Wirtschaft

Verkauf von Kürbissen in Tirana

Verkauf von Kürbissen in Tirana

Die albanische Wirtschaft ist noch weit von Verhältnissen entfernt, die auf einen nachhaltigen Aufschwung im Lande hoffen lassen würden. Die Transformation nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems dauert noch immer an. Ein Blick auf die Handelsbilanz lässt erkennen, dass Albanien noch stark von Zahlungen aus dem Ausland – seien es Kredite und Finanzhilfe von anderen Staaten oder multinationalen Organisationen, seien es Überweisungen von Albanern im Ausland – abhängig ist.

Zwar ist Albanien nicht mehr das ärmste Land Europas (Moldawien hat ein deutlich tieferes Brutosozialprodukt, Bosnien-Herzegowina ein etwa ähnlich geringes BSP) und das Treiben in den grossen Städten ist recht lebhaft, von einer gesunden, florierenden Wirtschaft kann aber doch nicht die Rede sein. Viele sind arbeitslos oder nicht in der Lage, den Lebensunterhalt mit ihrem ordentlichen Beruf zu finanzieren. Viele sind abhängig von Überweisungen von Verwandten, die im Ausland leben. Ein Fünftel der Bevölkerung Albaniens lebt unterhalb der Armutsgrenze – viele davon auf dem Land.

Auf den ersten Blick kann der Eindruck entstehen, dass das Wirtschaftsleben sehr aktiv ist. Doch hinter den Kulissen zeigt sich oft ein anderes Bild. Die Industrie liegt darnieder, und das Kleingewerbe (Baugewerbe, Handel und Gastronomie), das die Albaner betreiben, wirft nicht wirklich Profit ab. Viele Firmen sind auf Dauer nicht wirklich rentabl. Und das Woher und Wohin von Geldern ist oft sehr schleierhaft.

Langsam verbessern sich Rahmenbedingungen wie Infrastruktur, Sicherheit oder innenpolitische Stabilität. Ausländische Investoren legen ihre zögerliche Haltung immer mehr ab und übernehmen – oft erfolgreich – immer mehr albanische Firmen. Probleme können aber nicht aus der Welt geredet werden. Korruption ist nach wie vor ein Thema. Auch die Stromversorgung war lange von regelmässigen Ausfällen geprägt. Gerade für das Kleingewerbe hatten diese Unterbrüche in der Produktion fatale Folgen.

Wildwest-Kapitalismus

Tirana: Warenhaus

Italienisches Warenhaus in Tirana

Nach dem Zusammenbruch des Sozialistischen Regimes wurden rechts schnell marktwirtschaftliche Reformen durchgeführt. Der Boden war schon nach wenigen Jahren komplett privatisiert und die Staatsfirmen wurden ähnlich dem russischen Voucher-System an die Bevölkerung übereignet. Die ersten Schritte der Albaner im kapitalistischen System waren aber schwierig.

Die meisten industriellen Betriebe hatten ihre Produktion aus Rentabilitätsgründen eingestellt und für neue Investitionen fehlte das Geld. Umsatz im grösseren Stil wurde anfangs fast nur auf illegalem Weg erwirtschaftet: Benzin-, Waffen- und Menschenschmuggel waren lukrative Quellen, wie auch der Drogenhandel. Mitte der 90er Jahre beherrschten Pyramiden-Firmen das Wirtschaftsleben des Landes. Bei ihrem Zusammenbruch verloren Hunderttausende von Albanern oft nicht nur ihre ganzen Ersparnisse, sondern oft auch das ganze Vermögen. Die Folge war ein Volksaufstand, der das Land 1997 erneut an den wirtschaftlichen und sozialen Abgrund führte.

Einen kleinen Aufschwung haben 1999 die Flüchtlinge aus Kosova und vor allem die internationale Hilfe gebracht. Dolmetscher und Fahrer halfen den Hilfsorganisatoren, andere profitierten von der Vermietung ihrer Wohnungen an Kosovaren. Als einziges Balkanland verzeichnete Albanien 1999 keine rücklaufende Wirtschaft.

