Stadttor Elbasan - Reisen in Albanien
Tor in der Stadtmauer von Elbasan

Die ehemalige Industriestadt Elbasan wird von Durchreisenden oft links liegengelassen. Dabei verfügt die Stadt über eine lange Geschichteund entsprechend auch über ein grosses historisches Erbe. In den letzten Jahren hat Elbasan viel an Lebensqualität gewonnen – ein Aufenthalt für eine Nacht oder so ist durchaus gerechtfertigt. Als Austragungsort von internationalen Fussballspielen haben jetzt auch Fussballfans einen Grund, die Stadt zu besuchen.

Lage von Elbasan

Stahlwerk »Stahl der Partei« westlich von Elbasan
Stahlwerk »Stahl der Partei« westlich von Elbasan

Elbasan liegt in Mittelalbanien am flachen Nordufer des Shkumbin-Flusses, der eine wichtige Verbindung von Albaniens Küste zum Inneren des Balkans darstellt. Noch heute ist die Stadt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Von der Küstenebene wird die Stadt nur durch die niedrigen Hügel der Dumreja getrennt. Die kleine Ebene von Elbasan ist eine Art Kessel, im Norden, Osten und Süden vom Gebirge umgeben, die schöne Ausflugsziele bieten. Jenseits der Krraba-Berge im Norden liegt die Hauptstadt Tirana.

Westlich von Elbasan dominiert das gigantische Stahlwerk »Stahl der Partei«, das während des Kommunismus die halbe Stadt beschäftigte, aber mit seinen Abgasen grauenhaft die Umgebung verpestete. Heute sind die Fabrikanlagen zwar noch zu sehen, der Betrieb ist aber mehrheitlich eingestellt und die unerträgliche Umweltverschmutzung gehört der Vergangenheit an.

Stadtbesichtigung

Boulevard, Hauptstrasse und Glockenturm
Boulevard, Stadtmauer und Glockenturm

Ausgangspunkt für die Stadtbesichtigung ist der Boulevard im Herzen der Stadt an der südlichen Stadtmauer und der Hauptplatz beim hohen Hotel. Von dieser zentralen Lage aus kann man gut die Altstadt innerhalb der Festung und die Sehenswürdigkeiten im südlich angrenzenden Stadtzentrum erkunden. Und hier wurde auch mal in einem Pavillon eine Touristeninformation eingerichtet, die vielleicht zwischenzeitlich auch ab und zu geöffnet ist.

Die Festung erkundet man am besten vom Boulevard aus durch das Tor in der Stadtmauer. Nach der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt bleibt allenfalls noch Zeit, um im grünen Umland etwas Natur zu geniessen und weitere Orte zu besichtigen.

Festung

Uhrturm
Uhrturm

Die rechtwinklige Festung von Elbasan geht auf eine römische Anlage zurück. Das Kastell an der »Via Egnatia« stammt wohl aus dem 4. Jahrhundert, wurde im 6. Jahrhundert unter Kaiser Justinian erneuert und im 15. Jahrhundert durch die Osmanen wiederhergestellt. Der Südteil der Mauer mit Türmen ist noch gut erhalten, die Haupttore im Westen und Osten sowie der Nordteil wurden im 19. Jahrhundert eingerissen und sind heute kaum noch erkennbar.

Das Bodenniveau lag zur römischen Zeit rund vier Meter tiefer, was den Mauern eine ganz andere Grösse verleiht. Gut sichtbar ist das auf der Innenseite des Südwestturms, der durch eine kleine Tür besichtigt werden kann, die auch zu römischen Ausgrabungen führt. Wo früher das archäologische Museum der Stadt war, findet sich heute das Restaurant »Real Scampis« (siehe Bild unten). Die Funde sind zum Teil unter der Terrasse des Cafés, ein paar weitere hinter dem Hauptgebäude. Die untersten Mauernteile sind aus römischer Zeit, das darüber meist später erneuert worden.

An der Südseite der Mauer liegt der Uhrturm von 1899. Betritt man die Festung durch das Tor auf der Südseite, erkennt man gleich, dass die Anlage – wie andere Burganlangen in Albanien – bewohnt ist. Vielleicht wäre Stadtmauer hier besser angebracht als Festungsmauer, wurde die Anlage wohl schon zur römischen Zeit auch zivil genutzt.

