Albanische Alpen

Maja e Stogut

Maja e Stogut in den »Bjeshkët e Namuna«, den »verwunschenen Bergen«

Valbona, Vermosh und Theth – Zauberworte für manchen Naturliebhaber und Wandervogel. Die Albanischen Alpen stehen für unberührte Natur und traumhafte Bergwelt mit ihren hohen Gipfeln, tief eingeschnitten Tälern, kleinen Dörfern, Schafherden und gastfreundlichen Menschen. Doch das Schöne hat auch hier seine Schattenseiten: In den »Verwunschenen Bergen« ist die Infrastruktur noch bescheidener als im Rest des Landes, viele Bewohner haben die Region verlassen. Dank dem touristischen Aufschwung der letzten Jahre haben sich aber sowohl Infrastruktur wie auch die Einkommensmöglichkeiten der Bewohner verbessert.

 

Lage und Gliederung

Lepusha und Bjeshket e Namuna

Lepusha und Gipfel der »Bjeshkët e Namuna«

Die Albanischen Alpen – serbisch »Prokletije« – liegen im Grenzgebiet von Albanien, Kosovo und Montenegro. Es gibt nur wenige, meist unasphaltierte Strassen und nur am Rand durchquerende Verkehrswege. Auf albanischer Seite kann das Gebirge über Shkodra oder Bajram Curri, den grössten Orten im Norden des Landes, erreicht werden. Von Kosovo aus sind die Berge über Peja aus erreichbar. Im Norden liegt das montengrinische Städtchen Plav am Fusse der Berge.

Die »Jezerca« (2694 m) ist der höchste Gipfel. Sie liegt nordöstlich von Theth im Zentrum der Albanischen Alpen umgeben von einem weiteren Massiv hoher Gipfel. Westlich davon liegt das Massiv »Bjeshkët e Namuna«, ein besonders grosser karstiger, wasser- und vegetationsloser Gebirgsblock. Dessen Name, der übersetzt »verwunschene Berge« bedeutet, immer wieder auf das ganze Gebirge übertragen wird.

Bunker, Runicatal

Nach dem Qafa e Pejës: Blick nach Montenegro

Drei Nationalparks, bei Theth, Valbona und in Montenegro, wurden eingerichtet. Die beiden albanischen Schutzgebiete bestehen aber vor allem auf dem Papier: Es gibt keine besondere touristische Einrichtungen und kaum Aufsicht. Die Behörden arbeiten aktuell an einem grossen »Nationalpark Albanische Alpen« der einen Grossteil des Berglands umfassen soll.

Im Folgenden wird der zentrale Teil des Gebirges unter »Theth» beschrieben, die Zufahrt und die westlichen Teile unter »Shkrel«, der Norden mit Vermosh im Abschnitt »Kelmend« und der Osten mit Valbona unter »Tropoja«. Die südliche Grenze des Gebirges bildet der Fluss Drin – Informationen zur Fährfahrt auf dem »Koman-See« finden sich unter »Tropoja«.
Auf dieser Seite finden sich allgemeine Informationen zur Region, insbesondere zum Wandern.

 

Albanische Alpen: Orte und Sehenswürdigkeiten

Theth

Arapi und Peja-Pass bei Theth
Von hohen Bergen umgebeneses Dorf und Nationalpark im Herzen des Gebirges

Beschreibung

Karte Albaniasche Alpen: Theth

Shkrel

Tal bei Boga am Abend
Westlicher Teil des Gebirges und Zufahrt nach Theth – Dörfer Boga und Razma

Beschreibung

Karte Albaniasche Alpen: Shkrel

Kelmend

Abendstimmung in Kelmend
Die nördlichste Spitze Albaniens: Fahrt durch die Berge nach Vermosh

Beschreibung

Karte Albaniasche Alpen: Kelmend

Tropoja

Valbonatal
Der Nordosten mit dem Valbona-Tal und der Fähre auf dem Koman-See

Beschreibung

Karte Albaniasche Alpen: Tropoja

Albanische Alpen Übersicht

Im Folgenden finden Sie auf dieser Seite allgemeine Informationen zu den Albanischen Alpen, insbesondere zum Wandern, dem Fernwanderweg »Peaks of the Balkans« und der »Rundtour Koman – Valbona – Theth«.

