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Magnet
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Newborn auf dem Balkan

So, 02. Mär 2008, 11:45

Hallo, ein Albaner aus Mazedonien, Tetovo, hat im St. Galler Tagblatt einen Artikel veröffentlicht. Deswegen möchte ich diesen Artikel hier in der Rubrik "Leben in Westeuropa" posten, weil es mich schon sehr erfreut, dass auch Albaner selber solche Artikel in westliche Tageszeitungen schreiben...

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Newborn auf dem Balkan

Ende und Anfang der Geschichte Kosovos / Von Isuf Sherifi

Bild

In einer Ecke des Balkans, übermüdet, liegt Kosovo (das einstige Dardania). Ein Land, das häufig eine blutige Kampfarena war. Ein Land, in dem die Albaner als Mehrheitsbevölkerung lebten und es dennoch nie selbst verwalteten. Die «Freiheit» von Kosovo war immer importiert und immer behauptet. Jede Stimme, die sich dagegen erhob, wurde verfolgt und zum Schweigen gebracht.

Fünfhundert Jahre Herrschaft des Osmanischen Reichs sind eine lange schwarze Geschichte. Es galt, mit allen Mitteln die Identität zu bewahren. Die Albaner leisteten hundertfach bewaffnet Widerstand, sie endeten in Blut und Asche. Aus diesen Kriegen erstand eine Legende: Skenderbeg (Gjergj Kastrioti 1405–1468). 25 Jahre lang war er die Hoffnung der Albaner, des Vatikans, für Europa und das Christentum. Die Osmanen hatten unter seiner Herrschaft in Albanien nichts zu suchen. Skenderbeg war unschlagbar.
Neu Golgotha

Am Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts «kochte» es überall auf dem Balkan. Das Osmanische Reich zählte seine letzten Atemzüge. Auf dem Balkan wurden Grenzen neu gezogen – mit Blut und Leid. Die Albaner waren die Verlierer. Sie wurden in fünf Staaten zerstreut, gespalten, isoliert. Obwohl Albanien 1912 seine Unabhängigkeit erklärte, ist mehr als die Hälfte des Territoriums unter der Besatzung anderer Staaten geblieben. So wurde es auf der Friedenskonferenz in London 1913 und endgültig auf der Friedenskonferenz von Versailles 1919 beschlossen. Danach ging für die Albaner der Teufel los. Falls diese Geschichten jemals ans Licht kommen, werden es lange schwarze Bücher voller Intrigen, Trauer, Tod und Dunkelheit.

Seither sind über eine Million Albaner auf der Flucht, Hunderte und Tausende ermordet, lebendig verbrannt… In einem Gedicht eines Dichters aus Kosovo, der ein politischer Gefangener war, heisst es ungefähr so: «Oh, du Fremder / wenn dich irgendwann dein Weg / nach Kosovo führt/ und du in deine Hände / eine Handvoll Erde nimmst / erstaune nicht/ wenn du gleichzeitig auch Menschenknochen berührst.»

Die letzten 25 Jahre, besonders die Milosevic-Ära, kann man mit wenigen Worten erklären: Haft. Exil. Exodus. Trennung. Mord. Biblische Flucht. Massengräber. All das musste die weisse Filzkappe erleben und ertragen. Aber nicht alle haben es überlebt. Etwa 12 000 Menschen haben ihr Leben verloren. Es wurde ihnen genommen im Namen des Kriegs, den Milosevic 1989 erklärt hatte.

Jetzt, wo in Kosovo eine neue Epoche beginnt, mögen sich Historiker mit Gründen und Hintergründen des Vergangenen befassen. Jede Epoche braucht neue Ziele. Aufbau, Menschenrechte, Ausbildung, Wohlstand, Zukunft, Freude, Frieden: Daran sollte sich Kosovo jetzt orientieren.
Der grosse Sonntag

Der 17. Februar 2008 war der grösste Tag für Kosovo. Das berichten fast alle albanischen Medien. Das schreiben sogar die Medien der Minderheiten in Kosovo (Roma, Bosniaker oder die mazedonischstämmigen Gorani). Alle freuen sich über diesen Tag.

