Gjirokastra

Gjirokastra

Altstadthäuser — Gjirokastra

Gjirokastra in Südalbanien ist nicht nur»Museumsstadt« und Weltkulturerbe der UNESCO, sondern eines der touristischen Highlights Albaniens. Die historischen Häuser der Altstadt kleben an den steilen Hängen, überragt von einer alten Burg. Die Strassen sind noch gepflastert und zahlreiche Kulturmonumente können besucht werden.

Mit ihrer gut erhaltenen historischen Substanz am steilen Berg bietet sich ein einzigartiges Bild. Die ortstypischen Steinhäuser sind bemerkenswert: Im unteren Teil gleichen sie meist befestigten Trutzburgen. Die Wohnbereiche der Obergeschosse sind aber mit Holzarbeiten, Balkonen und Fenstern verziert. Leider sind viele Häuser schlecht unterhalten und zerfallen. Besonders charakteristisch ist die schon mehrfach angesprochene Steilheit. Der berühmte albanische Schriftsteller Ismail Kadare – nebst dem ehemaligen Diktator Enver Hoxha der berühmteste Bürger der Stadt – umschreibt die Anlage mit den Worten, dass man auf der Strasse gehen und beim Ausstrecken der Arme problemlos eine Minarettspitze berühren könne.

Lage

Die Stadt ist das Zentrum Südalbaniens. Die historischen Teile Gjirokastras liegen an den Hängen des »Mali i Thatë«. Zu ihren Füssen breiten sich im Tal des Drino die modernen Stadtteile aus. Hier verläuft auch die Nationalstrasse, die Mittelalbanien über Tepelena und Gjirokastra mit der griechischen Grenze verbindet.

Steile (!) Strassen führen von der Neustadt hoch zur Altstadt. Unterhalb der Burg befindet sich der Stadtteil »Basar«. Am Eingang beim Çerçiz-Topulli-Platz endet der Asphalt, und die engen Kopfsteingassen beginnen.

Besichtigung von Gjirokastra

Gjirokastra: Altstadt

Gjirokastra: Strasse im Basar

Beim oben erwähnten Çerçiz-Topulli-Platz beginnt in der Regel die Stadtbesichtigung. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht weit entfernt und hier findet sich auch die Touristeninformation in einem kleinen Hüttchen (vielleicht auch besetzt, wenn es geschlossen aussieht!). Die Touristeninformation bietet Auskünfte, hilft mit Ausflügen und verkauft Karten und Bücher.

Die Strasse nur 100 Meter weiter hoch erreicht man die Hauptkreuzung des Basar-Viertels – wohl der Dreh- und Angelpunkt für Besichtigungen. Hier beim »Basar-Pass« (»Qafa e Pazarit«) und in den Gassen links und rechts finden sich auch Souvenirläden, Handwerksbetriebe, Cafés und Restaurants.

Eine Stadtbesichtigung sollte zumindest Spaziergänge im Basar-Viertel und einen Besuch der Burg enthalten. Auch die Besichtigung historischer Häuser – wie das »Skënduli-Haus«, das »Zekate-Haus« – und des Ethnographischen Museums bieten einmalige Einblicke in die Kultur und Geschichte Südalbaniens.

Wer mehr Zeit hat, kann längere Touren durch die verschiedenen Altstadt-Viertel vor, hinter, unter und über der Burg unternehmen, Sakralbauten besichtigen oder im Stadtteil Manalat zum Aquädukt von Ali Pascha hochsteigen. Ein interessanter Ausflug in ein weniger touristisches Gjirokastra führt durch einen Fussgängertunnel unter der Burg durch (man kommt beim Aufstieg vom Basar daran vorbei) – hier auf dem Weg nach Manalat sind nur Einheimische unterwegs, obwohl es noch zahlreiche schöne alte Häuser gibt. Auch ein Ausflug nach Antigoneia ist durchaus lohnenswert.