 

 

Wandern & Touren durch mehrere Regionen

Bergsee – Bjeshkët e Namuna

Bergsee – »Bjeshkët e Namuna«

Die Albanischen Alpen sind ein hervorragendes Wandergebiet. Die eindrückliche Bergwelt ist meist noch unberührt und die Leute leben fast wie vor 100 Jahren. Zwar sind in den letzten Jahren immer mehr Ausländer unterwegs. Man findet aber immer noch viele einsame Gebiete und profitiert zudem von einem besseren Angebot und besserer Infrastruktur.

Andererseits ist es aber immer noch ein wildes Gebiet, wo jede Hilfe weit entfernt ist. Unsere allgemeinen Bemerkungen hier wie auch die  Sicherheitshinweise unten zu Tieren und Verhalten im Gebirge sind unbedingt zu beachten.

  • Routenwahl: Kartenmaterial ist schlecht und nicht jede Route ist gut markiert. Klassifizierungen fehlen gänzlich. Es ist deshalb nicht ganz einfach abzuschätzen, wie lange man unterwegs sein wird und wie schwierig eine Tour ist. Wegen der Hitze, des meist steilen Geländes und der schlechten Wege ist aber eher von längeren Zeiten und schwierigeren Verhältnissen auszugehen. Die Zeitangaben der Einheimischen sind in der Regel viel zu knapp berechnet.
  • Führer & Tragtiere: Die Gastgeber in den grösseren Orten können in der Regel problemlos Führer für einen oder mehrere Tage vermitteln. Schwieriger wird es bei Tragtieren – das braucht meist mehr Organisationszeit. Gerade wenn Ausganspunkt und Ziel nicht gleich sind, empfiehlt es sich, einen Führer hinzuzuziehen, ausser man ist auf den sehr häufig begangenen Wegen unterwegs oder erfahren wie eine Gämse. Auch spezialisierte Reisebüros können lokale Führer vermitteln.
  • Auskünfte: In jedem Fall macht es Sinn, lokal die Bestätigung einzuholen, dass die geplante Route begehbar ist. Wichtig ist auch, jemanden über die Tourenpläne zu informieren, damit im Notfall besser Hilfe organisiert werden kann.
  • Wetterbericht: Leider gibt es keine lokalen Wetterberichte für das Gebirge, sondern nur für Städte in der Umgebung.
  • Hilfe: Eine Bergrettung gibt es in Albanien nicht. Zudem haben Mobiltelefone über weite Gebiete keinen Empfang.
  • Ausrüstung: Gerade auch wegen des Punktes davor ist eine gute Ausrüstung im Notfall überlebenswichtig. Ohne gute Bergschuhe sollte man keine Touren ins Gebirge unternehmen. Regenschutz und warme Kleidung gehören auch im Sommer immer dazu. Nur am Valbonapass gibt es unterwegs Verpflegung zu kaufen; ansonsten muss man allen Proviant mit sich tragen. Wasserquellen sind in vielen Gebieten sehr knapp.
  • Markierungen: Weiss-rot-weisse Markierungen sind weit verbreitet. Zum Teil haben Organisaitonen nicht-schweizerischer Herkunft aber auch andersfarbige Markierungen angebracht. Daneben finden sich auch einfache Holzwegweiser und selten noch Markierungen durch aufgehäufte Steine, die von Albanern angebracht wurden. Auf unmarkierten Wegen ist man oft auf Pfadfinder-Erfahrung angewiesen.

Weitere allgemeine praktische Informationen unten nach der Beschreibung der beiden Touren.

 

Rundtour Koman – Valbona – Theth

Koman-See

Schluchten des Drin: Komansee

Die beliebte Rundtour kombiniert zahlreiche Highlights der Albanischen Alpen: Eine Fährfahrt auf dem Komansee und eine Wanderung von Valbona über den Pass nach Theth.

Die Fahrt durch die Schluchten des Sees ist wohl die grösste Sehenswürdigkeit der Region und auch die Bergwelt von Valbona und Theth ist durchaus sehenswert. Die Rundtour ist also ein wirklich grossartiger Mehrtagesausflug.

Die Wanderung ist aber anstengend, und die Tour ist auch planerisch nicht ganz einfach, da man auf diverse Transportdienstleitster angewiesen ist, Abfahrtszeiten der Schiffe auf dem Komansee variieren und die Minibusse zur Fähre meist zu unfreundlichen Zeiten losfahren. Das Angebot richtet sich stark nach der Zahl der Touristen und ist somit im Sommer deutlich vielfältiger.