Königsmoschee
Königsmoschee

Der Weg teilt sich gleich hinterm Tor. Die Gasse links führt direkter zu den Sehenswürdigkeiten, aber es lohnt sich so oder so, die Strässchen der Altstadt etwas weitläufiger zu erkunden.

Die grösste Sehenswürdigkeit ist rund 100 Meter vom Tor entfernt und gut am Minarett zu erkennen: Die Königsmoschee wird auf das Jahr 1492 datiert. Damit zählt sie zu den ältesten erhaltenen Moscheen des Landes. Als Kulturdenkmal überstand sie die kommunistische Zeit, aber vieles – wie das Minarett – wurde abgerissen oder verändert. Die Restauration vor ein paar Jahren hat auch nicht viel vom historischen Charakter bestehen lassen. Die Königsmoschee galt als grösste und wichtigste der Stadt. Man betritt sie – nicht vergessen: Schuhe abziehen! – durch eine Vorhalle, die von einer Holzveranda bedeckt wird. Der recht niedrige Hauptraum ist rund 14 Meter lang. Ein Brunnen im Hof dient der rituellen Waschung vor dem Gebet.

Folgt man der Hauptgasse etwas weiter nach Norden weiter, trifft man auf die von West nach Ost verlaufende zentrale Achse der Festung – die historische Via Egnatia. Sie querend, führt die Gasse noch rund 150 Meter weiter bis zum nördlichen Ende der Anlage.

Marienkirche
Marienkirche

Hier trifft man auf die Marienkirche. Die versteckte Kathedrale ist dank der hohen Papeln an ihrer Nordseite leicht zu finden. Das Gebäude steht nicht direkt an der Strasse, sondern ist durch einen Hof zu erreichen. Die Kirche wurde 1833 erbaut und ist somit nicht besonders alt – sehr reich ausgeschmückt ist aber die Ikonostase im Inneren: vergoldete Holzschnitzereien und Original-Ikonen.

Auf der anderen Seite der Gasse rund 50 Meter weiter liegt das Aleksandër-Xhuvani-Museum. Hier stellen verschiedene lokale Künstler ihre Werke aus. Nach Xhuvani, einem Pädagogen, der sich um die Vereinheitlichung der albanischen Sprache bemüht hatte, ist auch die Universität von Elbasan benannt, die sich im Osten der Stadt befindet.

Zum Abschluss der Besichtigung lohnt es sich, die römischen Ausgrabungen und das Restaurant »Real Scampis« im Südwesten der Festung aufzusuchen, wo man sich in der Grünanlage gut etwas ausruhen kann.

Weitere Sehenswürdigkeiten

Hamam von Elbasan, Albanien
Hamam von Elbasan

Gleich ausserhalb der Mauer beim Platz am Südwestturm (südlich) liegt neben dem grossen Hotel aus kommunistischer Zeit der osmanische Hamam. Der schöne Bau des historischen türkischen Dampfbads dient heute leider als Kaffeebar. Gewisse Räume können somit problemlos besichtigt werden, andere sind nur zu sehen, wenn das Personal einen führt. Der schöne alte Bau, einer der wenigen erhaltenen – und vor allem zugänglichen – Bäder aus osmansicher Zeit in Albanien, hätte sicherlich eine bessere Behandlung (Nutzung) verdient.

Der breite Boulevard auf der Südseite der Mauer führt an diversen Denkmälern und dem Stadttheater vorbei direkt bis zum 2014 eröffneten Fussballstadion (»Elbasan Arena«), wo immer wieder Länderspiele der albanischen Fussballnationalmannschaft und internationale Spiele albanischer Vereine ausgetragen werden.

Ausgrabungen einer frühchristlichen Basilika im Stadtzentrum
Ausgrabungen der frühchristlichen Basilika

Hinterm Hotel auf der Südseite des Boulevards liegt eine hübsche Parkanlage. Hier erhebt sich eine als Naturdenkmal geschützte Platane, neben der ein hübscher Brunnen aus osmanischer Zeit steht. Im angrenzenden »Loch« finden sich Ausgrabungen: Es handelt sich um eine Bischofskirche aus dem 4. Jahrhundert mit wertvollen Mosaiken und Fresken, »Bezistan-Kirche« genannt.