 

Burg

Gjirokastra: Burg

Gjirokastra: Burg

Die ältestens Spuren auf dem Felsen über dem Stadtzentrum gehen auf vorchristliche Zeit zurück. Heute thront hier eine mächtige Festung mit Uhrturm. Man betritt die Anlage durch ein grosses Tor in der mächtigen Nordmauer, wo auch der Eintrittspreis zu bezahlen ist.

Wer sich nach dem Eingang nach rechts wendet, kommt zu einer Bektaschi-Türbe, wo zwei Geistliche begraben wurden. Auch eher versteckt ist das ehemalige Gefängnis aus den 30er Jahren, das bis 1968 von allen Regimes verwendet wurde. Vom Eingang nach links führt der Weg durch die Waffengalerie, eine kleine Ausstellung von Kanonen und anderem Kriegsmaterial aus verschiedenen Jahrhunderten. Am Ende dieses Gangs befindet sich der Eingang zum Waffenmuseum, das sich dem Unabhängigkeitskampf und vor allem dem Partisanenkrieg gegen die Italiener und Deutschen widmet.

Danach gelangt man in eine kleine Grünanlage, von wo aus man vor allem das schöne Panorama mit Stadt und umliegende Berge geniessen kann. Ein kleines amerikanisches Flugzeug widerspiegelt noch die kommunistische Ideologie, als das Ausland primär als Bedrohung wahrgenommen wurde. Der Pilot musste 1957 in Albanien wegen technischer Probleme notlanden. Er wurde wenige Tage später ausgewiesen, das Flugzeug Jahre später nach Gjirokastra gebracht.

Der nächste Hof dient als Gelände für das alle vier bis fünf Jahre stattfindende Folklorefestival. Hinter der Bühne befindet sich der Uhrturm und ein aufwändig befestigter weiterer Zugang zur Burg.

 

Basar-Moschee und andere Sakralbauten

Gjirokastra: Qafa e Pazarit

Basar-Viertel: Qafa e Pazarit

Etwas westlich der Kreuzung im Basar liegt die Basar-Moschee, von Weitem am Minarett erkennbar. Der Bau aus dem 18. Jahrhundert hat als einzige von über zehn Moscheen in der Stadt die kommunistische Diktatur überstanden. Sie gehört zwar nicht zu den berühmtesten Gotteshäusern des Landes, verfügt aber doch über schöne Innendekorationen und eine elegante Architektur. Im Geschoss unter der Moschee befanden sich früher vermutlich Ladenräume.

Die übrigen Sakralbauten gehören nicht zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt – mehr für jemand, der Freude am Detail hat. Sie lassen sich aber gut einbinden in Spaziergänge durch die Altstadt, auf denen man aber noch viele andere hübsche Kleinigkeiten entdecken kann.

Eine der sieben Quellen

Eine der sieben Quellen

Die Überreste der Meçites-Moschee liegen etwas unterhalb (nördlich) des Çerçiz-Topulli-Platzes. Vorhanden ist noch die sprudelnde Brunnenanlage der »7 Quellen«, Fundamente vom Minarett und etwas weiter der Hamam (türkisches Bad), ein hübscher osmanischer Bau, der vielleicht bald wieder für Besucher geöffnet werden kann. Die sieben osmanischen Brunnen mit interessanten Details bilden eine lauschige Anlage – aber die mürrische Nachbarin kann den Spass verderben …

Im Viertel unterhalb des Uhrturms findet sich eine alte orthodoxe Kirche, die Kisha e Shpërfytyrimit oder Kisha e Shën Sotirit. Das 1784 eröffnete Gotteshaus mit Glockenturm ist typisch für eine orthodoxe Kirche der Region. Während der kommunistischen Zeit verfiel der Bau mehr und mehr, vom alten Wandschmuck ist deswegen kaum mehr etwas erhalten. Besichtigungen sind während der Gottesdienste frühmorgens und abends um 7 Uhr möglich oder nach Vermittlung durch die Touristeninformation.