Am einfachsten geht es, die Tour durch einen lokalten Anbieter organisieren zu lassen – meist erledigen dies auch die Unterkünfte in Shkodra ohne Gegenleistung. Da die Busse sowieso früh morgens Shkodra verlassen, lohnt sich eine Übernachtung dort in jedem Fall (aber am besten nicht erst abends spät die Vermieter bitten, die Rundtour für den nächsten Morgen zu organisieren).

Valbonatal

Blick vom Valbonapass ins Valbonatal

Die Rundtour führt meist am ersten Tag über den Komansee nach Valbona. Am zweiten Tag folgt die Wanderung über den Pass nach Theth. Der Aufenthalt dort lässt sich beliebig verlängern, wenn man das Shala-Tal erkundigen will. Wer noch mehr wandern möchte, kann auch zu Fuss von Theth nach Boga. Am letzten Tag geht es – meist um den Mittag rum – von Theth per Minibus zurück nach Shkodra. In Valbona und Theth wird in Gästehäusern oder kleinen Hotels übernachtet.

Die Wanderung führt durchs Hochgebirge. Gute Ausrüstung (Regenkleider, Bergschuhe) sind unabdingbar. Bei schlechtem Wetter sollte von Wanderungen weit weg von Siedlungen und Verkehrswegen abgesehen werden. Im Herbst erhöht sich die Chance, dass das Wetter schlecht ist – es macht keinen Spass, bei Temperaturen um 10° und Dauerregen stundenlang durch die Berge zu laufen. Im Frühjahr ist zu bedenken, dass die Pässe lange noch schneebedeckt sind: Sowohl die Strasse nach Theth als auch der Valbona-Pass auf der Wanderung sind meist bis weit in den Mai hinein oder länger wegen Schnee nicht passierbar.

 

Fernwanderweg »Peaks of the Balkan«

Wegweiser in Theth

Wegweiser in Theth

Der Fernwanderweg »Peaks of the Balkans« ist eine noch etwas längere Rundtour. Er kann aber auch abgekürzt oder nur in Teilabschnitten absolviert werden. Der Fernwanderweg führt durch weite Teile der Alpen: Von Theth geht es über Valbona und abgelegene Gebiete im nordöstlichen Teil Albaniens hinüber nach Kosovoa bis nach Boga und wieder nach Süden entlang der kosovarisch-montenegrinischen Grenze; am Schluss über Plav und Gusinje in Montenegro und den Peja-Pass zurück nach Theth.

Die Etappen führen durch eine grossartige, zum Teil sehr abgelgene Bergewelt. Die Etappenorte sind meist abgeschiedene Bergdörfer oder Alpen, wo zum Teil nur einfachste Unterkünfte zur Verfügung stehen. Die Etappen sind unterschiedlich lang und unterschiedlich anspruchsvoll. Die Tour ist also wohl eher etwas für erfahrene Wanderer, die vielleicht auch bereit sind, ihr eigenes Zelt mitzutragen – oder zumindest nichts gegen einfachste Berghütten einzuwenden haben. Das wiederholte Passieren der Staatsgrenzen ist zwar problemlos (und ohne Kontrollen), stellt aber doch ein paar noch nicht zufriedenstellend gelöste Hürden dar: Verwaltungstechnisch wird es entweder recht kompliziert ( Dokumentation), oder man bleibt im verwaltungstechnischen Graubereich in der Hoffnung, dass alles gut geht.

 

Buchtipps: Reiseliteratur

Nordalbanien Wanderführer - Thethi und Kelmend. Christian Zindel, Barbara Hausammann

Der Wanderführer Nordalbanien (Thethi und Kelmend) ist ein unentbehrlicher Begleiter für alle, die das Bergland nordöstlich von Shkodra erkunden wollen. Das Buch beschreibt nebst Hochgebirgstouren auch Spaziergänge im Tal sowie die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und das Leben der nordalbanischen Gesellschaft. Leider ist der 2008 herausgegebene Wanderführer vergriffen, aber doch noch über diverse Händler erhätlich. Leider sind auch nicht mehr alle Angaben top aktuell, da sich in den letzten Jahren – mitunter dank diesem Buch – auch die Gebirgsregion touristisch entwickelt hat. Aber dies betrifft nur unwesentliche Aspekte wie das damals noch bescheidene Angebot an Unterkünften oder die zwischenzeitlich erfolgten Investitionen in den Strassenbau. Zusammen mit dem Buch wurde eine Wanderkarte im Massstab 1:50000 für die Abanischen Alpen produziert, sicherlich die beste für die Region. Die Neuauflage vom Dezember 2016 ist vielleicht direkt beim Verlag erhältlich.