Beim Spaziergang durch den kleinen Park trifft man auf ein altes osmanisches Wohnhaus. Hier ist das Ethnographische Museum untergebracht, das eine Ausstellung zu traditionellem lokalen Handwerk und Volkstrachten zeigt.

Eine weitere grosse Parkanlage befindet sich im Osten der Stadt gleich nördlich vom Fussballstadion. Der Rinia-Park ist Treffpunkt am Abend. Ein paar Restaurants bieten eine gute Möglichkeit, sich im Grünen zu erholen.

Naziresha-Moschee vor der Restauration
Naziresha-Moschee vor der Restauration

Wer noch über etwas Energie verfügt, kann auch noch die zweite erhaltene Moschee der Stadt aus osamanischer Zeit besichtigen und so etwas mehr vom modernen Elbasan erleben. Der Weg zur Naziresha-Moschee führt vom Museum der Hauptstrasse entlang nach Süden bis zur Umfahrungsstrasse und Eisenbahn, denen man noch rund 400 Meter nach Osten folgen muss. Die Moschee stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der für Albanien typische Kuppelbau war stark zerfallen, wurde aber kürzlich renoviert.

Umgebung von Elbasan

»Mutatio ad quintum«

Römische Ausgrabungen »Ad quintum« bei Elbasan
Römische Etappenstation »Ad quintum« an der Via Egnatia

Die Strasse durchs Shkumbintal war schon in der Antike ein wichtiger Verkehrsweg. Ein paar Kilometer westlich von Elbasan befand sich die Pferdewechselstation »ad quintum« aus römischer Zeit. Zu sehen sind eine grosse Terrasse und die Reste einer Badeanlage. Die Ausgrabungsstätte in Nachbarschaft zu Wohnhäusern und Industrieanlage und öfters mal von dichtem Gestrüpp überwachsen ist nicht sehr pompös, aber historisch durchaus wertvoll. Der Kontrast mit der heutigen Zivilisation unterstreich dafür die Bedeutung, die dieser Etappenort für die Reisenden in römischer Zeit hatte, die hier Verpflegung, ein Bad und frische Pferde vorfanden.

Die Ausgrabungen liegen nicht weit von der Strasse nach Durrës rund acht Kilometer westlich der Innnenstadt auf der Höhe der Industrieruine »Stahl der Partei« am Hangfuss. Die Schnellstrasse nach der Brücke über die Eisenbahn gleich rechts verlassen und keine 100 Meter zurückfahren, zu Fuss wenige Meter ein Strässchen den Berg hoch und den Bach überqueren.
Eine zweite Anfahrt zweigt von der Strasse nach Tirana gleich nördlich der Eisenbahnunterführung zwischen Autobahnende (Bradashesh) und Stahlwerk nach Westen ab. Dieser Strasse folgt man anderthalb Kilometer bis zur Autobahnbrücke über die Eisenbahn, wo das Strässchen den Berg hoch abgeht.

Kloster Gjon Vlardimir, Shijon

Kloster Gjon Vlardimir, Shijon
Kloster Gjon Vlardimir, Shijon

Diese hübsch gelegene orthodoxe Kirche aus dem Jahr 1381 ist durchaus den kurzen Abstecher wert. Der einfache Kirchenbau wurde vom Fürsten Karl Topia errichtet. Im 18. Jahrhundert kamen Wandbemalungen hinzu. Die Kirche liegt inmitten einer schönen Parkanlage. Anfangs Juni wird ein grosses Fest gefeiert.

Beim Kreisverkehr am Autobahnende in Bradashesh geht es zuerst auf der alten Passstrasse über den Krraba-Pass (800 Meter) nach Norden. Man folgt ihr bis zur ersten Haarnadelkurve. Die dort rechts abgehende kleine Strasse führt nach 700 Metern direkt zur Klosteranlage.

Niklauskirche, Shelcan

Fresken der Niklauskirche von Shelcan

Eine der grössten Sehenswürdigkeiten der Region ist die alte Kirche im Dorf Shelcan südöstlich von Elbasan. Die Niklauskirche, ein einfacher, bescheidener Bau, stammt ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert. Um 1554 wurde sie im Innern vom berühmten Maler Onufri aus Berat bemalt. Die Fresken an allen vier Wänden sind in hervorragendem Zustand und erstrahlen in grosser Farbenpracht.