Am nördlichen und südlichen Stadtrand von Gjirokastra liegen noch wichtige Tekken der Bektaschi.

 

Gjirokastras Turm-Häuser

Gjirokastra: alte Häuser

Turm-Häuser

Zahlreiche historische Häuser in Gjirokastra sind als Kulturdenkmäler geschützt. Lange waren viele Häuser im Verfall begriffen – die verarmten Eigentümer konnten sich den Unterhalt nicht leisten, waren oft auch ausgewandert. Zwischenzeitlich werden aber immer mehr Häuser restauriert.

Typisch für die lokale Bauweise ist der wehrhafte Teil der unteren Stockwerke und die aufwändig dekorierten oberen Etagen aus Holz. Eine wirkliche Schutzfunktion hatte der untere Bereich meist nicht – die Bauweise eignet sich aber sicherlich auch, um die Vorräte und das Wasser, die hier üblicherweise gelagert wurden, frisch zu halten. Im oberen Teil finden sich die Wohnräume der Familie, die nicht alle ganzjährig genutzt wurden, und reich ausgeschmückte Empfangsräume, die zum Teil nur ganz selten zum Einsatz kamen.

Zekate-Haus

Zekate-Haus

Als schönstes und besterhaltenes Beispiel gilt allgemein das Zekate-Haus, das als eines der höchstgelegenen Häuser der Stadt (ganz oben im Stadtteil Palorto) von weit her sichtbar durch seine hohen Mauern und die geteilte Fassade auffällt. Das beispielhafte traditionelle Gebäude wurde restauriert und kann besichtigt werden, auch wenn es noch nicht in ein offizielles Museum transferiert wurde, sondern immer noch in Privatbesitz ist. Meist kann man das Haus auch ohne Anmeldung besichtigen – die Touristeninformation organisiert aber gerne den garantierten Zutritt und erklärt auch den Weg: An der Moschee vorbei und danach steil die Strasse den Berg hoch, am Gymnasium und dem Hotel »Kalemi« vorbei und noch ein, zwei Kurven weiter.

Skënduli-Haus

Skënduli-Haus

Tipp: Weniger anstrengend zu erreichen und mindestens so spannend ist das Skënduli-Haus. Es ist zwar nicht ganz so gross und pompös wie das Zekate-Haus, aber alle Räume sind sehr liebevoll eingerichtet und werden von der Besitzerfamilie gepflegt. Und im Gegensatz zum Zekate-Haus wurde hier 2015 eine Führung durch eine Tochter der Familie angeboten, die alle Räume und Einrichtungsgegenstände detailliert in gutem Englisch erklärt hat – grössere Gruppen werden bevorzugt. Falls nicht geöffnet, bei der Touristeninformation um Kontakt nachfragen. Das Haus liegt 50 Meter vor dem Ethnographischen Museum: An der Basar-Moschee vorbei, an der nächsten Kreuzung nicht die Strasse hinunter, danach Höhe haltend dem Strassenverlauf folgen. Der Eingang ist in einer sehr schmalen, rückseitigen Gasse.

Anfangs 2016 wurde noch das Haus von Ismail Kadare als Museum eröffnet. Das Geburtshaus des berühmten Schriftstellers wurde wieder Instand gesetzt und sollte ebenfalls zugänglich sein. Es liegt rund 150 Meter unterhalb des Skënduli-Hauses – die Gasse vor dem Haus hinunter, rechts halten.

Es gibt noch diverse weitere Turmhäuser in Gjirokastra. Viele sind aber in Familienbesitz, werden zum Teil noch bewohnt und sind nicht einfach so zu besichtigen.