Trotzdem ist und war es nicht überall so. Besonders an den Grenzen des neuen Staates, wo die meisten Serben leben. Dort wird die Unabhängigkeit nicht als Realität anerkannt. Die Menschen dort richten die Augen nach Belgrad. Die Politiker in Pristina, in Belgrad und Europa haben noch viel zu tun. In Pristina sollte man den Plan von Ahtisaari umsetzen und eine neue Verfassung entwerfen. Belgrad sollte zum realen Leben zurückkehren und sich mit sich selbst beschäftigen.

Die kritischsten Stimmen kommen aus Serbien und auch aus Moskau. Dort spielt man ein Doppelspiel, weil die Russen die Probleme im eigenen Haus mit den Tschetschenen und auch anderen Volksgruppen nicht gelöst haben. Einige Stimmen, die völkerrechtliche Argumente vorbringen, sollten sich vermehrt über das menschliche Wesen in Kosovo Gedanken machen statt über eine «Rechtscharta» – die man Zensur nennen müsste –, die veraltet ist.

Einige Staaten haben Kosovo bereits als unabhängig anerkannt. Am Mittwoch hat sich die Schweiz angeschlossen, am Donnerstag Österreich. Weitere werden folgen. Die Schweiz hat den ersten Schritt schon früher gemacht und war «Champion» im Vergleich mit anderen Ländern. Die Schweiz hat sich wirklich sehr für die Lage in Kosovo engagiert, ihre Aussenpolitik war ernsthaft und zukunftsorientiert. Die Kritiker aus der Schweiz werden das mit der Zeit noch merken.
Das Ende, die Geburt

Der Ahtisaariplan ist wie eine Gesetzgebung für Kosovo konzipiert. Dem Plan haben fast alle westlichen Länder zugestimmt, er ist der Schlüssel für die Stabilisierung der Region. Haxhi Merxha, ein beliebter kosovarischer Romapolitiker, sagte einmal: «In meinem Leben habe ich viele Regierungen erlebt, die gekommen und gegangen sind. Aber was die Roma in Kosovo jetzt als kleine Gruppe für Rechte geniessen, kann ich nirgendwo auf der Welt erleben.»

Kosovo, ein neuer Staat, der eben erst geboren ist, hat den Blick in Richtung anderer Staaten gewendet und wartet auf ausgestreckte Hände. Er wartet auf den Eintritt in die grosse internationale Staatenfamilie. So könnte die Erzählung für Kosovo beginnen. Es ist eine von hundert möglichen Varianten eines Anfangs. Und es ist auch eine der Möglichkeiten, wie die schwarze Erzählung beendet werden könnte, um eine ganz neue zu beginnen: die des neugeborenen Staates.

Früher oder später sollte dieser Staat allen Freude machen. Allen, die verstehen, dass Demokratie und Freiheit Gedanken sind, welche nicht grammweise dosiert verabreicht werden können. Ich wünsche aus der Tiefe meines Herzens, dass der neugeborene Staat Demokratie und Freiheit zu säen und zu bewahren weiss für alle seine Bürger.
In der Diaspora

Die Bürger aus Kosovo, welche in der Schweiz leben, haben den 17. Februar auch gefeiert. Der albanische Pfarrer Marjan Marku hat zusammen mit dem Leiter des albanischen Institutes in St. Gallen, Albert Ramaj, in Wil einen Gottesdienst gefeiert. Auch Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und die St. Galler Regierungspräsidentin Kathrin Hilber waren dabei. Albaner beider Religionen (Christen und Moslems) haben an der Messe teilgenommen und sich bei beiden Frauen für die Unterstützung in der Kosovofrage und für die Integration hier bedankt. Die beiden Frauen haben 17 Rosen als Geschenk bekommen. Sie haben mit Würde gefeiert und niemandem ein schlechtes Gefühl gegeben. Natürlich sollte auch die Freude im Rahmen der normalen «Feierparameter» ausgedrückt sein. Aber jeder hier sollte auch verstehen, dass nach der hundertjährigen Opferzeit die Freude gross ist.