Das Dorf liegt hübsch gelegen in den Bergen – man hat eine gute Aussicht zurück auf Elbasan und Umgebung. An der Umfahrungsstrasse von Elbasan nach Süden abzweigen und den Fluss überqueren. Gleich nach der Brücke nach links abbiegen und der Strasse während neun Kilometern folgen. Nach dem Ortsschild von Shelcan weiterfahren – die Streusiedlung hat mehrere Ortsteile. Nach zwei Kilometern geht es gleich nach einer Linkskurve links zum Dorfteil mit der Kirche ab. Am besten bei der Kreuzung parken und die 300 Meter den Berg bis zur Kirche hoch zu Fuss zurücklegen. Die Nachbarin gleich hinter der Kirche hat den Schlüssel.

Gjinar

Zwölf Kilometer weiter respektive 21 Kilometer entfernt von Elbasan liegt das Dorf Gjinar. Wer hierher fährt, sucht die Natur. Auf rund 900 Metern Höhe gelegen, wird Gjinar von ausgedehnten Wäldern umgeben. Es gibt hier mehrere Restaurants, die lokale Spezialitäten und Produkte anbieten. Man kann eine tolle Aussicht geniessen – bei gutem Wetter geht der Blick bis zum Meer.

Llixhat

Thermalbad Llixhat
Thermalbad Llixhat

Albanische Thermalbäder sind noch weit entfernt von dem, was wir uns unter Wellness vorstellen. Umso mehr werden sie vielleicht zum Erlebnis: Gebadet wird in Badewannen oder Becken draussen in der Natur. Man sollte nur kurz ins Wasser: jeweils für ein paar Minuten. Die Kurgäste werden beim Bad durch medizinisches Personal beaufsichtigt. Die fast ausnahmslos alten Gäste bleiben meist mehrere Wochen und nehmen täglich ein oder auch mehrere Kurbäder.

In Llixhat südlich von Elbasan kommt schwefelhaltiges Mineralwasser aus dem Boden. Es verspricht Linderung von diversen Gebrechen. Ein erstes Kurhotel stand hier schon in den 1930er Jahren. Heute bieten zahlreiche Hotels ihre Dienste an, die meist Thermalwasser in Badewannen auf dem eigenen Gelände führen. Wer sich kein Hotel leisten kann, steigt auch schon mal im Freien in eine mit warmen Wasser gefüllte Grube im Boden.

Eine kleine Parkanlage und ein kleiner Markt dienen den Gästen neben Cafés zur Zeitverstreuung.

Llixhat ist rund zehn Kilometer von Elbasan entfernt. An der Umfahrungsstrasse nach Süden abzweigen und den Fluss überqueren. Auf der Südseite des Shkumbins in Richtung Cërrik (Westen) fahren und nach rund fünf bis sechs Kilometern links abbiegen. Nach rund zweieinhalb Kilometern bei einem der ersten Hotels links ins Tal hinein abzweigen – einfach immer der Nase nach: Der Schwefel macht sich wohl schon bemerkbar.

Bergland von Gramsh

Folgt man der Strasse weiter nach Cërrik, anstatt nach Llixhat abzubiegen, erreicht man bald dieses kleine Städtchen, das in den 1950er Jahren als kommunistische Idealstadt gegründet worden ist – Industrie gut getrennt von den Wohnvierteln. Gegen Süden kommt man dann bald ins Bergland rund um Gramsh, das immer wieder interessante Natur bietet. Der neue Banja-Stausee, erst vor wenigen Jahren aufgestaut, bietet schon einen hübschen Auftakt.

Strasse nach Südostalbanien: Devol-Tal südöstlich von Gramsh
Strasse durchs Devoll-Tal nach Südostalbanien

Die Strasse zieht sich – oft schmal und in vielen Kurven – dem Devoll entlang bis nach Maliq in der Ebene von Korça – kein Zeitgewinn, aber eine interessante Route in den Südosten durch einsames Bergland, wo aber in den letzten Jahren mehrere Wasserkraftwerke gebaut wurden.