 

Ethnographisches Museum

Gjirokastra: Volkskundemuseum

Ethnographisches Museum

Das Haus des Ethnographischen Museum gilt als Enver Hoxhas Geburtshaus. Es handelt sich aber um einen Neubau aus den 60er Jahren, nachdem das Originalgebäude abgebrannt war. Eine Besichtigung lohnt sich trotz allem. Und der Weg ist für einmal nicht schweisstreibend: An der Moschee vorbei, dann aber einigermassen die Höhe haltend nach rechts am Gymnasium talseitig vorbei.

Das Gebäude ist ein Modellhaus einer typischen wohlhabenden Familie aus Gjirokastra. Dabei wurden verschiedene ortstypische Elemente vereint: Es wurden Räume anderer Häuser nachgebaut oder die Einrichtung hierher verbracht. Die Räumlichkeiten wurden dekoriert mit Alltagsgegenständen, Trachten und weiteren kulturellen Gegenständen aus der Region.

Früher diente das Gebäude als »Antifaschistisches Museum«. Erst 1991 wurden die Bestände des Museums hierher verlagert. Je nach Jahreszeit ist das Museum nachmittags geschlossen und öffnet erst wieder gegen den Abend.

 

Bunker – »Museum des Kalten Krieges«

Bunkeranlage im »Kalter-Krieg-Museum«

Bunkeranlage – »Museum des Kalten Krieges«

Im Felsen unterhalb der Burg befindet sich eine grosse, unterirdische Bunkeranlage aus kommunistischer Zeit. Trotz wiederholter Ankündigung war sie lange nicht zugänglich, aber im Sommer 2015 wurden Touristen regelmässig durch das »Museum des Kalten Krieges« geführt. Zu sehen gibt es zahlreiche, meist identische und leere Räume, die gemäss Beschriftung verschiedenen Stellen als Büro dienten. Es gab auch Kantinen, Versammlungsräume und Arrestzellen, aber keine Unterkünfte. Eine eindrückliche, grosse Anlage – aber nicht viel Neues für solche, die solche Bunker schon kennen.

Der Zugang befindet sich neben dem Hotel am Çerçiz-Topulli-Platz. Der Bunker kann nur in geführten Gruppen besucht werden, in der Regel eigentlich täglich um 10, 12 und 14 Uhr. Am besten ist es, sein Interesse möglichst frühzeitig bei der Touristeninformation anzumelden. Gruppen werden gerne durch die Anlage geführt – bei Einzelpersonen hat sich Hartnäckgigkeit bewährt oder andere Touristen mitzubringen.

 

Aussicht

Gjirokastra: Blick ins Drino-Tal

Abendstimmung über Gjirokastra: Blick ins Drino-Tal

In Gjirokastra bietet fast jedes Haus eine tolle Aussicht. Von der Burg sieht man gut die Fassaden der Turm-Häuser, kann aber auch das Panorama übers ganze Tal geniessen. Bergseitig kann man beispielsweise vom Zekate-Haus über die Stadt und die Burg hinweg die Aussicht geniessen – noch besser ist das Panorama vom Ausflugsrestaurant Kërculla weiter oben am Berg, wenn man beim Zekate-Haus der Strasse weiter hinauf folgt.

Ein weiterer Aussichtspunkt ist der Obelisk, ein Monument etwas nördlich hinter den Häusern bei der Kreuzung im Basar-Viertel.

 

Umgebung

Von Gjirokastra aus kann man gut ganz Südalbanien erkundigen, sei es das Vjosatal mit Tepelena, Kurvelesh und Përmet, sei es Richtung Küste nach Saranda. Mögliche Ausflüge in der näheren Umgebung sind im Folgenden aufgeführt.

Als erstes aber noch der Hinweis, wohin man nicht fahren sollte: Das Dorf Lazarat südlich von Gjirokastra war lange gesetzeslose Zone. Hier wurde im grossen Stil Kanabis angebaut, die Polizei traute sich bis zu einer Razia im Jahr 2014 nicht mehr hinein. Fremde sind wohl noch immer nicht willkommen. Das Passieren des Dorfs auf der Nationalstrasse ist hingegen problemlos.