Der neue Staat Kosovo hat für die albanische Diaspora eine grosse Bedeutung, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Sie haben jetzt einen sicheren eigenen Staat. Früher sahen sie ihre Ansprechstellen als Fremde, weil diese Staaten die Albaner immer als Menschen zweiter, dritter oder letzter Klasse betrachteten. Auch für die Integration der Albaner, der Bürger Kosovos in den europäischen Staaten und vor allem in der Schweiz wird mehr erwartet, wenn die Koordinierung der Beziehungen zwischen den Staaten geregelt ist. Davon können beide Seiten profitieren.
Newborn

Die winterliche Kälte am Sonntag, 17. Februar 2008, die in Pristina und überall in Kosovo herrschte, symbolisierte den seelischen und physischen Zustand seit Jahrhunderten. Die Wärme am Dienstag darauf symbolisierte den Untergang eines sibirischen Jahrhunderts, das über Kosovo mit Kälte und Dunkelheit herrschte. Das tonnenschwere Monument (Newborn) der Unabhängigkeit in der Hauptstadt Pristina stellt das dar. Ein alter Mann, der das Monument sah, fragte mit den Augen voller Tränen einen Jungen, was es bedeute. Und der Junge antwortete: «Newborn. It's new born, mein Onkel!»

Quelle
Das Problem der albanischen Emigration ist nicht, dass viele Albaner ihre Heimat verlassen haben, dass Problem der albanischen Emigration ist, dass viele von ihnen ihre Heimat vergessen haben.

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Magnet
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So, 02. Mär 2008, 11:48

Bild

Der Autor ist 1967 in Tetovo (Mazedonien) geboren, er studierte Albanisch in Pristina. Wegen seines Engagements für die Rechte der Albaner wurde er 1989 verhaftet und floh danach in die Schweiz, heute lebt er in Wittenbach. Sherifi hat sieben Lyrikbände auf Albanisch publiziert sowie den zweisprachigen Band «Kuartet Poetik».

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Wörtlich

Liria

I jgjan të përkryerës

Që s'përfytyrohet dot

As pas njëmijë vitesh

I ngjan të përkryerës

Që na don të përsosur

Në rrjedhën e jetës

Do mund të jemi të tillë

Vallë, pas njëmijë vjetësh?

Die Freiheit

Sie gleicht der Vollkommenheit

Die man sich auch in tausend Jahren

Nicht vorstellen kann

Sie gleicht der Vollkommenheit

Die seit Jahr und Tag erhofft

Uns menschenwürdiger zu sehen

Ob wir in tausend Jahren

Vervollkommnungsfähig wären?

Refugjatët

I takon ngado

Në stinën e përhumbjes

Sytë e pashpresë

Shembëllim i vdekjes

E ata gjithkund

Në asgjëkund të vetes

Die Flüchtlinge

Man begegnet ihnen

In einer sich verwirrenden Jahreszeit

Ihre hoffnungslosen Augen

Sind vom Tod begehrt

Sie befinden sich

Im Nirgendwo ihres Selbst

E vërteta

Padyshim je e vetmja dritë

E vetmja e rrallë

Që varesh

Digjesh

Pushkatohesh përditë

E prapë

Mbetesh gjallë

Die Wahrheit

Zweifelsohne bist du das einzige Licht auf der Welt

Das einmalige Einzige

Das man jeden Tag erschiesst

Hängt und verbrennt

Ohne es

Je löschen

Zu können

Isuf Sherifi
Aus: Kuartet Poetik – Ein dichterisches Quartett. Lyrik albanisch- deutsch von Fred Kurer, Mustafë Xhemaili, Ivo Ledergerber und Isuf Sherifi. Übersetzt von Ferdinand Laholli. Verlag Pro Kultura, Pristina 2004.
Das Problem der albanischen Emigration ist nicht, dass viele Albaner ihre Heimat verlassen haben, dass Problem der albanischen Emigration ist, dass viele von ihnen ihre Heimat vergessen haben.

Belifario
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Mo, 03. Mär 2008, 11:41

Danke Magnet,
schön sowas zu lesen! den namen von Isuf Sherifi werde ich nicht so schnell vergessen, echter patriot.

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(AL)OVE
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Mo, 03. Mär 2008, 11:51

danke magnet, hab den artikel schon heute morgen gelesen. hast wohl auch "google allerts" drin :lol:

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Magnet
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Mo, 03. Mär 2008, 11:54

Belifario hat geschrieben:Danke Magnet,
schön sowas zu lesen! den namen von Isuf Sherifi werde ich nicht so schnell vergessen, echter patriot.
Bitte, hab mich schon gewundert, wo die Kommentare bleiben, denn genau solche Threads sollten mehr diskutiert werden hier. Auf jeden Fall kenn ich Usuf Sherifi nicht persönlich, aber ein richtiger Patriot ist er bestimmt, ein Patriot mit Herz und Verstand...
(AL)OVE hat geschrieben:danke magnet, hab den artikel schon heute morgen gelesen. hast wohl auch "google allerts" drin Laughing
hehe, ja, es gibt kaum einen wichtigen Artikel den ich verpasse :wink:
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albacina
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Mo, 03. Mär 2008, 12:47

was für ein Text!!
We were here when the time began
We will be there after it ends
We, Illyrians

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shaker
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Mo, 03. Mär 2008, 13:46

kommentare bei so einem text sind überflüssig...

wenn beim lesen tränen kommen sagt das mehr als worte...