Erste Anreize für Investitionen

Autobahnbau kurz vor dem Krraba-Tunnel zwischen Elbasan und Tirana

Die Regierung hat das Investitionsklima für Ausländer deutlich verbessert. Bürokratie und Administration ist für Ausländer verhältnismässig gering – die Weltbank setzte Albanien in einer Liste der Rahmenbedingungen für den Aufbau neuer Geschäfte auf Platz 67 (von 181, vor allen Nachbarn mit Ausnahme von Mazedonien). Dies und der allmähliche Wirtschaftsaufschwung zieht immer mehr ausländische Investoren an. Auch der Ausblick auf einen albanischen Markt, der nebst Albanien auch Kosova umfasst, erhöht die Anreize für einen Einstieg in diesem Teil Südosteuropas.

Korrupte Beamten, unklare Gesetzeslage, mangelhafte Infrastruktur und geringe Profitaussichten sind aber nach wie vor bestehende Hürden. So wird Albanien auch noch länger auf Zahlungen von Hilfsorganisationen, Weltbank, anderen Staaten und vor allem auch von emigrierten Albanern angewiesen sein.

Gerade letzter könnten die Wende zum Positiven massgeblich beeinflussen: Albaner im Ausland sind wohl eher bereit, ihr hart verdientes Geld in diesem Markt zu investieren.

Bodenschätze, Handel und Tourismus

»Kleinunternehmer-Bergwerk« – Suche nach Chrom mit einfachsten Mitteln, bei Bulqiza

Immer wieder ist von den sagenhaften Bodenschätzen Albaniens die Rede. Von denen gibt es zwar im Land tatsächlich viel (Öl, Gas, Chrom, Kupfer, Nickel, Eisenerz, Bitumen u.a.), doch sind die Förderanlagen derart veraltet und die Weltmarktpreise in vielen Bereichen zu sehr gefallen, als dass das Land von diesem Potential profitieren könnte. Die Chromproduktion hat zwischen 1990 und 1995 um mehr als 50 Prozent abgenommen. Zwischenzeitlich sind die Preise wieder gestiegen. Abgebaut wird oft

Die meisten Albaner schlagen sich heutzutage mehr schlecht als recht durch. Wer einen Job hat (beim Staat oder in den ehemaligen staatlichen Betrieben) kann davon oft nicht leben. Um den sozialistischen Mangel wettzumachen, sind überall kleine Läden, Kioske und Restaurants/Cafés entstanden. Wohnräume im Erdgeschoss wurden zu Läden umfunktioniert, fast alle Grünflächen Tiranas mit Kiosken und Cafés zubetoniert (und zwischenzeitlich wieder davon befreit). Diese Entwicklung ist in den grösseren Städten viel ausgeprägter als in den kaum erschlossenen Landgebieten und bringt der albanischen Volkswirtschaft kaum Geld, da ein Grossteil der verkauften Produkte importiert werden.

Heutransport in Dibra

Heutransport in Dibra

Auf dem Land sind die meisten Menschen in der Landwirtschaft tätig. Die kleinen Felder und mangelnde Technisierung ermöglichen aber in den meisten Fällen keine Ernte, die den Eigenbedarf übersteigt. Von grosser Bedeutung ist auch die Migration. Viele verliessen ihre ärmlichen Regionen und versuchen ihr Glück in der Hauptstadt oder im Ausland. Schätzungen gehen davon aus, dass die Albaner im Ausland jährlich bis zu einer halben Milliarde Dollar nach Hause schicken und somit nicht nur die eigene Familie unterstützen, sondern auch die Wirtschaft des Landes aufrecht erhalten. Das zeigt, dass das Land weiterhin dringend auf ausländische Unterstützung angewiesen ist. Sonst werden noch viel mehr Albaner ihr Glück im Ausland suchen.

Ein weiteres unerschlossenes Potential liegt im Tourismus. Die schöne, noch nahezu unberührte Küste des Landes, die historischen Denkmäler, der balkanisch-orientalische Charme könnte viele Mitteleuropäer anziehen. Für grosse Touristenmassen fehlt aber die Infrastruktur (Wasser, Strom, Verkehrswege national und international), und natürlich haben viele einfach noch Angst vor diesem unbekannten Land.

Die Strände sind im Sommer trotzdem gut gefüllt: Neben Badegästen aus den grossen Städten sind es heute zu einem guten Teil auch Touristen aus Kosova und im Ausland lebende Albaner, die die Strände Albaniens bevölkern.

Die neue Autobahn, die Albaniens Zentren mit Kosova verbindet, wird wohl für beide Regionen einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich bringen.

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