 

Sofratike

Sofratika: Theater

Sofratika: Theater

Mitten in der Ebene ein wenig südlich von Gjirokastra wurden beim Dorf Sofratike Ruinen des ehemaligen Adrianopol respektive Hadrianopolis ausgegraben. Die Stadt war wohl vom 2. bis 6. Jahrhundert bewohnt. Es wurden diverse Gebäude ausgegraben – für Besucher interessant sind vor allem die Reste des Theaters, das freistehend erbaut worden ist.

Sofratika liegt rund zwölf Kilometer südlich von Gjirokastra und ist an der Hauptstrasse mit dem Ort Dhivan ausgeschildert. Nach der Abfahrt parallel zur Hauptstrasse parallel nach Süden. Nach 400 Meter erreicht man eine Unterführung unter der Hauptstrasse durch. Von hier zu Fuss weiter durch die Unterführung. Der Feldweg führt nach ca. 700 Metern zu den öffentlich zugänglichen Ausgrabungen.

 

Melan-Tekke

Die rund 200 Jahre alte Bektaschi-Tekke wurde zur Zeiten des Kommunismus vom Militär genutzt. Nach dem Ende der Diktatur wurde sie von Gläubigen aus der Region restauriert. Der Hügel auf der östlichen Talseite beherbergte im Altertum eine illyrische Festung und schon früher eine kleinere Tekke. Die grüne Anlage rund um die Tekke wird von den Bektaschi bei Feiertagen gerne für Picknicks genutzt. Neben dem grossen Hauptgebäude gibt es noch eine Türbe, einen Brunnen sowie Reste einer alten Kirche und bieten eine gute Gelegenheit, die Kultur respektive Religion der Bektaschi kennenzulernen.

Um zur Tekke zu gelangen, fährt man von Gjirokastra in Richtung Grenze. Nach rund 17 Kilometern links zum Dorf Glina abbiegen und die ganze Talebene queren. Nach der Mineralwasserfabrik geht es links ab zum Dorf Vllaho Goranxi (Strasse vermutlich noch nicht komplett asphaltiert). Nach dem Dorfausgang geht es links hinunter (!) zum Hügel mit der Tekke.

 

Libahova

Libahova: Burg

Libahova: Burg

Das alte Städtchen Libahova hat viel von seinem alten Glanz verloren, als die einflussreiche Libahova-Familie über das Schicksal Albaniens bestimmte. Die Stadt liegt in den Hügeln auf der Ostseite des Dropulltals. Wie in Gjirokastra, das weiter nördlich liegt, ziehen sich die Häuser den steilen Berghang des Bureto hoch. Es ist aber alles viel kleiner und bescheidener. Die Burg versteckt sich in einem Garten, kann aber grundsätzlich besichtigt werden. An der zentralen Strasse etwas weiter unten finden sich einige ältere Häuser unter mindestens so alten, weit auslandenden Bäumen. Ein Baum am Ende der Hauptstrasse beim Café, durch das ein Bächchen fliesst, gilt als Naturmonument, da sich seine Äste gabeln und wieder vereinen – ein gemütlicher Ort für eine Rast.

Die Route nach Libahova folgt von Gjirokastra rund elf Kilometer auf der Hauptstrasse nach Süden. Bei Sofratika geht es links ab. Die Strasse quert die Dropullebene und führt auf der anderen Talseite den Berg hoch direkt in den Ort.

 

Labova e Kryqit

Labova e Kryqit: Kirche

Labova e Kryqit: Kirche

Im Bergdorf Labova e Kryqit (auch Labove e sipërme) in der Gegend von Libahova findet sich eine uralte kleine Marien-Kirche. Sie ist ein Muss für jeden Allradfahrer, für alle anderen aber leider nur schwierig auf einer schlechten, unasphaltierten Strasse zu erreichen. Die Kirche ist in einem untypischen Baustil erstellt und gilt als eine der ältesten des Landes (vermutlich 13. Jahrhundert, spätere Umbauten folgten). Fresken und eine Ikonostase zieren ihr Inneres. Eine Mauer umgibt den Kirchhof mit schönen Bäumen.