Wanderführer Outdoor Peaks of Balkans, Jan Dohren

Für den Fernwanderweg »Peaks of Balkans« durch Albanien, Kosova und Montenegro ist im Jahr 2015 ein erster deutschsprachiger Wanderführer erschienen: Outdoor-Handbuch Peaks of the Balkans. Das übersichtliche und handliche Buch ist praktisch für alle, die auf dem Fernwanderweg unterwegs sind: Detaillierte Streckenbeschreibungen inklusive Koordinaten und Höhenprofile. Aber auch Berggänger, die nur eine kleine Teilstrecke ablaufen oder einfach sonst in den Albanischen Alpen wandern wollen, finden viele hilfreiche Tipps und aktuelle Beschreibungen. Nur das Kartenmaterial ist etwas gar simpel, und der Sprachführer ist eher dürftig.

Wanderfüherer Rother Verlag Peaks of the Balkans, Max Bosse & Kathrin Steinweg

Ein zweiter Wanderführer zum Fernwanderweg erschienen 2016 bei einem Konkurrenz-Verlag: Rother Verlag: Peaks of the Balkans. Dieses Büchlein ist noch etwas umfangreicher und beschreibt nicht nur die Route des Fernwanderwegs ausführlich (detaillierte Streckenbeschreibungen inklusive Koordinaten und Höhenprofile und ordentliche Karten), sondern bietet auch diverse Beschreibungen von Tagestouren, interessanten Abstechern und Gipfelbesteigungen insbesondere in den Regionen Theth, Plav, Gusinje und Rugova. Dami ist der Führer auch sehr hilfreich für alle, die in den Alpen unterwegs sind, ohne dem Fernwanderweg folgen zu wollen.

Ein weiteres kleines Büchlein auf Englisch ist anfangs 2016 erschienen: Peak of the Balkans Beginner’s Guide. Es enthält Ratschläge basierend auf einer eigenen Tour der Autoren. Der Erfahrungsbericht der Autoren und eine Kurzfassung ihres Buchs sind kostenlos.

 

Das Folgende Video bietet einen kleinen Einblick in die Region:

Sicherheit

Menschen

Schafhirte

Schafhirte

Auch wenn die Albanischen Alpen nicht gerade die beste Reputation haben, ist die Region eigentlich sicher – es gab in den letzten Jahren nur ein einziges, leider aber sehr tragisches Verbrechen. Grundsätzlich reist sicher, wer die allgemeinen Vorsichtsmasnahmen, die überall auf Reisen zu beachten sind, berücksichtigt.

Zusätzlich ist zu beachten, dass die Berge Nordalbaniens eine besonders arme Region sind, wo es wohl in jedem Haus auch eine oder mehrere Waffen gibt. Waffen und Blutrache, die hier noch nicht ganz ausgerottet ist, sind aber Themen, die den fremdländischen Touristen nicht betreffen. Es lohnt sich, seine Wertsachen stets auf sich zu tragen und Streitigkeiten oder andere heikle Situationen zu meiden. Leider gab es in der letzten Zeit auch Vorfälle, bei denen versucht wurde, aus den Touristen ungerechtfertigten Profit zu schlagen: überteuerte Preise für Übernachtungen oder Transport. Es lohnt sich deshalb, auch im freundschaftlichen Umfeld stets vorab klar zu regeln, welcher Preis wofür zu bezahlen ist.

Tiere

Die grösste Gefahr im Nordalbanien droht wohl von Tieren: Agressive Schäferhunde sind keine seltene Begegnung. Seltener sind ungewünschte Treffen mit giftigen Reptilien und Raubtieren.

Bei Schäferhunden lohnt es sich, einen Bogen um ihren Schutzbereich und die Herde zu machen – die meisten Hunde werden nur bissig, wenn sie ihre Herde bedroht fühlen. Zuerst warnen sie aber, damit man der Herde nicht näher kommt. Falls es nicht möglich ist, die Herde zu umgehen, empfiehlt es sich, mit dem Hirten Kontakt aufzunehmen, damit dieser den Hund zurückpfeift. Und im Notfall: Ein Griff nach einem grossen Stein ist eine Geste, die den meisten Hunden eine Warnung ist.