Ein gutes Stück östlich vom Banja-Stausee liegt die Schlucht »Kanioni i Holtës«. Mutige waten durch den engen und tiefen Einschnitt, der zum Teil nur ein paar Meter breit ist, weit hinein in den Berg. Erreichbar ist die abgeschiedenen Ecke von einer Abzweigung gleich nördlich der zweiten Brücke über den Stausee über mehrheitlich asphaltierte Strasse.

Das Landstädtchen Gramsh bietet wenig. Südlich davon werden die Berge eindrücklicher und höher. Der Sotira-Wasserfall liegt südlich gegen den Berg Tomorr. Es handelt sich um einen der mächtigsten Wasserfälle Albaniens. Er ist nur zu Fuss zu erreichen – eine hübsche Wanderung in abgeschiedener Bergregion. Die Zufahrt ist hingegen schlecht (bei Gramsh über den Devoll und dann auf schlechter Strasse südwärts ins Tal des Tomorrica hinein, ab dem Dorf Sotira in südwestlicher Richtung in die Berge bis zum Strassenende).

Eine weitere Besonderheit ist die Schlucht »Kanioni i Kopacit« unterhalb des Dorfes Grabova e sipërme, wo es auch einfache Unterkünfte gibt. Die Schlucht spaltet einen Berg in zwei Hälften, die Umgebung bietet Möglichkeiten zum Wandern bis zum Berg Valamara (2373 m) hoch. Das Bergdorf südöstlich von Gramsh ist nur auf schlechter, unasphaltierter Strasse zu erreichen, 22 Kilometer ab Kodovjat (Abzweigung südlich der Brücke).

Auch die Bergregion um Gramsh südlich von Elbasan bietet noch interessante Sehenswürdigkeiten wie die Schlucht »Kanioni i Holtës« ( erreichbar) oder der Sotira-Wasserfall (schlechte Zufahrt und mit einer Wanderung verbunden).

Kamara-Bogenbrücke

Osmanische Brücke in Kamara, Albanien
Kamara-Brücke

Diese hübsche osmanische Brücke wird zwar selten als Ausflugsziel gewählt, lohnt sich aber für eine kurze Besichtigung, wenn man durchs Shkumbin-Tal von Elbasan nach Osten reist. Von Elbasan bis zum Dorf Miraka nörlidch der Brücke sind es rund 16 Kilometer.

Die gut erhaltene Brücke liegt hübsch im Tal zwischen den Bergen und ist mit einem kleinen Spaziergang gut zu erreichen. Sie führte die alte türkische Handelsroute über den Shkumbin, der sich weiter oben und weiter unten enge Schluchten durchs Gebirge gegraben hat.

Die Brücke kann schon von der Strasse aus gesehen werden. Am besten hält man im Dorf direkt beim Café. Ein unasphaltiertes Strässchen führt den Hang hinunter, tendenziell eher etwas links halten. Nach den Eisenbahngleisen ist es dann nur noch ein einfacher Pfad, der an den letzten Häusern vorbei zum Fluss hinunter führt. Zwischen ein paar Bäumen hindurch führt dieser direkt zur Brücke.

Via Egnatia

römische Strasse Via Egnatia in Albanien
Historisches Strassenstück der Via Egnatia in den Polis-Bergen

Neben der oben erwähnten Pferdewechselstation »Mutatio ad quintum« gibt es noch einige weitere Reste der Römerstrasse Via Egnatia rund um Elbasan.

Im Westen bei Peqin ist ein kurzes Stück der alten Strasse erhalten. Unweit davon stösst man auf eine alte Brücke, die vielleicht römisch ist.

Südwestlich von Elbasan, rund zweieinhalb Kilometer von der Brücke über dem Shkumbin entfernt, liegen die Reste der »Topçias-Brücke«. Die Römerbrücke, von der noch ein paar Pfeilerreste im Flussbett zu erkennen sind, führte in fünf Bögen über den Fluss. Als mit der Zeit das Flussbett immer breiter wurde, musste die Brücke auf 450 Meter verlängert werden. Auch östlich von Elbasan gibt es noch Reste von Brücken.