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Bandita
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Mo, 03. Mär 2008, 14:37

Wirklich ein sehr schöner Text!!
"Ich weiß, dass ich nichts weiß"

Genci85
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Mo, 03. Mär 2008, 14:49

bei allem Respekt, ich finde den Text nicht sehr gut, eher mässig.
Das ist mein Eindruck.
Shqiptaret e bojën mas miri!!

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Bandita
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Mo, 03. Mär 2008, 14:55

Genci85 hat geschrieben:bei allem Respekt, ich finde den Text nicht sehr gut, eher mässig.
Das ist mein Eindruck.
Ja jeder hat einen anderen Eindruck, ich denke das auch jeder seine persönlichen Erfahrungen und Gedanken da mit reinfließen lässt und der Text aus dem Grund in einem anderen Licht erscheint!
Aber es ist auch der Autor und dessen Herkunft was dazu beiträgt!
"Ich weiß, dass ich nichts weiß"

Genci85
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Mo, 03. Mär 2008, 15:03

Bandita hat geschrieben:
Genci85 hat geschrieben:bei allem Respekt, ich finde den Text nicht sehr gut, eher mässig.
Das ist mein Eindruck.
Ja jeder hat einen anderen Eindruck, ich denke das auch jeder seine persönlichen Erfahrungen und Gedanken da mit reinfließen lässt und der Text aus dem Grund in einem anderen Licht erscheint!
Aber es ist auch der Autor und dessen Herkunft was dazu beiträgt!
Mag sein, ist halt wie mit Paulo Coelho, die einen mögen Esoterik ander nicht. Ich empfinde den Text als kitschig und künstlich. Als ich am 17. in Zürich war, sah ich etwas, das solche Kraft hatte, dass es mich schier umgehauen hat. Der Autor hat versucht diesen Tag in Worten zufassen, aber ist in meinen Augen an dieser Aufgabe gescheitert.
Shqiptaret e bojën mas miri!!

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Bandita
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Mo, 03. Mär 2008, 15:07

Weiss du was genci85
dann schreib doch einen kleinen text
wie du diesen tag empfunden hast!
"Ich weiß, dass ich nichts weiß"

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Magnet
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Mo, 03. Mär 2008, 15:17

Genci85 hat geschrieben:
Bandita hat geschrieben:
Genci85 hat geschrieben:bei allem Respekt, ich finde den Text nicht sehr gut, eher mässig.
Das ist mein Eindruck.
Ja jeder hat einen anderen Eindruck, ich denke das auch jeder seine persönlichen Erfahrungen und Gedanken da mit reinfließen lässt und der Text aus dem Grund in einem anderen Licht erscheint!
Aber es ist auch der Autor und dessen Herkunft was dazu beiträgt!
Mag sein, ist halt wie mit Paulo Coelho, die einen mögen Esoterik ander nicht. Ich empfinde den Text als kitschig und künstlich. Als ich am 17. in Zürich war, sah ich etwas, das solche Kraft hatte, dass es mich schier umgehauen hat. Der Autor hat versucht diesen Tag in Worten zufassen, aber ist in meinen Augen an dieser Aufgabe gescheitert.
Ich finde ganz und gar nicht, dass er mit dieser "Aufgabe" gescheitert ist. Dieser bewundernswerte Mensch hat eigentlich nichts anderes gemacht, als seine eigenen Gefühle und Gedanke in Worte zu fassen, man kann daran vielleicht kritisieren, dass sein Schreibstil einem nicht so gefällt oder an sonstigen oberflächlichen Mängel Kritik üben, aber man kann ihn nicht für seine freien Gedanken und Gefühle verurteilen, denn solche Menschen haben für unsere Unabhängigkeit gekämpft, in diesem speziellen Fall sind solche Menschen für diese Unabhängigkeit auch hinter Gitter gelandet. Dieser Mensch gehört nicht zu den Leuten, die gar nichts für diese Unabhängigkeit geleistet haben, aber dennoch gefeiert haben, als wäre es alleine Ihr Verdienst.