Man folgt zuerst der Route nach Libahova. In einer Rechtskurve, kurz bevor die Strasse nach Libahova den Berg hoch führt, geradeaus auf die unasphaltierte Strasse abzweigen. Dieser Strasse folgen und bei der einzigen grösseren Gabelung kurz vor der Brücke über den Bach rechts halten, dann immer den Berg hoch. Die letzten Kilometer bis zur Kirche sind dann wieder asphaltiert. Die Telefonnummer der Person mit dem Schlüssel ist am Tor zum Kirchenhof angeschlagen. Sonst einfach den ersten Passanten nach dem Schlüssel (»çelësi kishës«) fragen.

 

Antigoneia

Antigoneia

Antigoneia

Etwas abgelegen liegt auf der anderen Talseite von Gjirokastra hoch am Berg die alte illyrische Siedlung Antigoneia. Die sehr weitläufige illyrische Stadt war nur kurz besiedelt: Unter König Pyrrhus gegründet, wurde sie von den Römern keine 150 Jahre später zerstört. Zu sehen sind noch Reste der Akropolis, der vier Kilometer langen Stadtmauer, der Agora, von Wohnhäusern und Tempeln. Auch Mosaike und Reste einer frühchristlichen Kirche sind zu sehen, die aus einer zweiten Besiedlungsepoche um das Jahr 500 stammen. Die Lage hoch oben an den Hängen des Lunxhëria-Berges bieten zudem eine grandiose Aussicht über das Dropull-Tal.

Anfahrt rund 15 Kilometer auf guter, asphaltierter Strasse: In Gjirokastra bei der grossen Kreuzung an der Nationalstrasse nach Osten über den Drino und gleich nach der Brücke rechts ab durch die Dropull-Ebene zum Dorf Arshi Lengo, weiter dem Strassenverlauf folgend zum Dorf Asim Zeneli. Im Dorf im Zweifelsfall links haltend, im Dorfzentrum findet sich das Büro des »Archäologieparks«, wo es Tickets, Informationen und Guides gibt. Die Strasse führt dann den Berg hoch bis zum Dorf Saraqinishta. Kurz vor dem Dorfeingang geht es rechts ab nach Süden zum Gelände von Antigoneia. Man kann von Asim Zeneli auch hochwandern – dies ist aber doch eine recht anstrengende Tour.

In Saraqinishta findet sich am Südrand des Dorfes noch eine mit Fresken ausgeschmückte Himmelfahrtskirche und eine Niklauskirche im Dorfzentrum aus dem 17. Jahrhundert. Hinterm Dorf liegt noch eine hübsche Quelle versteckt. Rund zweieinhalb Kilometer nördlich vom Dorf hoch am Berghang liegt noch eine Marienkirche, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert. Hier lebten einst Eremiten in Höhlen (»Spile«).

Detailinformationen Archäologiepark

 

Viroi-See

Ein beliebtes Ausflugsziel keine drei Kilometer ausserhalb von Gjirokastra ist der Viroi-See, der gleich neben der Hauptstrasse nach Tepelena bei einer Karstquelle angelegt wurde. Ein kleiner Park mit Restaurants umgibt das Gewässer.

 

Zagorie & Pogon

Eine versteckte Region zwischen den Bergen. Dieses von Griechen bewohnte Tal liegt östlich von Gjirokastra eingekesselt zwischen der Lunxhëria-Bureto-Kette und der Dhëmbel-Nemërçka-Kette. Die Region ist nur schwer zu erreichen (Anfahrt wie Labova e Kryqit, dann aber über die Brücke und via Suha durch die Schlucht zwischen den Bergen; alles unasphaltiert). Es verteilen sich ein paar Dörfer, die kaum mehr bewohnt sind (knapp über 400 Einwohner im Jahr 2011), aber noch eine wilde, ursprüngliche Romantik und ein paar hübsche, alte Kirchen bieten. Das Tal eignet sich auch für Wanderungen, zum Beispiel als Ausgangspunkt, um die Nemërçka zu besteigen oder über die Berge nach Përmet zu trekken.