Verhalten gegenüber Herdeschutzhunden

Hornotter (giftig)

Hornotter (giftig) in Kelmend

Es gibt zwar ein paar Giftschlangen in Albanien, Begegnungen sind aber selten und das Gift kann zwar sehr schmerzhaft sein, sollte aber keine Todesfolgen haben. Schlangen ziehen sich meist zurück, wenn Menschen nahen. Kommt es doch zu einem Zusammentreffen, unbedingt Ruhe bewahren und der Schlange ermöglichen, sich zurückzuziehen. Auch gutes Schuhwerk (hohe Wanderschuhe) schützen vor potenitellen Bissen. Im Falle eines Bisses unbedingt Ruhe waren, den betroffenen Körperteil möglichst wenig bewegen (allenfalls schienen) und möglichst schnell ärztliche Hilfe aufsuchen.

Schlangen in Albanien
Erste Hilfe bei Schlangebissen

In den Albanischen Alpen gibt es auch Raubtiere wie Luchse, Wölfe und Bären. Die kleinen Luchse sind äusserst selten und scheu. Von Treffen mit Wölfen wurde noch nie berichtet. Bären sind in der Region von Valbona an gewissen Orten gelegentlich recht häufig. Zum Teil sind auch Jungtiere dabei. Bei Begegnungen mit Bären oder Wölfen durch laute Worte auf sich aufmerksam machen, falls sich das Tier nicht schon zurückzieht. Sich langsam zurückziehen – ohne Fotos zu machen – und Tiere auf keinem Fall verfolgen.

Verhaltensregeln Grossraubtiere

 

Wetter und Gebirge

Schnee im Hochsommer

Schnee im Hochsommer

Die Albanischen Alpen sind schroffes Hochgebirge. Wie überall droht durch Wetterumschwünge Gefahr. Gewitter können überraschend auftauchen und die Niederschläge können heftig sein.

Auch die Wege sind oft nicht gut unterhalten, manchmal nicht gut oder gar nicht markiert. In gewissen Regionen gibt es auch keine Quellen. Und: Es gibt in Albanien kein Rettungswesen. Hilfe ist also immer weit weg.

Für jede Wanderung im Gebirge braucht es also eine entsprechende Vorbereitung und gute Ausrüstung. Wenig erfahrenen Berggängern empfehlen wir, sich lokal einen Führer zu besorgen. So vermeidet man, den Weg zu verlieren und in gefährliche Wände zu geraten.

Im Winter ist mit viel Schnee zu rechnen. Viele Dörfer sind dann von der Umwelt abgeschnitten. Lawinengefahr drot bis in den Frühling hinein. In hohen Lagen kann man auch im Hochsommer noch auf Schneefelder stossen, die aber meist problemlos passiert werden können.

 

Kriegsüberbleibsel

Entlang der Grenze von Kosovo können noch Minen vergraben sein – so warnen zumindest einzelne Aussenministerien. Hier also besser auf begangenen Wegen bleiben und in jedem Fall Warnhinweise beachten.

 

Verkehr

In den albanischen Alpen gibt es Dörfer, die Kilometer von der nächsten Strasse entfernt sind. Und diese Strassen sind kaum ohne 4×4-Fahrzeugen passierbar (so auch nach Vermosh und Theth). Wenn es aber regnet, fährt oft gar nichts mehr. Nur allmählich werden auch die wichtigsten Verbindungswege im Gebirge asphaltiert. Und im Winter sind zahlreiche Dörfer über Monate von der Umwelt abgeschnitten.