Man muss auch anmerken, dass er diesen Artikel auf albanisch geschrieben hat und aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass ein Text von albanisch auf deutsch am Schluss viel oberflächlicher rüberkommt, als wenn man es auf albanisch liest...

Ich respektiere deine Meinung, wenn dir dieser Text nicht gefällt, aber zu sagen, der Text sei "kitischig und künstlich" ist einfach unwahr, da dieser Herr das eben live miterlebt hat und es nicht einfach nur leere Worhülsen sind...

Ich habe nichts gegen konstruktive Kritik, aber dann bitte auch so, dass man es nachvollziehen kann...

Grundsätzlich sollten wir Albaner schon früh darüber sein, dass wir ausnahmsweise nicht als Kriminelle oder Schläger in der Zeitung präsent sind, sondern dass unsere eigene Leute zu Worte kommen. Das ist nicht selbstverständlich...
Das Problem der albanischen Emigration ist nicht, dass viele Albaner ihre Heimat verlassen haben, dass Problem der albanischen Emigration ist, dass viele von ihnen ihre Heimat vergessen haben.

Genci85
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Mo, 03. Mär 2008, 15:27

Magnet hat geschrieben:
Genci85 hat geschrieben:
Bandita hat geschrieben:
Genci85 hat geschrieben:bei allem Respekt, ich finde den Text nicht sehr gut, eher mässig.
Das ist mein Eindruck.
Ja jeder hat einen anderen Eindruck, ich denke das auch jeder seine persönlichen Erfahrungen und Gedanken da mit reinfließen lässt und der Text aus dem Grund in einem anderen Licht erscheint!
Aber es ist auch der Autor und dessen Herkunft was dazu beiträgt!
Mag sein, ist halt wie mit Paulo Coelho, die einen mögen Esoterik ander nicht. Ich empfinde den Text als kitschig und künstlich. Als ich am 17. in Zürich war, sah ich etwas, das solche Kraft hatte, dass es mich schier umgehauen hat. Der Autor hat versucht diesen Tag in Worten zufassen, aber ist in meinen Augen an dieser Aufgabe gescheitert.
Ich finde ganz und gar nicht, dass er mit dieser "Aufgabe" gescheitert ist. Dieser bewundernswerte Mensch hat eigentlich nichts anderes gemacht, als seine eigenen Gefühle und Gedanke in Worte zu fassen, man kann daran vielleicht kritisieren, dass sein Schreibstil einem nicht so gefällt oder an sonstigen oberflächlichen Mängel Kritik üben, aber man kann ihn nicht für seine freien Gedanken und Gefühle verurteilen, denn solche Menschen haben für unsere Unabhängigkeit gekämpft, in diesem speziellen Fall sind solche Menschen für diese Unabhängigkeit auch hinter Gitter gelandet. Dieser Mensch gehört nicht zu den Leuten, die gar nichts für diese Unabhängigkeit geleistet haben, aber dennoch gefeiert haben, als wäre es alleine Ihr Verdienst.

Man muss auch anmerken, dass er diesen Artikel auf albanisch geschrieben hat und aus persönlicher Erfahrung weiss ich, dass ein Text von albanisch auf deutsch am Schluss viel oberflächlicher rüberkommt, als wenn man es auf albanisch liest...

Ich respektiere deine Meinung, wenn dir dieser Text nicht gefällt, aber zu sagen, der Text sei "kitischig und künstlich" ist einfach unwahr, da dieser Herr das eben live miterlebt hat und es nicht einfach nur leere Worhülsen sind...

Ich habe nichts gegen konstruktive Kritik, aber dann bitte auch so, dass man es nachvollziehen kann...

Grundsätzlich sollten wir Albaner schon früh darüber sein, dass wir ausnahmsweise nicht als Kriminelle oder Schläger in der Zeitung präsent sind, sondern dass unsere eigene Leute zu Worte kommen. Das ist nicht selbstverständlich...
Magnet, deine Kritik ist berechtigt. Ich habe den Autor nicht als Person kritisiert, ich kenne ihn nicht, also wieso sollte ich.
Der Text hat mir persönlich nicht gefallen. Es fehlt in meinen Augen der Pep, ich empfinde ihn als langweilig. Aber mag sein das er auf Albanische besser rüber kommt.

