9:10

Hallo Tina

du schreibst:
Nochmal die Frage: gibt es eine Sozialhilfeleistung, Kindergeld? wenn ja, wie viel?
Wir sind Christen und verstehen unsere Hilfe als selbstverständlich, auch wenn die Familie Muslime sind. Für uns ist das kein Problem.


Zum staatlich Geförderten: Es gibt - soviel ich weiß - eine Pension derer, die in Jugoslawien gearbeitet haben (40€). Kindergeld gibts nicht, soweit ich weiß und Sozialhilfe....glaub ich auch nicht, dann würden ja ganze Dörfer Anspruch haben.

Dein 2. Satz verstimmt mich ein wenig... ich finde, man muss das nicht unbedingt betonen, welche Glaubensausrichtung man hat. Ist doch egal, ob man Muslim, Christ, Sufi, Hindu und sonstwas ist. Hier gehts ja nicht um Glaubenstätigkeit, hier gehts um eine Hilfsaktion für Menschen in Not.
:roll:

T´fala,
Lule
Zuletzt geändert von Lule am Mo, 23. Jun 2008, 8:19, insgesamt 1-mal geändert.
Die Neugier und Vorurteilslosigkeit fördert die interkulturelle Annäherung
Und die Liebe erbaut Brücken

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prizreni1971
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So, 22. Jun 2008, 7:53

Um solche Schicksale zählen anzufangen,würde man viel Zeit in anspruch nehmen müssen. Die Armut galoppiert in Kosova . Besonders hart trifft die Schwächsten der Gesellschaft (Kinderreichefamilien und die Alten).
Ich bin dafür zu helfen,aber möglichst nur Hilfe zur Selbsthilfe,sonst haben wir (ungewollt) einen Abhängigen gemacht,der mit geöffneten Schnabel nach Westen schaut. Das sage ich von der Erfahrung,die ich gemacht habe.
Besuchte jemand und bekam zu hören,dass die Hausherrin nach dem Arztbesuch kein Geld für Medikamente hatte,aber über Schmerzen klagte. Ich zog (spontan) einen "Fuffi" und drückte sie in die Hand. Ratet mal was mit dem Geld zuerst angeschafft wurde - PriPad-Telefonkarte wurde aufgeladen.

Ich bin für Hilfe,aber bitte Sachen (möglichst) selbst kaufen,möglichst kein Bargeld (möchte nicht alle in einem Topf werfen) aber die Wahrscheinlichkeit einem Schmarotzer davon zu machen ist hoch.

Hoffe, wurde ich nicht falsch verstanden!

Übrigens ich habe 3-4 mal selbst (auf eigene Kosten) Hilfsaktionen organisiert,einmal habe von meinem Nettoeikommen 1000 in Bar an 10 Familien mit Weisen verteilt.

Sarah2007
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Fr, 27. Jun 2008, 8:23

Also ich würde die Sendungen mit Fedex oder nem anderen Kurierdienst machen.
Ich selber arbeite bei DHL und ich glaub Luftfracht oder so kommt
echt nicht in Frage weil das einfach zu teuer ist.
Doch die Kurierdienste sind wirklich bezahlbar.

Wie schon gesagt wurde würde ich nicht unbedingt Nahrungsmittel
schicken, denn die gibts dort unten billiger.
Wenn dann schon eher so Hygieneartikel und dergleichen und
eben Geld.

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shqiptare
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Fr, 27. Jun 2008, 20:12

. . . . .
Zuletzt geändert von shqiptare am Mo, 04. Jul 2011, 21:46, insgesamt 1-mal geändert.