Längere Stücke der alten Strasse sind hoch über der Shkumbin-Schlucht im Gebiet von Librazhd erhalten. Hier kann man wirklich noch wie die Römer auf altem Pflaster durch unberührte Natur wandern. Ab Miraka (Autobrücke nach Polis/Gostima, ca. 15 km ab Elbasan-Zentrum) führt ein ausgeschilderter Wanderweg durch die Polis-Berge zum Dorf Dardha und von dort weiter nach Qukës. Diese beiden Tageswanderungen durch einsame Berglandschaft und abgelegene Dörfer ist Teil einer längeren Fernwanderstrecke, die Durrës mit der nordmazedonischen Grenze beim Ohridsee verbindet. Von Miraka führt die Route zuerst steil den Berg hoch zu einem ersten langen Strassenstück aus römischer Zeit. Man ist hier hoch über dem Shkumbin-Tal unterwegs – zwischendurch auch auf schmalem Pfad. Später erreicht man südwestlich von Librazhd am Berg wieder bewohntes Gebiet: Der Weg führt mal breiter, mal schmaler durch die Dörfer und ab Dardha auch allmählich wieder hinunter ins Tal.

Für Fussgänger und andere Interessierte an der alten Strassenverbindung bietet der Wanderführer »Via Egnatia on Foot« gute Orientierung.

Selca e Poshtme & Südostalbanien

Ein etwas weiterer Ausflug nach Osten führt zu den bedeutenden illyrischen Königsgräbern bei Selca e Poshtme im oberen Shkumbintal. Für Details siehe den Artikel über Pogradec.

Auch bis zum Ohridsee und nach Korça kann man problemlos Tagesausflüge von Elbasan aus machen.

Dumreja & Mittelalbanien

See in der Dumreja, Mittelalbanien
See in der Dumreja

Die nahe gelegene, hübsche Hügelregion der Dumreja mit zahlreichen Seen kann gut von Elbasan aus erkundet werden. Die Strasse führt westwärts über Cërrik nach Belsh, eine Kleinstadt mit mehreren Restaurants direkt am Seeufer. Für Details siehe den Artikel über Mittelalbanien.

Aufgrund der zentralen Lage von Elbasan sind von hier aus natürlich auch weitere Ausflüge nach Südalbanien möglich, so zur Küste bel Vlora oder nach Berat.

Verkehr

Anreise

  • Auto – Ein neuer Tunnel verbindet seit ein paar Jahren Tirana und Elbasan. Die Autobahn zwischen den beiden Städten und der Tunnel verkürzen die Fahrzeit auf weniger als 45 Minuten, da man nicht mehr über den fast 1000 Meter hohen Krraba-Pass fahren muss. Wer viel Zeit hat, kann noch immer die alte Passtrasse nehmen, die sich steil und schmal durch die hübsche Bergwelt windet.
    In gutem Zustand ist auch der »Korridor VIII«, die Strasse von Durrës über Elbasan nach Nordmazedonien und Pogradec.
    Beim Dorf Bradashesh etwas westlich endet die Autobahn von Tirana. Die Strecke mündet dann in den »Korridor VIII«. Dieser umfährt die Innenstadt südlich – wer von Westen oder Osten kommend geradeaus fährt, landet direkt im Stadtzentrum.
  • Busse – Nach Elbasan fahren Busse aus allen grösseren Städten Mittelalbaniens und dem Südosten des Landes. Heute fahren die Busse in Tirana vom »Busbahnhof« hinter der Universität (»rruga Elbasanit« folgen und nach der Universität am Kreisverkehr links ab).
  • Flugzeug – Der Flughafen von Tirana ist nur rund anderthalb Stunden entfernt.
  • Eisenbahn – Ein Mal täglich pro Richtung ist Elbasan mit Durrës verbunden. Diese Reise dauert aber rund drei Mal länger als ein Transport auf der Strasse.
    Nach Pogradec fahren keine Züge mehr: Die Strecke ab Librazhd wurde stillgelegt.