Gruss Genci
Shqiptaret e bojën mas miri!!

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Bandita
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Mo, 03. Mär 2008, 15:28

@genci85

und haste über meinen Vorschlag schon nachgedacht... :lol:
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Miss Kosovarja
Danke für die vielen Übersetzungen
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Mo, 03. Mär 2008, 15:29

Selten vermag es ein Text mir mit jedem neuen Abschnitt immer auch einen erneuten Schauer über den Rücken zu jagen. Ein gelungenes Werk, auf das wir als Albaner stolz sein können.

Isuf Sherifi ist ein großer Dichter unter uns Albanern. Nachdem ich den Text las, fragte ich meinen Vater ob er einen Poeten namens Isuf - und bevor ich Zeit hatte den Nachnamen auszusprechen, beendete mein Vater meine Frage mit "Sherifi aus der Schweiz?". Er hat bereits viel geschrieben, vieles davon ist sehr lobenswert.
Zuletzt geändert von Miss Kosovarja am Mo, 03. Mär 2008, 15:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Genci85
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Mo, 03. Mär 2008, 15:32

Bandita hat geschrieben:@genci85

und haste über meinen Vorschlag schon nachgedacht... :lol:
Ich werde heute Abend einen schreiben und in dir per pn schicken. ;-)
Shqiptaret e bojën mas miri!!

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Bandita
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Mo, 03. Mär 2008, 15:34

Merci :wink:
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Visarja
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Mo, 03. Mär 2008, 19:51

Genci85 hat geschrieben:bei allem Respekt, ich finde den Text nicht sehr gut, eher mässig.
Das ist mein Eindruck.
wow wow wow ich bin beinahe vom Stuhl gefallen als ich diesen Text gelesen habe, weil ich einen Artikel über Kosova seiner Geschichte, Gegenwart und Zukunftsperspektive geschrieben habe, der diesem unheimlich ähnelt. :shock:

Nur das der Titel meines Artikels wie folgt heißt:

Newborn - ein neuer Staat im Herzen Balkans -

Die Geschichte, Gegenwart und Zukunftsperspektive eines Volkes das durch jahrhundertlanges Leiden endlich Unabhängigkeit erklärt hat.



Der Artikel von Isuf Sherifi, der mir leider bis zum heutigen Tage unbekannt war, ist einfach genial, sehr strategisch, emotional, informativ einfach toll. :)

Was mir besonders gefällt ist, dass er wie ich erst ein bisschen die Geschichte des albanischen Volkes angeführt hat, dann den langen leidvollen Weg sowie den Widerstand und das bewahren der albanischen Identität des albanischen Volkes. Dann die Gegenwart (Unabhängigkeitserklärung usw.) und anschließend die Zukunftsperspektive des Kosovas.

Besonders Ausdrucksstark finde ich die angeführten Zitate wie z.B. des politischen Gefangenen oder des älteren Mannes der vor dem Monument "Newborn" steht. Solche Anführungen sprechen jeden Leser persönlich an und stellen Nachvollziehbar die Situation im Kosova. Sie lassen einen Leser tiefgründiger nachforschen.

Auch die angewandte Metapher sehr emotional und schön Vergangenheit und Gegenwart miteinander fließen lassen.

Also alles in einem sehr interessant zu lesen, sehr informativ vor allem für Außenstehende.

toller Artikel!!!! :wink:

lg.

PS : Genci85 Du solltest denn Artikel echt noch einmal lesen, dann wirst glaube ich eher verstehen, warum wir hin und weg sind. Ließ ihn dir nicht nur runter sondern versetzte dich in jeder geschriebenen Situation :wink:
Është bërë bota si laraska krijon fytyra me dy maska një dje, tjetër sot, nesër duket si robot...

Die Augen sind das Fenster zur Seele. ;-)

Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt!!!

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Mo, 03. Mär 2008, 20:48

Genci85 hat geschrieben:bei allem Respekt, ich finde den Text nicht sehr gut, eher mässig.
Das ist mein Eindruck.
Ich denke, du willst provozieren ^^

Mir gefällt der Text sehr gut. Habe es ausgedruckt und in der Klasse verteilt.

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