 

Verkehr

Anreise

  • Auto – Gjirokastra ist von Norden und Süden gut erreichbar. Die  Nord-Süd-Achse von Mittealbanien über Fier zur griechischen Grenze führt durch Gjirokastra. Die Strecke ist zwischenzeitlich gut ausgebaut. Früher führte die Strasse in engen Kurven, auf einem schlechten Asphaltband und mit viel Hoch-und-Runter durch die Hügel der Mallakastra (via Ballsh). Seit 2012 führt ein gutes Stück durchs Vjosatal – nur noch 23 Kilometer von der Grenze zwischen dem Qark Fier und dem Qark Gjirokastra verlaufen auf der alten Strasse. Diese neue Route fehlt noch auf vielen Karten.
    Von Norden kommend fährt man jetzt in Fier durch weiter nach Vlora (die Umfahrung Fier ist noch im Bau) und biegt 10 Kilometer später nach dem Ort Levan auf die neue Schnellstrasse ab. Über Tepelena geht es nach Gjirokastra.
    Von Süden aus Griechenland kommend führt eine gut ausgebaute Schnellstrasse vom Grenzübergang Kakavia nordwestlich von Ioannina nach Gjirokastra. Diese Route eignet sich auch für solche, die mit dem Auto aus Mitteleuropa anreisen: Mit der Fähre von Italien über die Adria nach Griechenland und dann von Igoumenitsa nordwärts nach Albanien.
    Auf dieser Strasse landet auch (etwas nördlich von Kakavia), wer von Saranda über den Muzina-Pass (572 m) nach Gjirokastra fährt. Für die etwas mehr als 50 Kilometer benötigt man rund eine Stunde.
    Von Korça führt eine schmale, asphaltierte Strasse durch die Berge über Përmet und Tepelena nach Gjirokastra. Bei gemütlicher Fahrt braucht man für diese Strecke fast einen Tag.
    Von Norden kommend erreicht man zuerst die Neustadt am Fuss des Berges. Man passiert die Hauptkreuzung und fährt weiter nach Süden. Nach 900 Metern geht steil die Strasse ab, die zum Çerçiz-Topulli-Platz am Beginn der Altstadt führt. Von Süden her kommend ist diese Abzweigung etwas schwieriger zu erkennen – der kleine Kreisverkehr rund zwei Kilometer mit der steil hochführenden Strasse dürfte aber trotzdem auffallen.
  • Busse – Abfahrtsort in Tirana ist im Busdepot für den Süden (Rruga Kavajës 500 Meter über den inneren Ring folgen, dann links). Am späten Nachmittag dürften sich keine Busse mehr finden, die so weit fahren. Manche Busse fahren auch weiter bis Saranda, von wo aus auch regelmässige Verbindungen mit Bus oder Minibus bestehen.
    Gjirokastra ist auch sehr gut mit zahlreichen grösseren griechischen Städten verbunden.
  • Flugzeug – Alternativ zum Flughafen in Tirana, der doch rund dreieinhalb Stunden entfernt liegt, kann auch über Flughäfen in Nordwestgriechenland angereist werden. Aber auch jene Flughäfen, die direkt aus Mitteleuropa angeflogen werden (Preveza, Korfu) sind mehrere Stunden entfernt. Mit Mietwagen darf man in der Regel nicht aus Griechenland nach Albanien ausreisen.