Weiterreise

  • Auto – Die Strecke über Gramsh nach Maliq und Korça ist fast durchgehend asphaltiert. Für die Fahrt auf engem Strässchen durch die Bergwelt südlich von Gramsh braucht man aber reichlich Zeit – schneller geht es über Librazhd und Pogradec.
    Durch die Dumreja bestehen zwischenzeitlich asphaltierte Strassen von Belsh nach Kuçova und nach Jeta e Re südlich von Lushnja, die sich gut für die Anfahrt nach Berat eignen.
  • Busse & Sammeltaxis – Minibusse fahren mehrheitlich von den zentralen Plätzen beim Hotel Skampa, Busse meist vom »Terminali i autobusave« etwas südlich (vom Park beim »Hotel Skampa« und Ethnographischen Museum nicht ganz 300 Meter die Hauptstrasse nach Süden).

Essen & Trinken & Schlafen

Restuarant Real Skampis in Elbasan, Albanien
Restuarant Real Skampis – Parkanlage und Ausgrabungen innerhalb der Stadtmauern

Das Angebot an Hotels in Elbasan ist nicht allzu gross. Es gibt ein paar kleine Hotels im Stadtzentrum (in und rund um die Festung) und im Umland sowie einige leicht grössere Gebäude am Stadtrand. Vom Hotelbau aus kommunistischer Zeit im Stadtzentrum werden nur noch zwei Etagen als Hotel genutzt, und es weht noch reichlich alter Geist im Haus.

Das Angebot an Restaurants und Cafés ist sehr reichhaltig. Die meisten finden sich im Stadtzentrum rund um den Boulevard bis zum Stadion. Auch der grosse Park nördlich des Stadions lädt zum Verweilen. Eine schöne Oase mitten im Stadtzentrum ist das Hotel-Restaurant »Real Skampis« – beim Südwestturm der Festung die Tür in der Stadtmauer passierend erreicht man eine hübsche und ruhige Grünanlage mit Terrasse (nur Getränke) und vorzüglichem Restaurant.

Das Nachtleben in Elbasan ist nicht besonders. Es konzentriert sich auf ein paar Bars.

Entlang der Strasse nach Osten finden sich bis Librazhd im Abstand von ein paar Kilometern immer wieder hübsche Restaurants, meist auch mit Hotelzimmern, die von Ausflüglern und Durchreisenden besucht werden. Eine gute Alternative für einen Ausflug ins Grüne mit Restaurants ist das Bergdorf Gjinar (siehe oben).

Die Hotels in Llixhat richten sich eher an ein bescheidenes, älteres lokales Publikum.

Einkaufen

Grosse Einkaufszentren und trendige Läden sind in Elbasan noch nicht angekommen. Modernere Geschäfte sind eher östlich der Festung in der Gegend zum Stadion oder nach Süden zum Bahnhof zu finden. Für Einkäufe wird aber oft auch noch der Markt aufgesucht: südlich der Festung entlang der Hauptstrasse.

Freizeit & Kultur

Alter Brunnen im Stadtzentrum von Elbasan
Alter Brunnen im Stadtzentrum

Ein grosses Fest insbesondere in Elbasan ist das Frühlingsfest »Dita e verës« am 14. März. Traditionell wird dann auch die Süssspeise »Ballokumja« gebacken. Eine weitere Speise aus Elbasan, die landesweit bekannt ist, ist »Tavë Elbasani«, ein Auflauf mit Lamm- oder Ziegenfleisch und Joghurt.

Das Fussballstadion »Elbasan Arena« wurde 2014 komplett erneuert und erweitert. Es entspricht internationalen Standards. Aus der Innenstadt kann man bequeum zu Fuss zum Stadion gehen. Albanische Fans haben sich bei Länderspielen gegenüber dem ausländischen Publikum immer sehr freundlich verhalten – man respektiert den Gegner und freut sich über jeden ausländischen Gast, der nach Albanien reist.

Zur städtischen Kultur gehören auch die vielen Grünanlagen im Stadtzentrum. Hier geht es meist noch sehr gemütlich zu und her – und sobald es kühler wird, treffen sich die Bewohner gerne auch für den abendlichen Spaziergang.

Die nahen und entferteren Berge rund um Elbasan bieten auch vielfältige Wandermöglichkeiten. Gut dokumentiert sind die Wanderungen entlang der Römerstrasse »Via Egnatia« (siehe oben).

Wetter in Elbasan

Im Kessel zwischen den Bergen staut sich gerne die heisse Luft – so wird es im Sommer rasch sehr heiss. Die Winter sollten dank der tiefen Lage recht mild sein.

Überarbeitet:

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