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Quix
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Fr, 27. Jun 2008, 22:50

vielleicht hatte der verwandte aus schweden damals halt finanzielle probleme, man weiss ja nie

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melanie
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Re: Hilfe für eine kosovo-albanische Familie

So, 06. Jul 2008, 15:51

tina hat geschrieben:Ein Hallo in die große Runde!
Bin hier zum 1. Mal und ganz überrascht, eine eigene HP mit Menschen zu finden, die den Kosovo noch nicht vergessen haben.
Aber ehrlich, habe auch nie daran gedacht, im www mal danach zu suchen, also bin ich eher zufällig hier gelandet.

Wir leben/arbeiten in Deutschland und haben 1994 eine junge albanische Familie kennengelernt. Sie haben mittlerweile 3 schulpflichtige Mädchen und versuchen seit 8 Jahren wieder in Peja heimisch zu werden. Nach einer Odysee haben wir uns wieder gefunden und seitdem unterstützen wir sie so weit es uns finanziell möglich ist. Hauptproblem ist, die 38jährige Mutter ist schwer krank und nach euren Beschreibungen ist die medizinische Versorgung ja ziemlich schlecht. Der Vater hat ab und an Gelegenheitsjobs, aber sie beleihen eher immer Geld bis wir etwas schicken.
Wir haben auch schon mehrmals die Bundeswehr für unsere private Hilfe gewinnen können, die haben dann im Konvoi Umschläge mit gesammelten Geld oder auch große Mengen an Paketen mit Kleidung, Nahrung, Hygenieartikel und Schulmaterial hingebracht. Wir haben das direkt über die Feldpost nach Darmstadt über DHL liefern lassen und die Bundeswehr hat es dann bis in den Kosovo kostenlos geflogen.
Somit haben wir zumindst ein paar Monate das Leben erträglicher für diese Familie gestalten können.
u.a. war auch ein Karton mit Babybekleidung dabei, für die Schwester der Mutter. Das Baby kam allerdings tot zur Welt, weil kein Geld für den Kaiserschnitt da war und die Dorf bewohner nicht so schnell die gewünschte Summe zusammengesammelt hatte.... Es war ziemlich schockierend, dies miterleben müssen.
Leider hat uns die Bundeswehr nun mitgeteilt, für solche privaten Aktionen
keine finanziellen Möglichkeiten mehr zu haben. (insgesamt waren es 4 Aktionen in 8 Jahren....)
Leider sind die Überweisungen per Western Union zwar sicher, aber sehr teuer und Pakete auf dem Postweg zu schicken trauen wir uns nicht wirklich zu, auch müssten wir Zollgebühren bezahlen, die höher sind, als der Inhalt (Nudeln, Mehl, Vitamine Dosen, Zahnpasta....)
Hat vielleicht jemand eine Idee, wie man jetzt weiterhelfen kann? Die kranke Frau braucht dringend Medikamente und Holz für den bevorstehenden Winter muss auch bezahlt werden.
Gibt es vielleicht auch eine kostengünstige Tel.-Vorwahl in den Kosovo oder vom Kosovo nach Deutschland?
Wir telefonieren ab und zu und die Gespräche sind für die Familie "Lebenserhaltung". Sie sagen immer, sie haben das Gefühl, dass sie vergessen werden in Europa.
Ich würde mich freuen, wenn irgendeiner von euch ein paar ehrliche Tipps geben kann, diese Familie liegt uns sehr am Herzen.
LG aus Thüringen, die Tina



wie wäre es denn mal alles zu sammeln und selber mit dem auto oder flugzeug in den kosovo zu fahren und der familie die sachen persönlich zu geben.wären doch 2 fliegen mit einer klappe geschlagen,oder.ihr könntet dann euch auch selbst ein bild von der jetzigen situation machen.sie würden sich sicherlich freuen.nehmt viel geld mit und kauft holz und alles was die brauchen.finde es schön das du sich um die familie kümmerst.lass es aber nicht überhand nehmen.ach oder bitte doch albaner die immer in den kosovo gehen paar pakete mitzunehmen...........
LEBE DEINE TRÄUME,UND TRÄUME NICHT DEIN LEBEN!

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