Anreise

Wanderer bei Boga

Die Strasse am Pass nach Theth – heute ist dieses Teilstück asphaltiert

  • Auto – Der Westteil des Gebirges ist gut von Shkodra und dem Grenzübergang »Han i Hotit« von Montenegro aus zu erreichen. Vermosh ganz im Norden kann auch von Plav in Montenegro angefahren werden. Valbona ist mit Bajram Curri verbunden, das am bequemsten von Gjakova in Kosova aus zu erreichen ist, aber auch von Kukës, von Puka und von der Fähre in Fierza.
  • Fähre – Im Sommer fährt für Touristen mindestens eine Autofähre auf dem Komansee. Die Abfahrtszeiten variieren, sind aber meist nur früh morgens/vormittags, ausser der Andrang ist sehr gross. Ansonsten fahren noch Ausflugsboote und ganzjährig Personenfähren, die manchmal auch ein Motorrad mitnehmen.
  • Busse – Ab Shkodra und Bajram Curri fahren Minibusse (Furgon) in die Dörfer, meist frühmorgens oder am frühen Nachmittag. Minibusse fahren auch zur Fähre in Koman.
  • Flugzeug – Neben dem Flughafen in Tirana bietet sich auch der Flughafen in Podgorica (Montenegro) oder für Erkundigungen im östlichen Bereich des Gebirges  der Flughafen von Prishtina (Kosova) an.
  • Eisenbahn – Podgorica, Peja und Shkodra sind per Eisenbahn zu erreichen. Nach Shkodra fährt aktuell aber nur noch ein Zug pro Tag.

 

Essen & Schlafen

Albanische Alpen: Touristen treffen auf Einheimische

Camping auf einer Alp

Der Tourismus in den Albanischen Alpen hat sich erst seit dem Jahr 2005 entwickelt. Damals entstanden in Theth und Valbona die ersten Gästehäuser. Die Hotels, meist aus kommunistischer Zeit, konnte man an auch noch Jahre später an einer Hand abzählen. Zwischenzeitlich sind Touristen keine Seltenheit mehr, und man ist gut auf sie vorbereitet: Es gibt in fast allen Dörfern Gästezimmer zu mieten und in den beliebteren Zielen sind auch neue kleine Hotels entstanden. Das Angebot wird in den nächsten Jahren wohl laufend weiter wachsen.

Die Gästehäuser verfügen meist über Mehrbettzimmer und einem zu teilenden Badezimmer. Das Abendessen wird in der Stube des Hauses eingenommen. Für Wanderungen werden gerne auch Essenspakete bereitgemacht. Die Unterkünfte sind einfach und die Privatssphäre beschränkt. Zumindest hat man die Möglichkeit, etwas Einblick in den Alltag der Menschen zu erlangen.

In Dörfern ohne Gästehäuser findet sich meist problemlos auch jemand, der bereit ist, Gäste aufzunehmen. Man muss aber damit rechnen, dass kein Badezimmer oder kein modernes vorhanden ist und man im Wohnzimmer schlafen muss.

Ausserhalb der Dörfer gibt es kaum Möglichkeiten, unter einem Dach zu übernachten: Berghütten für Touristen gibt es nicht und auch die Alphütten genügen meist auch einfachsten Ansprüchen nicht (wenige Ausnahmen). Für Hochtouren und mehrtägige Wanderungen muss man also sein eigenes Zelt mitnehmen.

Bis jetzt gab es kaum Restaurants. Cafés gibt es in fast allen Dörfern, und zum Teil werden auch Kleinigkeiten zu essen angeboten. Die Speisen in den Gästehäusern sind stark vom lokalen Angebot geprägt: Lammfleisch, frisches Gemüse, Kartoffeln, Käse und Brot.

 

Einkaufen

In den Dörfern im Gebirge gibt es kaum Läden. Die Cafés bieten zum Teil ein paar Dinge des alltäglichen Bedarfs an, aber nur sehr wenig Lebensmittel. Vorräte sollten in Shkodra oder Bajram Curri eingekauft werden. Bei Bauern in den Dörfern sollte man frisches Gemüse, Brot und Käse kaufen können.

In Tamara gibt es kleine Läden, die zum Teil auch lokale Produkte anbieten. Ältere Frauen verkaufen gelegentlich in Theth selber hergestelltes Handwerk.

 

Wetter

Auch wenn die Albanischen Alpen nicht zu den höchsten Bergen Europas zählen, findet sich hier ein durchaus alpines Klima mit viel Schnee im Winter und gelegentlich heftigen Gewittern im Sommer. Im Herbst kann es auch tagelang regnen. Während die Sommertage meist sehr heiss werden, kann es in höheren Lagen doch recht frisch werden. Schnee bleibt in Gipfelregionen an schattigen Stellen zum Teil das ganze Jahr liegen; an Passübergängen ist bis in den Frühsommer mit Schneefeldern zu rechnen. Gewisse Strassen sind bis in den Mai hinein blockiert.

Verwandte Beiträge

7 thoughts on “Albanische Alpen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.