Weiterreise

  • Auto – Mehr und mehr Dörfer im Gebiet werden ans asphaltierte Strassennetz angeschlossen. Aber noch immer sind viele Gebiete nur schwer zu erreichen. Wer aufs Land fährt, sollte sich also zuerst nach dem Strassenzustand erkundigen.
    Saranda ist rund eine Stunde entfernt – der eine oder andere Sightseeing-Stopp auf dem Weg mag sich lohnen. Die nach Süden führende Hauptstrasse wird nach 20 Kilometer bei Jorgucat verlassen, wo der Anstieg zum Pass erfolgt. Die Strasse bis Saranda ist in der Folge eher schmal und zum Teil auch kurvenreich, aber problemlos zu befahren.
    Schmal, kurvenreich und zeitraubend ist auch die schöne Strecke über Përmet durch die Berge nach Korça.
  • Busse & Sammeltaxis – Die Busse starten an der grossen Kreuzung an der Hauptstrasse unten im Tal.

 

Essen & Trinken & Schlafen

Gjirokastra: Strassencafé in der Altstadt

Strassencafé im Basar-Viertel

In Gjirokastra entstehen laufend neue Unterkünfte. Das Angebot reicht von günstigen, einfachen Hotels in der modernen »Unterstadt« über Unterkünfte in traditionellen Turm-Häusern bis zu modernen, luxuriösen Unterkünften. Das »Çajupi« am Çerçiz-Topulli-Platz gilt als bestes Haus vor Ort; der Bau aus Vorkriegszeit wurde vor wenigen Jahren restauriert. Ein besonderes Erlebnis sind das »Kalemi«, ganz im Stil eines traditionellen Hauses gestaltet und mit toller Aussicht, und Gästezimmer in einem der historischen Turm-Häuser. Die Unterkünfte in der Neustadt (darunter auch modernere Hotels) haben den Nachteil, dass Besichtigungen erst mit einem schweisstreibenden Aufstieg verbunden sind.

Kulinarisch wird es in Gjirokastra etwas schwieriger: Die meisten Angebote im Basar-Viertel waren zumindest in der Vergangenheit nicht besonders aufregend. Viele Restaurants befinden sich auch unten in der Neustadt. Das »Çajupi« hat ein angenehmes Restaurant gehobener Art im obersten Geschoss mit Dachterrasse. Auch das Ausflugsrestaurant Kërculla oberhalb der Stadt bietet nebst toller Aussicht gute Küche.

Einkaufen

Im Basar-Viertel gibt es mehrere Souvenirläden. Auch ein paar Ämter, Banken une kleine Läden finden sich dort. Die meisten Läden und der Markt finden sich an der Hauptstrasse in der Neustadt.

Freizeit & Kultur

Gjirokastra: Aufgang zur Burg

Aufgang zur Burg

Die Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen in den Bergen. Wobei: schon Erkundigungen durch die weitläufigen Viertel der Altstadt können zu kleinen Wandertouren ausarten.

Berühmt ist das Nationale Folklorefestival, das alle vier bis fünf Jahre  in der Burg und auf weiteren Bühnen in der Stadt stattfindet. Es wird eine Woche lang getanzt, musiziert und gesungen. Besonderen Applaus vom Publikum erhalten die polyphonischen Gesänge aus Südalbanien. Die letzte Austragung war im Mai 2015. Für das Festival reisen Mitwirkende aus ganz Albanien und dem umliegenden Ausland an. Die Stadt ist voll mit Besuchern – die Aufführungen werden aber auch am Fernsehen live übertragen.

Einen schönen Portrait von Gjirokastra hat Ismail Kadare mit seinem Roman Chronik in Stein erstellt.

 

Wetter

Gjirokastra liegt im Süden Albaniens, nicht wirklich hoch. Wirklich kalt sollte es also selten werden. Es hat aber doch stattliche Berge, die die Region vom Meer trennen, so dass das milde Klima der Küste sich nicht immer durchsetzen kann. Die Sommer sind heiss und trocken – die Winter zwischendurch auch mal unangenehm feucht und frisch.

 

Nützlich

gjirokastra.org – Tipps und Dokumentation für Besucher

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